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Friedrichstadt
Hoffen und Bangen an der Friedrichstraße

Wehrhahn-Linie: Hoffen und Bangen an der Friedrichstraße
Friedrichstraße 35: Nur Spuren erinnern an den früheren Mieter dieses Ladenlokals, in dessen Nachbarschaft weiterer Leerstand zu verzeichnen ist. FOTO: Andreas Endermann
Friedrichstadt. Sechs Läden stehen im Moment leer, der U-Bahn-Start bereitet den Anliegern Sorge. Andere eröffnen mit großem Optimismus. Von Christian Herrendorf und Nicole Lange

Wer vom Graf-Adolf-Platz kommt und die Friedrichstraße hinunter läuft, erhält ständig einen neuen Eindruck. Auf den ersten Metern sind immer wieder Ladenlokale zu sehen, an deren Fenstern Klebereste früherer Mieter oder Abschiedsbriefe an die Kunden hängen. Weiter hinten begegnen einem viele Läden, die zum vertrauten Bild der Friedrichstraße zählen, dazwischen taucht immer mal wieder ein Geschäft auf, das erst vor kurzer Zeit eröffnet hat: ein kleines Fitnessstudio, ein Computer-Geschäft und ein Laden für Freunde von besonderen Biersorten.

Friedrichstraße 79: Vor zwei Wochen haben Sebastian Knepper und Thorsten Kulmann dieses Geschäft für besondere Biere eröffnet. FOTO: Endermann, Andreas (end)

Die Friedrichstraße schwankt zwischen Bangen und Hoffen. Die Düsseldorf Arcaden haben sie einige Geschäfte und damit auch ein gutes Stück Mischung gekostet, mit der WestLB verschwanden viele Kunden, und die Eröffnung der U-Bahn beobachten die meisten Geschäftsleute mit bestenfalls gemischten Gefühlen. "Dann fallen die Straßenbahnen weg, die für die meisten Geschäfte hier sehr wichtig sind", sagt Claudia Bremer, Vorsitzende der Interessengemeinschaft Friedrichstraße. "Und der Umbau unserer Straße ist auf 2018 verschoben, das heißt, die Lage bleibt unsicher für alle, die hier sind, und alle, die vielleicht gerne herkommen würden."

Von Hausbesitzern ist zu hören, dass sich nur selten Interessenten für die leeren Geschäfte finden - und wenn, seien es allenfalls Imbissbuden, nie aber attraktive Konzepte, für die tatsächlich Kunden eigens die Friedrichstraße ansteuern. Diese sind auf der Straße ohnehin selten: Ketten wie dm oder Butler's funktionieren zwar auch hier durchaus gut, sind aber auch anderswo in der Stadt mehrfach vertreten.

Fotos: So soll die Stadt nach dem U-Bahn-Bau aussehen FOTO: Animation Stadt

Fragt man den Experten, bräuchte es schon einen attraktiveren Mieter, um Frequenz zu generieren: "Etwa ein Sport-Konzept wie Decathlon", sagt Immobilien-Experte Frank Emmerich von CBRE. "Wenn so ein Anbieter dort 3000 bis 4000 Quadratmeter mietet, das zieht Leute an." Für viele Händler gibt es aber momentan auch attraktivere Stadtteil-Lagen, die sie eher interessieren. Emmerich zufolge gilt das für die Nordstraße - die schon lange als attraktive Vorzeige-Adresse unter den Nebenzentren gilt -, aber auch für die Rethelstraße oder die Luegallee in Oberkassel.

Zu den Optimisten an der Friedrichstraße zählt Sebastian Knepper, der vor zwei Wochen mit Thorsten Kulmann das Geschäft "Holy Craft" für besondere Biere eröffnet hat. Die beiden Inhaber haben sich bewusst für den Standort entschieden, weil er zwischen den Stadtteilen Friedrichstadt, Unterbilk und Bilk liegt, in denen viele potenzielle Kunden leben. "Im Moment bringt der tägliche Verkehr viele Menschen hier vorbei. Wie das nach der Eröffnung der Wehrhahn-Linie ist, werden wir gespannt beobachten", sagt Knepper. Die Bier-Experten wollen dem Umbruch mit passenden Marketing-Ideen begegnen und nach dem Umbau der Straße auch schauen, ob sie ihr Geschäft gastronomisch erweitern können.

Fotos: Abschnitt des U-Bahnhofes Heine-Allee präsentiert FOTO: Joris Hielscher

Die Interessengemeinschaft will der aktuellen Lage in zweierlei Hinsicht begegnen. Sie will Gespräche mit der Verwaltung suchen, damit der Umbau so schnell wie möglich kommt (und dann auch vorbei ist). Und sie will den Kontakt zu den Vermietern suchen, um gemeinsam Wege zu besprechen, neue Mieter anzulocken.

Quelle: RP
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