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Friedrichstadt
"Was wir machen, macht sonst keiner mehr"

Friedrichstadt: "Was wir machen, macht sonst keiner mehr"
Klaus Feld beim Galvanisieren eines Ringes. Bei dem Verfahren erhält das Schmuckstück einen korrosionsbeständigen Überzug. FOTO: Andreas Bretz
Friedrichstadt. Die Goldschmiede Feld - seit 20 Jahren mit einem Geschäft an der Friedrichstraße - ist noch ein klassischer Handwerksbetrieb. Von Marc Ingel

Der Laden ist klein, die Auswahl an Schmuck in den Vitrinen überschaubar. Seit 20 Jahren haben Silvia und Klaus Feld an der Friedrichstraße 28a ihren Meisterbetrieb. Der damalige Umzug von der Mühlenstraße bedeutete eine enorme Vergrößerung. "Das war früher wirklich ein absolutes Mini-Geschäft, das wir hatten", erzählt Silvia Feld. So viel Platz braucht das Paar auch nicht, "wir können auf 3000 Stammkunden bauen, die gezielt zum Teil von weither kommen, vom Niederrhein und aus den Niederlanden, sogar aus Köln", erklärt der Chef stolz.

Bei ihm wird vor allem gearbeitet, es fließt Schweiß und es wirbeln die Goldspäne herum, wenn der Meister loslegt. Daher sei die angeschlossene Werkstatt auch wichtiger als viel Bling-Bling und der äußere Schein. "Wir bieten klassisches Handwerk, ganz die alte Schule", sagt Feld, der mit seiner Frau nun seit 30 Jahren selbstständig ist. In der Werkstatt wird geschweißt, gelötet, geschmolzen, poliert, rhodiniert, galvanisiert und granuliert.

Vieles davon werde kaum noch angeboten, sagt Silvia Feld, "weil es zu aufwendig und zeitraubend ist. Was wir machen, macht sonst keiner mehr", betont sie und zeigt einen granulierten Ring, der auf den ersten Blick zwar sehr schön, aber unspektakulär erscheint. Erst unter der Lupe erkennt der Laie, wie kleinste Goldkügelchen in offensichtlich mühsamer Detailarbeit so dicht zusammengelötet wurden, dass sie wie eine einheitliche Fläche wirken. Eine Sisyphos-Arbeit. "So ein Job kann schon mal fünf Tage dauern", berichtet Klaus Feld.

Alles Handarbeit: Hier schneidet der Goldschmiedemeister aus einem Ring den Mittelsteg heraus. FOTO: Bretz Andreas

Bei ihm gebe es nichts von der Stange, alles seien Unikate, nichts für den Massengeschmack und zudem zu 100 Prozent recycelt, weswegen Feld auch Altgold ankaufe und sich ansonsten auf kleine Manufakturen beschränke. Gerne würde das Goldschmiede-Paar auch Antikschmuck umarbeiten, bei Erbstücken beraten, ebenso aber die Batterie an der Armbanduhr wechseln oder Perlen für eine Kette aufziehen. "Das ist nicht alles immer erträglich, gehört aber dazu, wenn man seine Stammkunden behalten will", sagt Feld. Die Zeiten werden nicht einfacher, das weiß er nicht zuletzt, seit sein Nachbar auf der Friedrichstraße, der Stern-Verlag, schließen musste.

Überhaupt sieht er die Zukunft der Einkaufsstraße kritisch. "Die Friedrichstraße hatte Höhen und Tiefen, in den nächsten Jahren werden wohl die Tiefen dominieren", sagt der Goldschmied. Leerstände würden in letzter Zeit zunehmen und nicht wieder verschwinden, der ab 2018 anvisierte Umbau der Straße werde die Situation eher noch verschärfen, glaubt er. "Die Fahrspuren werden verringert, Parkplätze fallen weg, das Kurzparken wird gar nicht mehr möglich sein, was für den Einzelhandel natürlich immer tödlich ist", malt Feld schwarz.

Auf Laufkundschaft könne er schon lange nicht mehr bauen, seit Provinzial-Versicherung und West LB aus dem Viertel verschwunden seien, "um so wichtiger ist es, die Stammkundschaft zu halten". Die Kommunikation mit der Stadt sei von Arroganz geprägt, "dass beschränkt sich auf kommentarlose Mitteilungen, ist aber kein Miteinander", beschwert Feld sich.

Dennoch will der 58-Jährige mit seiner Frau an der Friedrichstraße bleiben. Mit Jennifer Ernst habe das Paar eine tolle Mitarbeiterin, eine Auszubildende arbeitet in dem Meisterbetrieb, gerne würden die Felds eine weitere einstellen, "aber es wird immer schwerer, jemanden zu finden", bedauert Feld. Obwohl: "So eine persönliche Arbeit, mit den eigenen Händen etwas zu kreieren, das ist doch enorm reizvoll."

Quelle: RP
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