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Friedrichstadt
Klänge aus Mosambik

Friedrichstadt: Klänge aus Mosambik
Marisa Bimbo da Costa spielt Froggy. Musiker Matchume Zango (Mitte) und Schauspieler Christian Beppo Peters komponierten die Songs. FOTO: Andreas Bretz
Friedrichstadt. In dem Theaterstück "Blackbird" geht es um ein Pärchen, dessen Leben von Armut, Drogen und Krankheit bestimmt ist. Auf der Bühne stehen deutsche und mosambikanische Schauspieler. Heute ist die Deutschlandpremiere. Von Elena Erbrich

Auf der Bühne in der Theaterfabrik Düsseldorf: Matchume Zango greift zu den Schlägeln und lässt sie über das riesige Xylofon, das Timbela genannt wird, gleiten. Marisa Bimbo da Costa stellt sich vor das Mikrofon und beginnt zu singen. Christian Beppo Peters steigt ein. Der Augsburger Schauspieler, der Musiker und die Schauspielerin aus der mosambikanischen Hauptstadt Maputo bringen das Stück "Blackbird" des US-amerikanischen Autors Adam Rapp auf die Bühne. Das fred - Freies Ensemble Düsseldorf inszeniert es in Zusammenarbeit mit der Associação Cultural Warethwa, dem Kulturverein Warethwa. Geprobt wurde fünf Wochen lang in Maputo. Heute Abend ist die Deutschlandpremiere.

Weihnachten in der Großstadt: Baylis, gespielt von Peters, und Froggy, dargestellt von Bimbo da Costa, leben in einem abgewohnten Appartement. Ihr Leben wird bestimmt von Armut, Drogen und Krankheit. "Füreinander sind sie eine Insel der Geborgenheit und Verlässlichkeit in einer chaotischen und feindlichen Welt, durch deren gesellschaftliches Raster sie längst gefallen sind", sagt Regisseur Simon Eifeler. Für Bimbo da Costa war es nicht so einfach, die Rolle der 19-jährigen Froggy zu verkörpern. Einer Figur, die als Jugendliche aus dem Elternhaus ausbrach, in einem Striptease-Club landete und den Drogen verfallen ist. "Man kann etwas über Menschen in diesen Situationen lesen, sich das vorstellen. Aber man kann nie vollkommen in deren Haut schlüpfen", sagt die 25-jährige Schauspielerin. "Die ersten Proben waren sehr emotional, dann wurde ich tougher." Die Beziehung zu Baylis sei laut Bimbo da Costa "brutal, aber auch mit etwas Süßem versehen".

Geprobt wurde fünf Wochen lang in der Künstlerresidenz von Zango in Maputo. Kennengelernt hatten sich der Musiker, die Schauspielerin, der Regisseur und die Choreographin Marie-Lena Kaiser bei einem Workshop des Vereins Kabawil im September 2016 in Mosambik. "Es war eine spontane Idee von mir, das Stück zu nehmen", sagt Eifeler. "Mosambik steckt gerade in einer Wirtschaftskrise. Wir wollten das Thema Armut aufgreifen." Der 40-Jährige holte dann Peters dazu, den er aus seiner Studienzeit an der Akademie für darstellende Kunst in Ulm kannte. Kurz vor der Premiere in Maputo verletzte sich dieser schwer. Bei einem Sturm zersprang eine Fensterscheibe, eine Scherbe durchtrennte eine Arterie und drei Sehnen an seinem rechten Fuß. "Sechs Stunden hat es gedauert, bis wir durch die überschwemmte Straße kamen und ein Krankenhaus gefunden hatten, das operieren konnte", sagt Eifeler. "Das war eine Katastrophe. Hat uns aber auch zusammengeschweißt." Das Team schmiss die erste Version komplett um und trat mit einer Konzertvariante auf. Für Düsseldorf wurde diese ausgebaut. "Die totale Form der Abstraktion ist gut für das Stück", sagt Kaiser. "Im Original gibt es zu viele Regieanweisungen. Die haben wir alle rausgeschmissen."

Im ursprünglichen Stück sei nur etwas Radiomusik zu hören, in der neuen Inszenierung gibt es nun Hip-Hop, Pop und Jungle. Komponiert haben die Songs Peters und Zango. "Das Stück ist auf Englisch mit Anteilen von Deutsch, Portugiesisch, Changana und Chopi. Die Songs kann man auch ohne Sprachkenntnisse genießen", sagt Eifeler.

Quelle: RP
 
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