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Friedrichstadt
Das perfekte Selfie

Friedrichstadt: Das perfekte Selfie
Evelyn, Zoe, Philia, Eleni und Ayscha (v.l.) können perfekt mit dem Selfiestick umgehen. FOTO: Bernd Schaller
Friedrichstadt. Die Folgen von Handyfotos, die man ins Internet stellt, können fatal sein. Bei Pro Mädchen lernen Minderjährige nicht nur die Technik, sondern auch, sich bereits frühzeitig über die Konsequenzen Gedanken zu machen. Von Marc Ingel

So gut wie jeder hat schon eines gemacht, verschickt, gepostet in den sozialen Medien - und vielleicht auch am eigenen Leib erfahren, dass diese Idee vielleicht doch nicht eine ganz so gute war. Die Rede ist von Selfies, vorzugsweise mit der Handykamera aufgenommene Selbstporträts, die zeigen sollen, wie gut es mir geht, wie toll ich aussehe, wie traumhaft mein Urlaubsort oder wie süß mein Baby ist, das ich auf dem Arm halte.

Dass gerade junge Mädchen aber lieber zweimal nachdenken sollten, bevor sie zum Beispiel ein Foto von sich mit tiefem Dekolleté ins Netz stellen, das hat eine Reihe von Zehn- bis 14-Jährigen schon jetzt in einem Workshop von Pro Mädchen gelernt. Unter Leitung von Christin Feldmann ging es dabei um die Technik, die spätere Bearbeitung mit speziellen Apps, "aber eben auch um Fragen wie: Was löst so ein Selfie aus? Was will ich damit überhaupt darstellen? Und: Soll ich es nicht vielleicht doch lieber lassen?", zählt die Medienpädagogin auf. Dabei spiele der oft unbedacht gewählte Hintergrund ebenfalls eine große Rolle. Feldmann präsentierte den Mädchen in diesem Zusammenhang besonders abschreckende Beispiele: lächelnd vor dem Eingang des Konzentrationslagers Auschwitz oder vor an einem Boden liegenden Obdachlosen.

Trotz dieses durchaus didaktischen Ansatzes vermied Feldmann es, ihre Botschaft mit dem erhobenen Zeigefinger zu vermitteln. Stattdessen bettete sie den viereinhalbstündigen Workshop in einen Beauty-Tag ein. Außerdem machten die Kinder Bekanntschaft mit einem aus heutiger Sicht nostalgisch anmutenden Typ Kamera, der theoretisch ebenfalls für Selfies geeignet ist: der Polaroid. Und: Auch mit einem herkömmlichen Scanner lassen sich interessante Motive im Bild festhalten - herbstliche zum Beispiel mit aufgelegen Blättern oder Kastanien.

Die beteiligten Mädchen waren jedenfalls angetan von dem Konzept. "Das Thema hat mich sehr interessiert, auch wenn es in meinem Alter vielleicht noch nicht so aktuell ist. Aber es ist schon gut zu wissen, dass man sehr vorsichtig sein muss und nicht einfach spontan alles so bei Facebook oder ins Internet stellen sollte", erzählt Philia. Ziemlich wütend wird die Elfjährige, wenn sie das Negativbeispiel mit dem Obdachlosen sieht: "Diese Menschen liegen schon am Boden und man tritt quasi noch mal auf sie ein - wie arm ist das denn?" Die gleichaltrige Zoe hat mit ihrer Freundin zusammen schon mal ein Selfie gemacht, "das war aber ganz harmlos", beteuert sie. Sie hat schon Pläne für das Scanner-Selbstbildnis: "Das soll so aussehen, als ob ich mitten im Wald liege." Philia will sich dagegen mit ihrem Lieblingsbuch ablichten lassen. "Ich inszeniere das mit meinem Kopf auf dem Buch, als wäre ich beim Lesen eingeschlafen. Das passt zu mir."

Faszinierend für die Mädchen war die Arbeit mit dem Selfiestick. Auch wenn das Bedienen des Auslösers mittels Bluetooth für die meisten nichts wirklich Neues mehr darstellte. Schwieriger war es, den Selfie-Steckbrief auszufüllen, in dem man Fragen über sich selbst beantworten sollte: Welche Eigenschaft oder Träume möchte ich transportieren? Welche Macke von mir könnte ich im Bild festhalten? Oder: Welche Wirkung hat mein Foto auf andere? Wer darauf eine Antwort weiß, dem gelingt auch das perfekte Selfie.

Quelle: RP
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