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Garath/Hellerhof
Ein Organisationstalent

Garath/Hellerhof: Ein Organisationstalent
Corrie Vogtmann weiß meist, wo bei den Flüchtlingen der Schuh drückt und reagiert schnell, um Abhilfe zu schaffen. FOTO: Anne Orthen
Garath/Hellerhof. Corrie Vogtmann hilft seit Jahrzehnten Flüchtlingen - früher hauptberuflich und jetzt wieder ehrenamtlich. Von Birgit Wanninger

Eine Hüpfburg hat sie schon für das Fest am Samstag. Jetzt benötigt Corrie Vogtmann noch eine Torwand. "Damit auch die Jungen ihren Spaß haben", sagt die 69-Jährige. Die Hellerhoferin ist ein Organisationstalent. Seit Anfang der 90er Jahre betreut sie Flüchtlinge - ehrenamtlich oder hauptberuflich als Sozialarbeiterin. Momentan engagiert sie sich unter anderem in der Flüchtlingsunterkunft an der Duderstädter Straße, wo rund 160 Menschen leben, davon allein 50 Kinder im Alter von null bis 18 Jahren. "Zwei Babys sind gerade erst geboren", sagt sie. Gemeinsam mit Anke Nübold und vielen Ehrenamtlichen hat Corrie Vogtmann das Sommerfest, das am Samstag ab 14.30 Uhr startet, organisiert.

Geld besorgen, das kann sie. "Jedenfalls für andere", meint sie. Nicht nur im Düsseldorfer Süden ist Corrie Vogtmann bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund, sondern in der ganzen Stadt. Die gebürtige Holländerin hat mehr als neun Jahre die Betreuung der Hellerhofer Unterkunft in den 90er Jahren übernommen. Da waren schon einmal Flüchtlinge an der Duderstädter Straße untergebracht. "Damals waren es vor allem Balkan-Flüchtlinge", erinnert sie sich. Sie betreute die Kindergruppe, gründete die Mutter-Kind-Gruppe und organisierte Ausflüge.

Mit 50 entschied sie sich dann, Sozialpädagogik zu studieren. Und mit 55 Jahren fing sie bei der evangelischen Kirche als Sozialarbeiterin an. "Vor 15 Jahren hieß das noch evangelisches Flüchtlingsreferat, das später dann die Diakonie übernommen hat", sagt Vogtmann.

Sie arbeitete unter anderem auf dem Flüchtlingsschiff auf dem Rhein, "und da hab' erstmal ich tabula rasa gemacht", sagt sie. Es sei katastrophal gewesen. Die Leute hätten noch nicht einmal Handtücher gehabt und hätten sich mit ihren Kopfkissenbezügen nach dem Waschen abtrocknen müssen.

Jetzt konnte Corrie Vogtmann ihr Organisationstalent voll unter Beweis stellen. Sie fragte bei Henkel an, und ab sofort gab es Hygiene-Artikel. Mehr noch: Es gab auch jede Menge Handtücher. "Die waren vom Probewaschen für die Tests der Waschmittel und fast wie neu", meint sie schmunzelnd und fügt hinzu: "Ich bin heute noch der Firma Henkel dankbar, die uns immer noch unterstützt."

Bis zu ihrer Pensionierung arbeitet Vogtmann in verschiedenen Einrichtungen und seit sie Rentnerin ist, ist sie wieder ehrenamtlich aktiv. "Man muss am Ort sein, und nicht vom Schreibtisch aus organisieren", sagt sie. "Dabei ist Betreuung das A und O", betont sie, denn nur so wisse man, wo der Schuh drücke. Als Beispiel gibt sie das Haus an der Emil-Barth-Straße an, wo neun kinderreiche Familien, insgesamt 47 Personen, leben. Da käme es immer wieder zu Konflikten, weil die Flüchtlinge aus unterschiedlichen Kulturkreisen kommen. "Mein Wunsch wäre es, Familien dort zusammenzulegen, die aus demselben Herkunftsland kommen", sagt sie kritisch.

Neben der Duderstädter Straße leben in Hellerhof noch Flüchtlinge im Pfarrhaus der evangelischen Kirche an der Dresdener Straße. Und da hat Corrie Vogtmann wieder einmal unkonventionell gehandelt. Sie traf per Zufall auf der Straße den scheidenden Pfarrer Gernold Sommer. "Wann ziehen Sie aus?", fragte sie ihn. "Übermorgen", meinte er. Und da nahm Vogtmann direkt Kontakt zum Presbyterium auf und informierte die Flüchtlingsbeauftragte. "In zehn Tagen haben wir das Haus dank vieler Spenden und Helfer bezugsfertig gemacht", sagt sie nicht ohne Stolz. Allerdings wartet sie immer noch auf die städtische finanzielle Unterstützung. "Die ist uns zugesagt worden", erklärt sie. Denn seit September vergangenen Jahres wohnen dort acht Männer und seit kurzem auch eine Mutter mit einem Kleinkind.

Selbstverständlich kommen die Bewohner auch zum Sommerfest. Und für das hat Corrie Vogtmann noch einen Wunsch: "Wo bekomme ich nur einen Bullen-Reiter-Gerät her?? Das wäre doch toll, meint sie. Doch noch wichtiger sind für sie die Torwand und weitere ehrenamtliche Helfer.

Quelle: RP
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