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Düsseldorf-Garath
So war Weihnachten vor 70 Jahren

Düsseldorf-Garath: So war Weihnachten vor 70 Jahren
Anneliese Taschner (v.l.), Adele Schäfer, Bernhard Worms und Peter Schmitt erinnern sich. FOTO: Staschik, Olaf (ola)
Garath. Der Krieg war erst ein paar Monate vorbei, große Teile von Düsseldorf zerstört: Vier Senioren erzählen, wie sie als Jugendliche Weihnachten vor 70 Jahren erlebt haben. Geschenke gab es nicht, aber viel Hilfsbereitschaft. Von Ina Armbruster

70 Jahre ist das Weihnachtsfest 1945 bereits her, doch Adele Schäfer, Anneliese Taschner, Peter Schmitt und Bernhard Worms erinnern sich daran, als sei es gestern gewesen. Schließlich war es das erste Weihnachtsfest nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Heute leben die vier Senioren im Garather Otto-Ohl-Haus, einem Pflegeheim der Diakonie. Heilig Abend verbringen sie in der Gemeinschaft, singen und bekommen feines Essen serviert. Vor 70 Jahren waren Lebensmittel auch zur Weihnachtszeit oft Mangelware.

"Ich hatte unglaubliches Glück", erzählt Adele Schäfer. "Mein Verlobter war bei der Marine. Er hat den Krieg überlebt und war 1945 schon wieder zurück in Düsseldorf. Das war für mich das schönste Geschenk. Wir waren froh, dass wir uns hatten", sagt sie. Damals war Schäfer 18 Jahre alt. Ihre Mutter wollte ihr an Heilig Abend eine besondere Überraschung bereiten. Für 500 Reichsmark hatte sie auf dem Schwarzmarkt ein Kotelett ergattert. Das lag dann gebraten unterm Weihnachtsbaum.

"Die anderen haben darauf bestanden, dass ich es alleine esse", sagt Schäfer. Doch das brachte sie nicht übers Herz und so durften auch die anderen Familienmitglieder ein Stück von dem Fleisch abbeißen. Dazu gab es Knollenschnaps, den die Familie ebenso illegal gebrannt hatte, wie sie den Weihnachtsbaum im Benrather Wald geschlagen hatten.

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Eine Woche später - zu Silvester - folgte die nächste Überraschung: Ein Freund brachte eine Tafel Schokolade mit zur Feier. "Wir hatten damals nichts, aber wenn es etwas gab, haben wir geteilt. Die Hilfsbereitsschaft war enorm."

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Daran, dass es Geld gab, um sich etwas zu kaufen, kann sich Bernhard Worms gar nicht entsinnen. Seine Familie hatte nur Lebensmittelkarten, für die es kaum ausreichend Nahrung gab. Aus Mangel an Wohnraum lebte die Familie damals in einem Kellerbunker - und war froh, einen warmen Platz zu haben. Die Familie war zum Fest nicht vollständig. Der Vater war bereits 1942 im Krieg gefallen, die fünf Kinder waren während des Krieges nach Thüringen und Pommern geschickt worden. Zum Fest waren zwei davon noch nicht wieder zurück in Düsseldorf. Ein glückliches Fest war das erste Weihnachten nach Kriegsende deswegen nicht. "Wir waren froh, dass wir lebten, aber wir trauten dem Frieden noch nicht. Wir hatten Angst, dass bald wieder ein Krieg ausbricht", erinnert sich Worms. An das Maisbrot, das es damals gab, denkt er nicht gern zurück. "Das Brot war ekelhaft, aber wir hatten ja nichts anderes."

Peter Schmitt war damals 14 Jahre alt und lebte bei seinen Großeltern in der Südeifel. Die Eltern hatten ihn während des Krieges zur Sicherheit von Düsseldorf aufs Land gebracht. "Ich habe keinen Hunger gelitten", sagt er. Das habe er vor allem seiner Tante zu verdanken, die viele Bauern in der Umgebung kannte und ein Talent für das "Hamstern" hatte, wie damals das Sammeln von Lebensmitteln genannt wurde. So war die Familie - samt Eltern, die aus Düsseldorf kamen - gut versorgt. Schmitt freute sich vor allem, dass er auch zu Weihnachten nicht frieren musste. "Es war ein wahnsinnig kalter Winter, aber meine Tante hatte mir eine Winteruniform der früheren Hitlerjugend organisiert." An ein wunderbares Fest 1945 erinnert sich Anneliese Taschner. Sie war erst zwölf Jahre alt und kurz zuvor noch zu Fuß mit ihrer Familie aus Ostpreußen nach Niedersachsen geflüchtet. "Wir hatten es vergleichsweise gut", erinnert sie sich.

Sie hatten 1945 bereits eine richtige Wohnung, der Vater arbeitete als Koch für die Amerikaner. Deswegen habe es immer genug zu Essen gegeben. "Weihnachten waren wir in der Kirche, danach brachte noch eine Bekannte geräuchertes Fleisch vorbei", weiß sie bis heute. Geschenke allerdings, spielten auch in ihrer Familie keine Rolle. Nach Düsseldorf zog Taschner erst später, als sie bereits verheiratet war und Kinder hatte.

Bernhard Worms findet es schlimm, in heutiger Zeit wieder von so vielen Kriegen und Krisen auf der Welt zu hören. "Ich wünsche den jungen Menschen, dass sie nie erleben müssen, was wir durchgemacht haben", sagt er und ist froh über all die friedlichen Weihnachtsfeste, die er nach dem Jahr 1945 erleben durfte.

Quelle: RP
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