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Flingern/Lierenfeld
Zum ersten Mal im Schwimmbad

Flingern/Lierenfeld: Zum ersten Mal im Schwimmbad
Jürgen Gläser leitet den Schwimmunterricht beim Projekt Delfin-Freunde. Viele der Kinder waren noch nie im Schwimmbad. FOTO: hans-jürgen bauer
Flingern/Lierenfeld. Die Caritas ermöglicht Vorschulkindern aus finanzschwachen Familien Kurse im Düsselstrand.

Delfine sind schnelle Schwimmer. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 55 Kilometer pro Stunde flitzen sie durchs Wasser. So schnell sollen die 13 Vorschulkinder aus der Kita St. Michael in Lierenfeld demnächst zwar nicht schwimmen können, aber als Namenspatron und Beispiel für den Schwimmkurs der Caritas im Düsselstrand eignen sich Delfine hervorragend.

Die Kids, die fünf bis sechs Jahre alt sind, sollen schwimmen lernen. "Die meisten wohnen nur zwei, drei Kilometer von diesem Schwimmbad entfernt", sagt der Diözesan-Caritasdirektor für das Erzbistum Köln, Frank Hensel. "Tatsächlich war keines dieser Kinder je in einem Schwimmbad. Ihre Eltern können sich einen Besuch nicht leisten." Hier setzt das Projekt "Delfin-Freunde" an. Die Caritas ermöglicht Kindern einen zweistufigen Schwimmkurs: erst zehn Stunden Wasser-Gewöhnung, dann zehn Stunden bis zum Seepferdchen. Weil 60 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen in Deutschland keine sicheren Schwimmer sind, wie die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) ermittelt hat.

Viele der Kinder haben einen Migrationshintergrund; im Sommer geht es für sie mit der Schule los. Für die Miete und den Schulbedarf gibt es im Zweifel finanzielle Unterstützung - für das Schwimmenlernen und Schwimmengehen nicht. Wer Kindern aus ärmeren Familien gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen möchte, der muss mehr als Mittagessen und Klassenfahrten sichern. Das habe sogar das Bundesverfassungsgericht festgeschrieben: "Doch anstatt dieses Existenzminimum über die Hartz-IV-Regelsätze zu gewährleisten, hat die Regierung ein kompliziertes und bürokratisches Antragsverfahren für Zusatzleistungen eingeführt: Wer aus dem Bildungs- und Teilhabepaket Zuschüsse beantragen möchte, der hat sich durch bis zu 19 eng beschriebene Din-A4-Seiten mit Informationen und Vordrucken zu arbeiten", ärgert sich Hensel. Schwimmkurse gehören nicht zu den förderungswürdigen Leistungen im Sinne des Bildungs- und Teilhabepakets, obwohl es lebensgefährlich sein kann, nicht schwimmen zu können.

(tino)
 
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