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Friedrichstadt
Wie viel Luxus verträgt Friedrichstadt?

Friedrichstadt: Wie viel Luxus verträgt Friedrichstadt?
Der Grünen-Politiker Thorsten Graeßner kann nicht verstehen, warum das Haus an der Oberbilker Allee abgerissen werden soll. FOTO: hans-jürgen bauer
Friedrichstadt. Verschiedene Brauprojekte sollen in den nächsten Monaten und Jahren in Friedrichstadt umgesetzt werden. Fest steht: Wohnraum wird dringend benötigt. Manche Bürger aber fürchten, dass der Stadtteil seinen Charme verliert. Von Nicole Kampe

Auch wenn das Haus an der Oberbilker Allee 32 nicht denkmalgeschützt ist, "denkmalwürdig ist es in jedem Fall", findet Thorsten Graeßner (Grüne), Mitglied der Bezirksvertretung 3. Er hätte gerne gesehen, wenn der Investor die Fassade in sein Neubau-Konzept integriert hätte. Weil im Erdgeschoss irgendwann nachträglich Kacheln angebracht wurden, das Objekt nicht ortsbildprägend sei und es eine zu niedrige Geschossigkeit aufweist, soll es nun abgerissen werden.

"Für mich reiht sich dieser Abriss zusammen mit dem geplanten Abriss des Gebäudes Brunnenstraße 27 ein in eine Reihe von Bauvorhaben im Stadtbezirk 3, bei dem historische Gebäude aus dem Stadtbild für immer verschwinden werden", sagt Graeßner. Die Gentrifizierung schreitet voran, fürchtet der Politiker, "und die Wohnungen werden dann natürlich teurer".

Geplant sind an der Oberbilker Allee im Erdgeschoss Flächen für Einzelhandel. Im Hinterhof, der bebaut werden soll, sind Stadthäuser mit rund 80 Quadratmetern vorgesehen. Im vorderen Teil werden Mikroappartements entstehen, 16 bis 18 Quadratmeter groß. Weil die Stadt immer auf der Suche nach Platz für Wohnraum ist, begrüßte ein großer Teil der Bezirksvertretung das Bauvorhaben. Die Mieten werden ganz sicher steigen für die geplanten Wohnungen und Appartements, ob es noch Platz geben wird für die Gaststätte "En de Kull", ist bisher nicht besprochen worden.

Weiter in der Planung und Realisierung sind bereits die Fürstenhöfe, die Grundsteinlegung ist vor zwei Wochen gefeiert worden. Zwischen 44 und 200 Quadratmeter werden die 81 Objekte groß, Appartements und Town-Häuser sind geplant. "Ein Teil der Wohnungen ist öffentlich gefördert", sagt Aldo Dorazzo von Schnarrenberger Immobilien. Das Unternehmen ist mit der Vermietung der Wohnungen beauftragt worden. Die Gebäude an den Hausnummern 187 und 189 werden saniert, dort sollen dann auch die Sozialwohnungen entstehen - 9,50 Euro pro Quadratmeter wird die Miete dort betragen. Zwischen 13 und 15 Euro kostet die Miete für den Quadratmeter im Neubau, der im Hinterhof des Fürstenwalls entsteht. Die ersten Wohnungen sollen, wenn alles planmäßig verläuft, im Frühjahr bezugsfertig sein, das Projekt soll Ende 2018 abgeschlossen sein.

Gehobene Wohnungen und Stadtvillen werden derzeit im Hinterhof an der Bilker Allee gebaut. Jakobshof hat das Mönchengladbacher Bauunternehmen Jakob Durst das Projekt genannt - 24 Wohneinheiten werden derzeit schon vermarktet. Zwischen 66 und 252 Quadratmeter groß sind die verschiedenen Komplexe, der Kaufpreis liegt zwischen 428.500 Euro und 2.029.890 Euro. "Wenn jemand zwei Penthäuser zusammenlegen will, zahlt er die zwei Millionen", sagt Grimm. Unter dem Jakobshof wird eine Tiefgarage angelegt, ein Stellplatz kostet 28.500 Euro. Insgesamt 47 Parkplätze wird es geben, also fast doppelt so viele wie Wohneinheiten geplant sind. Das wird an der Oberbilker Allee anders sein: 15 Stellplätze müssen nachgewiesen werden, für zehn Fahrzeuge ist in der Tiefgarage Platz. Fünf Plätze sind abzulösen - und das trotz des hohen Parkdrucks im Viertel.

Dass Bewegung in den Stadtteil kommt, dagegen hat Thorsten Graeßner nichts. Er vermutet aber, der Charme des Viertels könnte verloren gehen. "Wir wollen nicht nur gleichförmige Bauten, so wie es sie nach dem Zweiten Weltkrieg gab." Ein positives Beispiel sind für den Stadtteilpolitiker die Karolinger Höfe, in denen sozial und öffentlich geförderter Wohnraum angeboten wird. "Zumal die Stadt offiziell Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen sucht", sagt Graeßner.

Quelle: RP
 
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