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Friedrichstadt
Ellington-Bar renoviert im Betrieb

Friedrichstadt. Robert Potthoff ist seit fast 30 Jahren im Düsseldorfer Nachtleben. Bis zum kommenden Jahr soll seine beliebte Bar in Bahnhofsnähe erneuert werden. Behutsam und nach und nach. Von Torsten Thissen

Er hat noch zwei Hs und ein D gefunden, Originalteile aus den 1950er Jahren, die nun auf die drei Toiletten hinweisen für Damen, Herren und eben auf jene Einrichtung, die Robert Potthoff "Gender-Toilette" nennt. Man könnte auch sagen, ein Ort, der jedem, unabhängig vom Geschlecht, offensteht. Es ist halt ein zusätzliches Klo, das vor allem die Frauen schätzen werden, doch geht es ja weniger um Gender-Debatten und Notdurft, sondern um Stil und Geschmack. Da spielen die neuen Toiletten der "Ellington-Bar" eine große Rolle.

Denn Potthoff mag die Buchstaben, ihre Eleganz, die Modernität, er mag die Lampen im Klo, die Fliesen, die so auch schon damals hergestellt wurden. Die Toiletten sehen nun eben aus, als seien sie aus der Zeit, in der auch das Haus gebaut wurde. Potthoff hat Innenarchitektur studiert, als er aus der ostwestfälischen Provinz nach Düsseldorf kam, für ihn damals die große Stadt. Behutsam will er seine Bar nun renovieren und das im laufenden Betrieb. Er will keine Gäste vergraulen, weder durch die Umstände, die eine Bautätigkeit eben mit sich bringt, noch durch die Renovierung selbst. "Der Charakter des Hauses und der Bar soll erhalten bleiben", sagt Potthoff. Es gibt nicht viele Bars in Düsseldorf, die Charakter haben.

Seit beinahe 30 Jahren ist Robert Potthoff im Düsseldorfer Nachtleben unterwegs, seit 2009 betreibt er die Bar in der Scheurenstraße, die in der Cocktail-Szene einen Ruf als eine der besten Bars Deutschlands hat, was ziemlich bemerkenswert ist, denn sie kommt ohne Schnickschnack aus. Es gibt gute Drinks auf gutem Eis, und das in einer Gegend, in die sich der klassische Düsseldorfer Cocktailtrinker eher selten verirrt. Potthoffs Gäste kommen wegen der Bar hierher. Und natürlich wegen des Barkeepers, der seine Rolle als Gastgeber ernst nimmt, ohne mit serviler Attitüde Schirmchen-Getränke zu servieren. Er bewundert die Bar-Legende Charles Schuhmann, der kein Clown hinter dem Tresen war, sondern als Erster in Deutschland auf gleicher Ebene mit dem Gast agiert hat.

Potthoff meint, dass seine Bar auch von der Atmosphäre da draußen lebe. Sein Standort zwischen Wettbüro, Trinkerkneipen, Sexshops, mit den fragwürdig erscheinenden Gestalten, die sich zwischen aufgemotzten Autos herumdrücken, sei einer der urbansten Orte Düsseldorfs. Und es gibt Stammgäste, die sich rechts in die Nische setzen, ihr Getränk genießen, wenn noch nicht so viel los ist und Richtung Stresemannplatz auf die beleuchteten Palmen schauen, und gehen, wenn die Bar voller wird. Vielleicht ist das das Geheimnis dieser Bar: Die Nacht ist da draußen, in aller Bedrohlichkeit mit all ihren Gefahren, doch bei Potthoff sitzt man sicher, während der Alkohol das Denken leicht umschmeichelt, auf Leder, und neuerdings auch umgeben von Nussbaum-Furnier. Niemand würde ernsthaft wieder hier raus wollen. Was gibt es dort auch schon?

Pothoffs Gäste sind selten gelegentliche Nachtschwärmer, sie sind gewohnt, auszugehen, und doch hat sich auch für seine Klientel die Nacht gewandelt. 1989, als er im Ratinger Hof seine Karriere begann, waren etwa Sonntag und Mittwoch starke Tage. Heute öffnet Potthoff die Bar am Sonntag gar nicht mehr, weil niemand mehr kommt. Die Stimmung ist auch eine andere, hat er festgestellt. Damals war sie aufgeheizter, sexueller. "Die Promiskuität in der Nacht hat stark abgenommen", sagt Potthoff. Er könnte jetzt sagen, dass dies in seiner Bar anders ist und würde den vielen Argumenten, bei ihm zu trinken, noch ein weiteres, nicht unerhebliches hinzufügen, doch das wäre ja unlauter. Wie die Mode, Drinks durch Dekorationswut zu verunstalten. Potthoff betreibt keinen Blumen- und keinen Obstladen, sondern eine Bar. Er hofft, 2018 fertig zu sein. Entscheidungen müssen noch getroffen werden, wie die, welchen Boden die Bar haben soll. Holz, Linoleum, PVC? Potthoff hat Spaß daran.

Quelle: RP
 
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