| 00.00 Uhr

Garath
Ein Fest für die gute Nachbarschaft

Garath. Der Vermieter der Flüchtlingsunterkunft an der Emil-Barth-Straße hatte die Idee zu einem mehrtägigen Kinder-Ferien-Programm im Garten des Wohnhauses. Viele Helfer haben ein tolles Programm auf die Beine gestellt. Von Andrea Röhrig

David Müller-Rico gehört der Generation der Babyboomer an. 1965 wurde er geboren, aufgewachsen ist er wie so viele andere in Garath - an der Emil-Barth-Straße. Genau gesagt zwei Häuser neben der Nummer 104. Als die Stadt im Dezember 2013 mitteilte, dass in dieses Haus Flüchtlingsfamilien einziehen sollten, war vor Ort erstmal der Teufel los. Die Anwohner waren auf den Barrikaden, manche von ihnen fürchteten gar, dass ihre Eigentumswohnungen an Wert verlören. Doch anderthalb Jahre nach dem Einzug der ersten Familien hat sich der Wind in der Siedlung gedreht.

Monika Himmelberg gehörte damals zu den ersten Freiwilligen, die den Kontakt zu den neuen Nachbarn suchten. Von ihrem Garten aus blickt sie auf die Vorderseite des Flüchtlingsheimes. Inzwischen ist sie zur guten Seele im gemeinsamen Miteinander vor Ort geworden. Nur eines fällt ihr schwer: Etwas von den Menschen anzunehmen, denen sie so uneigennützig hilft: "Mir fällt das Geben leichter", sagt sie und fügt hinzu: "Mir tut es sehr gut, den Menschen zu helfen."

Mit Freude beobachtet sie die Vorbereitungen für das Kinder-Ferien-Fest, das den Namen "Global Village" trägt und ab kommende Woche Montag in dem Garten des Hauses Emil-Barth-Straße 104 stattfinden wird. Bis einschließlich Freitag, 7. August, ist jeden Tag von 9 bis 17 Uhr Programm. Unter anderem kommt dann auch Musiker David Müller-Rico zum Einsatz. Er bringt zehn Trommeln mit und möchte, dass die Kindern ganz unbefangen an die Instrumente herangehen.

Barbara Schütte ist ganz aufgeregt. Sie arbeitet bei der Firma Koch-Immobilien, deren Geschäftsführer 2013 das Haus gekauft, dann instand hat setzen lassen und schließlich langfristig an die Stadt als Asylbewerberunterkunft vermietet hat. Ihr Chef sei es auch gewesen, der die Idee zu diesem Fest hatte, berichtet Schütte. Doch dafür müsse erst noch der Garten aufgeräumt werden, für dessen Pflege eigentlich die Stadt zuständig sei. Diese Aufgabe hat Maroun Kharrat übernommen, der bei Koch-Immobilien als Hausmeister arbeitet. Dem Wildwuchs auf dem Areal wollen er und sein Team bis Montag noch beigekommen, der kleine Tümpel zugeschüttet und Stolperfallen beseitigt werden. "Hier soll Sand hin", sagt Schüttes Kollegin Bettina Gollmer-Angerhausen und zeigt auf wackelige und kaputte Gehweg-Platten, die am Eingang des Gartens liegen. Aus dem Sand soll ein Barfuß-Erlebnispfad für die Kinder wie Ledjon (7) und Magomet (8) entstehen. Am späteren Dienstagnachmittag haben Schütte und ihre Helfer Luftballons und Kinderspielzeug an den Zaun, der den Garten oder respektive die neue Festwiese begrenzt, befestigt. Die Hoffnung, dass die Kinder die sich abmachen, um damit zu Spielen, hat sich bereits am Mittwochmorgen erfüllt. "Damit hätte ich nicht gerechnet", ist Schütte erstaunt. Doch das macht ihr Hoffnung, dass das Fest gut besucht sein wird. Das ist nicht nur für die Familien aus Hausnummer 104 gedacht, sondern richtet sich an alle Kinder aus der Nachbarschaft und an deren Eltern, wenn die auch mal spontan vorbei schauen und Kontakt knüpfen wollen.

Auf die Frage, warum denn gleich eine ganze Woche gefeiert werde, ist Schütte gut vorbereitet: "Manche Flüchtlingsfamilien sind eher zurückhaltend und abwartend. Vielleicht werden sie erstmal am Montag nur zaghaft vorbeischauen." Erfolgreiche Arbeit mit Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind, kann nur der tun, der nachhaltig dabei ist. Das weiß auch Corrie Voigtmann, die sich schon seit den 1990er Jahren in der Flüchtlingshilfe in Düsseldorf engagiert und natürlich auch beim Kinder-Ferien-Fest mit anpackt.

Für das Programm zeichnet Ricarda Hinz verantwortlich, die jede Menge Künstler mobilisiert hat. Sie fragte auch bei Müller-Rico an. Der sagte spontan zu, vor allem auch, weil er ja nur zwei Häuser weiter aufwuchs. Auch wenn er nicht mehr in Garath lebt, streift der 50-Jährige heute noch gerne in Ruhe durch den Stadtteil, manchmal auch mit seiner Kamera: "Viel hat sich hier nicht verändert, sagt er - nur die Bäume seien größer geworden. Er habe Garath immer als einen sehr toleranten Stadtteil empfunden. Vielleicht weil der Stadtteil vor 52 Jahren künstlich aus dem Boden gestampft wurde und damit letztlich jeder, der dort hinzog, erstmal fremd war: "Hier zogen Anfang der 1980er Jahren viele Spätaussiedler zu", sagt David Müller-Rico. Er erinnert sich, dass eines Tages in seiner Klasse sechs von ihnen auftauchten. "Die konnten kein Wort Deutsch und wir haben sie direkt unter unsere Fittiche genommen."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Garath: Ein Fest für die gute Nachbarschaft


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.