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Garath
Eine Story fürs Fußball-Märchenbuch

Garath. Der Aufsteiger Garather SV hat das Unmögliche möglich gemacht. Donnerstag gab es allerdings eine 0:8-Schlappe. Von Helmut Senf und Birgit Wanninger

Als Abstiegskandidat Nummer eins begrüßten Experten zu Saisonbeginn den Garather SV als Aufsteiger in der Kreisliga A. Kein Geld, ein überaltertes Team ohne namhafte Verpflichtungen - die Bedingungen für den Liganeuling konnten in der eingleisigen A-Klasse angesichts einer finanziell und personell erheblich aufgepeppten Konkurrenz kaum schlechter sein.

Unter dem Motto: "Wir gegen den Rest der Liga" starteten die Garather - allen Unkenrufen zum Trotz - mutig in ihr Aufsteiger-Abenteuer - und ein Blick auf die aktuelle Tabelle beweist: Sieben Spieltage vor Saisonende hat der Underdog das Unmögliche tatsächlich möglich gemacht, sprich: den Klassenerhalt gesichert.

Die Väter des Erfolgs, das sind Trainer-Duo Mike Kütbach und Benjamin Grothe sowie die zunächst als liga-untauglich eingestuften Kicker, die mit Herz und Leidenschaft zum Überraschungsteam der Saison 2016/17 avancierten.

12 Siege, 9 Unentschieden bei nur 9 Niederlagen lautet die stolze Zwischenbilanz. Bis auf den aktuellen Tabellenzweiten DSV mussten alle Top-Konkurrenten wie etwa Spitzenreiter SG Benrath-Hassels, Ratingen 04/19 II, Sportfreunde Gerresheim und Tusa 06 in ihren Auseinandersetzungen mit den tapferen Garathern Punkte lassen.

Vor dreieinhalb Jahren übernahm Garaths Ex-Keeper Mike Kütbach bei seinem Verein, an dem seit mehr als 30 Jahren sein Herz hängt, die Trainingsleitung der damaligen Kreisliga-B-Formation und baute Stück um Stück einen neuen Kader zusammen. Nach einer Zeit anfangs mit taktischen Experimenten wurde am Saisonende 2015 der Aufstieg nur knapp verpasst. 2016 feierte der Südclub den Lohn aller Mühen. "Zusammenhalt und Charakterstärke im Team" ist laut Kütbach das Garather Erfolgsrezept. "Wir lassen uns von Schwierigkeiten einfach nicht unterkriegen", behauptet der Trainer mit Stolz. Aktuelles Beispiel ist die anhaltende Verletztenmisere: Aufgrund zahlreicher Ausfälle hat der Aufsteiger für seine Pflichtspiele zuletzt kaum noch elf Akteure auf den Platz bringen können. Kütbach: "Wir mussten ständig improvisieren." Das Ergebnis seiner personellen Bastelarbeit: Co-Coach Grothe schnürte nach drei Jahren Praxispause kurzerhand die Fußballstiefel und füllte als 35-Jähriger die Lücke in der GSV-Defensive. Auch Tobias Hollenbrock, der erst vor kurzem als Ersatzkeeper zur Mannschaft gestoßen war, war sich für einen außergewöhnlichen Einsatz im Mittelfeld nicht zu schade. Das unerwartete Ergebnis: Die Notelf bezwang selbst den spielstarken SG-Verfolger Agon 08 - mit Herz und Leidenschaft eben, musste aber am Donnerstag eine 0:8-Niederlage hinnehmen.

Kaum zu glauben, dass es diese Erfolgsmannschaft über das Saisonende hinaus nicht mehr geben wird. Kütbach und Grothe haben ihren Rücktritt angekündigt. Offenbar passt es nicht mehr zwischen Trainer-Duo und Verein. GSV-Vorsitzende Peter Heinen erklärte im Gespräch mit unserer Zeitung: "Selbstverständlich freut sich der Verein und der Vorstand über die außergewöhnliche Leistung der Ersten Mannschaft." Dass der Trainer nicht weitermachen will, respektiere er, auch, dass ein Teil der Mannschaft aus Altersgründen aufhöre und ein anderer Teil sich weiterentwickeln möchte. Heinen betonte: "Wir sind ein Breitensportverein", Fußball sei nur ein kleiner Teil.

Kütbach bestätigt Kontakte zu anderen Vereinen. "Noch ist nichts entschieden", betont er. Co-Coach Grothe wird ihm auf jeden Fall folgen. Kütbach: "Uns gibt es nur im Doppelpack."

Quelle: RP
 
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