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Familiäres Open Air
Wo Flingern noch alternativ ist

Familiäres Open Air : Wo Flingern noch alternativ ist
Die freundlichen Blechbläser aus der Nachbarschaft: Beim Flingern Open Air spielen Bands aus dem Stadtteil. FOTO: Anne Orthen
Flingern. Das Flingern Open Air ist für viele die letzte Bastion der alternativen Szene im ehemaligen Arbeiterstadtteil. Familiär und unkommerziell geht es auf dem Festival zu. Und auch mit Kritik an den aktuellen Verhältnissen wird nicht gespart. Von Maximilian Krone

Es sollte ein intimes Festival werden. Nicht so überlaufen, möglichst wenig kommerziell. Für Flingeraner, die Interesse an Newcomer-Bands und solchen haben, die schon seit vielen Jahren hier spielen. Und tatsächlich wird sich wohl kaum jemand zum Flingern Open Air verlaufen haben oder durch Zufall auf das kleine Festival gestoßen sein. Wer dabei sein wollte, der musste sich entweder gut auskennen oder schon mal da gewesen sein. Denn der Weg führte über eine kleine Seitenstraße des Flinger Broichs durch eine Eisenbahnunterführung, vorbei am "Reservat" der Yellowstone Indianer und einem Sportplatz hin zu einem Gelände des Eisenbahner Sportvereins (ESV). Was sonst wohl nicht mehr ist, als ein paar wenige Baracken mit Holzvertäfelung sowohl im Inneren, als auch außen, verwandelten die Organisatoren von "Flingern Open Air" wieder einmal zu einem charmanten Festival-Ort.

Die gute Seele der Veranstaltung ist Fred Kurasch. Der Alt-Flingeraner stellt das Open Air seit zwölf Jahren auf die Beine. "Angefangen hat alles in meinem Garten. Seit 2010 sind wir nun auf dem Gelände des ESV", sagt er. Über die Jahre wurde das Festival immer größer, was auch Kurasch vor Herausforderungen stellt. "Wir wollen das nicht ausufern und zu groß werden lassen. Es soll familiär bleiben, daher lassen wir pro Tag auch nur 500 Leute rein, zumal das Gelände auch nicht mehr fasst", sagt er. Auch am Wochenende war das Open Air wieder gut besucht. Mehrere hundert Fans feierten bis spät in den Abend Bands, die zu 90 Prozent aus Düsseldorf kamen. Zu den restlichen zehn Prozent zählten unter anderem die "Scruffyheads" aus Köln, die das Publikum mit einer Mischung aus Reggae, Swing und Ska begeisterten. Unter den Zuschauern waren auch Kristina Hildemann, Daniela Melzer und Simon Reiter. "Wir besuchen das Festival zum ersten Mal und sind echt begeistert", sagen sie. Für Martina Bode, die bereits mehrere Male dabei war, spielt die Atmosphäre eine ganz besondere Rolle. "Diese Mischung aus Nachbarschaftsfest und Festival findet man kaum. Das sorgt für eine ganz besondere Stimmung", sagt sie.

Begründet liegt das in den Wurzeln des Festivals. Nicht nur der Garten von Fred Kurasch spielt dabei eine Rolle, sondern auch die Verknüpfung der Veranstaltung mit dem sozialen Gedanken. "Es ist manchmal schon ein Spagat, aber wir bemühen uns, das jedes Jahr einfließen zu lassen. Wir wollen, dass alle kommen können, ob arm, ob reich", sagt er. So gab es in diesem Jahr eine "Umsonst-Ecke", bei der zum Beispiel allerlei Leckereien gegessen werden konnten, ohne dafür zu bezahlen. Während Fred Kurasch die Entwicklung des Open Airs als positiv bewertet, sieht er jene von Flingern mit Sorge. Seit vielen Jahren findet dort eine starke Gentrifizierung statt. Vom ehemaligen Arbeiterviertel sei über die Jahre wenig übrig geblieben. "Ich vermisse viele Alt-Flingeraner, die wegen der Mieten wegziehen mussten", sagt er. Immerhin habe sich aber die Situation für junge Bands etwas verbessert. "Ein Grund, damals in meinen Garten zu laden, war ja, dass mein Sohn keine Proberäume fand, das hat sich heute etwas gebessert", sagt er. Und so wird es auch im kommenden Jahr wieder das Open Air geben.

Quelle: RP
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