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Düsseldorf
Wochenmärkte kämpfen um Existenz

Düsseldorf: Wochenmärkte kämpfen um Existenz
Willi Triebekens an seinem Stand am Fürstenplatz. Seit sieben Jahren verkauft er dort zusammen mit seinem Bruder Gemüse und Obst. FOTO: Bretz, Andreas
Düsseldorf. Stammkunden und Familien halten viele Marktstände am Leben. Jüngere und alleinstehende Menschen nehmen seit einigen Jahren vermehrt die günstigeren Alternativen in Anspruch. Was fehlt, ist eine neue Generation von Kunden. Von Oliver Burwig (Text) und Andreas Bretz (Fotos)

"Junge Leute können einfach nicht mehr kochen", erklärt sich Gemüseverkäufer Willi Triebekens, warum die jüngere Generation nicht mehr auf Märkten einkauft. Seit sieben Jahren steht sein Stand jede Woche auf dem Fürstenplatz, wird mittwochs nur noch von Stammkunden besucht, über Ostern blieben selbst die aus. Ihm geht es wie vielen Händlern, die es auf den verschiedenen Plätzen der Stadtteile oft mit den selben Problemen zu tun haben.

Heinrich Gödden ist Fleisch- und Wursthändler am Fürstenplatz. FOTO: Bretz, Andreas

"Alle Markthändler leben von Stammkunden", sagt Triebekens. Laufkundschaft mache nur einen sehr kleinen Teil der Käufer aus. Die gute alte Zeit - die liegt für ihn kaum fünf Jahre zurück. Da habe es neben den älteren Kunden, die regelmäßig kommen, auch noch viele Familien gegeben, die täglich bei ihm einkauften. "Hier stand alles voller Kinderwagen", sagt Triebekens. "Von sechs bis zehn Uhr morgens haben wir durchgehend verkauft." Wenn keine jungen Leute mehr den Marktstand für sich entdecken, bleiben bald nur noch ältere Menschen, die den direkten Kontakt zum Händler schätzen.

"Ich gehe gerne auf Märkte", sagt Edith Rotokowski, die seit 50 Jahren am Fürstenplatz lebt. Lebensmittel kauft sie dort, wo es am günstigsten ist - nicht jedoch Fleisch und Wurst, denn abgepackten Aufschnitt aus dem Supermarkt mag sie nicht. Regelmäßig geht sie deshalb zu Metzger Heinrich Gödden. Sein Stand gehört zu den wenigen, die mittwochs am Fürstenplatz stehen. "Hier sind viele Händler auf dem Rückzug, weil es sich einfach nicht mehr lohnt", sagt Gödden. So habe es bis vor kurzem noch eine Bäckerei und einen Blumenstand gegeben. Was blieb, ist der Rewe-Markt gegenüber.

Edith Rotokowski kauft am liebsten auf dem Wochenmarkt ein. FOTO: Bretz, Andreas

Die starke Konkurrenz durch Supermärkte ist nicht neu. Vollsortimente, Salat- und "Frischetheken", Metzger- und Käsestände - so gut wie alles gibt es schon lange auch dort. Es bleiben Nischen, in denen die Wochenmärkte punkten können. Fischhändler Frank Neumann eröffnete seinen Stand auf dem Oberbilker Markt erst im vergangenen Jahr. "Supermärkten bin ich haushoch überlegen", behauptet der 52-Jährige. Deren Fischtheken könnten mit seiner Auswahl nicht konkurrieren. Zudem gibt es bei ihm nicht nur rohen Fisch, der erst noch zu einem Gericht zubereitet werden will, sondern auch Kibbeling und Backfisch auf die Hand. "70 Prozent der Kunden nehmen den Fisch mit nach Hause", sagt Neumann. Der Rest isst ihn gleich am Stand. Alleinstehende und jüngere Leute finde er unter seinen Kunden kaum. Dabei seien Marktstände gerade für diese Gruppen attraktiv: "Man kann dort genau die Mengen kaufen, die man braucht." Auch, wenn es nur zwei Scheiben Wurst oder eine einzelne Gurke sein soll.

Düsseldorf: Alle Wochenmärkte im Überblick FOTO: rpo, Simon Goßen

"Mit Wochenmärkten geht es nicht grundsätzlich bergab", sagt Klaus Meyer, Leiter des Amtes für Verbraucherschutz. Viele Märkte hätten eine Zukunft, andere hingen bereits "am Tropf". "Es ist für uns sehr schwer, neue Händler für die Märkte zu finden. Viele von ihnen haben feste Standorte und wollen keine zusätzlichen Orte anfahren", sagt Meyer. Zudem müssten gerade die Lebensmittelstände einen "harten Kampf" gegen das reichhaltige und billige Angebot in den Discountern führen. Neben der Nahversorgung erfüllen die Stände aber noch eine wichtige soziale Funktion: "Hier kommen die Käufer mit den Händlern in Kontakt. Das ist in Discountern natürlich nicht möglich."

Quelle: RP
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