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Flingern/Kalkum
Vom Hühner-Glück in Kalkum zum Eierlikör in Flingern

Flingern/Kalkum. Die Begeisterung für das Landleben schmeckt man in Olaf Feldhoffs Likören, Pestos und Aufstrichen. Von Semiha Ünlü

Auch in seinem kleinen Laden an der Ackerstraße hat Olaf Feldhoff seine geliebten Hühner immer um sich herum. "Hildchen", nach der er seinen selbstgemachten Eierlikör benannt hat, hängt in einem Goldrahmen am Eingang. Das Foto hinter seiner Theke zeigt noch viele andere seiner 60 Hühner, die er als Krimi-Fan vor allem nach weiblichen Ermittlern aus TV-Serien und Filmen benannt hat wie "Cagney und Lacey" oder "Hanni", die schon stolze 16 Jahre alt ist. Einige Kunden fragen ihn aber auch schon mal, ob er die Hühner, aus deren Eiern er seinen Likör herstellt, direkt im Hof halte. "Das geht aber natürlich nicht", sagt Feldhoff und lacht: Morgens um vier wolle in Flingern doch niemand den Hahn krähen hören. Und auf seinem 500-Quadratmeter-Grundstück am Angermunder See, mitten im Wald, lebten seine Hühner zufriedener, glücklicher und ungestörter als in der Großstadt. So wie ihr Besitzer, der nach 20 Jahren wieder froh ist, auf dem Land zu leben.

Das Glück vom ländlichen Idyll macht der ehemalige Gastronom, der bis vor ein paar Jahren das Kebali-Café an der Ecke Neu-/Flingerstraße in der Altstadt betrieb, seit kurzem aber auch den Flingeranern schmackhaft. In seinem "Chicken Crime Department" - so heißt auch sein Hühnerstall in Kalkum - verkauft er selbstgemachte Liköre, Pestos und Aufstriche mit Zutaten, die von seinem Paradies in Kalkum stammen: Birnen, Rhabarber, Quitten, Pflaumen, Him- und Brombeeren, Löwenzahnblüten oder Kräuter wie Thymian, Rosmarin und Minze pflückt beziehungsweise erntet er direkt vom Feld. Gut 40 Obstbäume hat er um sein Grundstück gepflanzt. Und montags, wenn sein Laden in Flingern geschlossen ist, experimentiert er in der Restaurant-Küche von Freunden mit den Zutaten, probiert dann viele neue Geschmacksrichtungen aus. "Ich verkaufe allerdings nur das, was mir gefällt, deswegen gibt es bei mir zum Beispiel nichts mit Stachelbeeren!"

Stattdessen aber viele andere Sorten, die man in einem gängigen Supermarkt eher nicht findet. Etwa Mandarine-Estragon- oder Erdbeer-Minze-Marmelade. Bei seinen Pestos verzichtet er auf Olivenöl und sogar auf Knoblauch. "Das würde den Geschmack nur überdecken", findet der Ladeninhaber. In seinen kleinen Gläsern gibt es dafür Distelöl, weil es geschmacksneutraler sei, und die ganze Intensität seiner weiteren frischen Zutaten. Seine Produkte seien zwar nicht so lange haltbar wie die in Supermärkten, dafür würden die Kräuter aber eben auch noch in den Gläschen "arbeiten". "Und außerdem sind das alles Genuss- und Lebensmittel, die sollte man essen und nicht lange rumstehen lassen", findet Feldhoff. Ganz im Gegensatz natürlich zu den Likören: Die würden ja besser, je länger sie reifen könnten.

Sehr am Herzen liegt Feldhoff ein Rezept seiner Großmutter, das er eingeschweißt in einer Hülle von seiner Mutter hat: Gurkenlikör. "Ich wäre sehr stolz darauf, derjenige zu sein, der den Leuten diesen Likör schmackhaft gemacht hat", sagt der Kalkumer. Denn viele der Liköre aus Eigenproduktion, die er in seinem gerade mal 25 Quadratmeter großen Laden an der Ackerstraße verkauft, gibt es in Supermärkten nicht zu kaufen, weil man sie nicht (mehr) kennt.

Oder es ist wie beim Mispellikör: "Den machen Leute schon mal privat, aber in größeren Mengen ist er eben nicht erhältlich."

Wenn es Frühling wird und das Idyll von Olaf Feldhoff und seinem Mann am Angermunder See aufblüht, können Düsseldorfer die Liköre vielleicht sogar direkt vor Ort probieren. Bereits begonnen hat Feldhoff mit der Arbeit für ein Buch mit Rezeptvorschlägen: Denn viele Menschen wüssten zum Beispiel nicht, dass man etwa aus Marmelade auch Marinaden herstellen könnte.

Quelle: RP
 
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