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Garath
Die Garather Schützen mitgegründet

Garath. Walter Bartelmus und Siegfried Wrobel gehören zu den Mitgliedern, die vor 50 Jahren den Schützenverein in den neu entstandenen Stadtteil zum Leben erweckten. Noch heute sind sie dort aktiv, auch wenn beide weggezogen sind. Von Beate Gostincar-Walther

Walter Bartelmus zeigt stolz auf das mehr als 40 Jahre alte Schwarz-Weiß-Foto, das einen schmucken jungen Mann mit einer hübschen Frau im festlichen Abendkleid zeigt. "Da waren wir Regimentskönigspaar; das ist für mich unvergesslich", erinnert er sich an das Jahr 1972 und einen Höhepunkt seines Schützenlebens. Ein halbes Jahrhundert verbindet ihn mit dem Garather Schützenverein von 1967 und mit seinem Schützenbruder Siegfried Wrobel, der ebenfalls zu den Gründungsmitgliedern gehört.

"Mein Bruder hat in Garath gewohnt und gefragt, ob ich mitmache", erzählt Wrobel. Zur Kompanie "Diana", der Göttin des Glücks, gehört er - wie seine Kollegen trägt er einen grauen Rock mit schwarzem Revers. "Für den Namen der zweiten Kompanie suchten wir nach einer Rose, die groß ist, aber nicht riecht", erzählt Walter Bartelmus spitzbübisch. Namenspatronin wurde die schöne "Baccara": seine Heimatkompanie. Auf seinem beigefarbenen Rock prangt eine Stickerei der edlen Langstieligen.

Bei dem gebürtigen Werstener war es der Cousin, der ihn motivierte, 1967 zu den Garather Schützen zu kommen. "Ich hatte sonst keine Hobbys und bin dann hängengeblieben", meint der 80-Jährige augenzwinkernd. Die Jacketts der Uniformen sind bei beiden Herren schwer besetzt mit unzähligen Stickern - den Zeugen ihrer Reisen und Besuche. Und natürlich von Auszeichnungen. Beide tragen den Regiments- und Stadtorden. Walter Bartelmus ist mit der Verdienstspange des Rheinischen Schützenbundes ausgezeichnet und Siegfried Wrobel mit dem Ehrenkreuz des Vereins.

Walter Bartelmus hatte es zumindest vor 50 Jahren ungleich schwerer mit dem Start seiner Schützenleidenschaft als sein Mitgründungsbruder Siegfried Wrobel. "Meine Frau wollte das nicht; die war eifersüchtig auf andere Damen. Ich war ja auch ein netter Kerl", meint Bartelmus verschmitzt im schönsten rheinisch. Aber ihre Bedenken hätten sich im gelegt und im Laufe der Jahre sei seine Frau Wilma ebenfalls begeisterte Schützin geworden. "Sie mochte ihre Uniform so gerne, dass wir sie damit beerdigt haben", erzählt der 80-Jährige rückblickend. Vor zwölf Jahren sei seine bessere Hälfte - seine Schützenkönigin gestorben. Bei Siegfried Wrobel gab es keine häusliche Debatte. Schließlich stammt er wie seine Frau aus gestandener rheinischer Schützengilde. "Mein Bruder fragte mich damals ob ich hier in Garath mitmache", erzählt der 74-Jährige.

Allerdings wohnte er bis 1993 in Friedrichstadt und pendelte samt Frau und Tochter über zehn Jahre zwischen seiner Wohn- und Schützengemeinde. "Unsere Tochter Sandra hat schon mit sechs Jahren in der Tanzgruppe mitgemacht", erzählt er begeistert. Sylvia Wrobel trat 1993 als erste Frau in die Garather Schützen ein, in die Kompanie "Gut Schuss", eine bis dahin ausschließlich männlich Domäne: Nach ihrem Wechsel in die Kompanie Diana wurde sie dort 2016b Kompaniekönigin. "Aber Hallo", kommentieren beide mit doppelten Ausrufezeichen die Frage nach ihrem Einsatz für den Verein - 50 Schützenjahre verpflichten.

Walter Bartelmus lebt inzwischen Erkrath, Familie Wrobel seit 2001 in Baumberg. "Heute ist vieles anders", sinnieren sie etwas wehmütig und einstimmig. "Jeder hat seine eigenen Interessen", bedauert Walter Bartelmus. "Und jeder guckt auf's Geld", setzt Siegfried Wrobel lästernd hinzu. Früher sei es familiärer gewesen und der Zusammenhalt besser. Alle waren gleich arm. "Als ich Regimentskönig wurde und das Geld für das Abendkleid meiner Frau nicht reichte, steckte mir der Hauptmann einen Schein zu", erinnert sich Walter Bartelmus. "Leih' ich dir" habe dieser gesagt. "Und wir haben in unserem Vereinslokal, dem Goldenen Ring, tollen Blödsinn gemacht - ganz spontan", erfreut sich der zweimalige Kompaniekönig Wrobel an alten Zeiten.

Trotz aller Veränderungen und Wehmut über das, was verlorengegangen ist: Die Garather Schützen sind Heimat und Familie - hier ist ihr Herz zu Hause. "Ich bin gerne unter Menschen. Man freut sich doch, wenn man was auf dem Herzen hat und reden kann", meint Walter Bartelmus nachdenklich. Die Schießerei - na ja, das sei mittlerweile eher nebensächlich. "Ich freue mich immer, wenn ich meine Uniform anziehen kann", betont er. Siegfried Worbel schätzt, dass es immer noch sehr persönliche Freundschaften gibt, die Jahrzehnte Bestand haben. Solche, wo einer für den anderen da sei.

Quelle: RP
 
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