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Garath
Flüchtlingskinder feiern in Kita

Garath. Die Kita an der Koblenzer Straße lud ihre neuen Nachbarn zur Adventsfeier ein. Von Birgit Wanninger

Bei der Adventsfeier in der Kita 123 an der Koblenzer Straße haben die Kindergartenkinder ihre neuen Nachbarn kennengelernt: die Flüchtlingskinder, die nebenan in der Traglufthalle untergekommen sind.

Kita-Leiterin Bärbel Thorwirth hat die Nachbarn eingeladen und war überrascht, wie viele Kinder in dem Zelt leben. Rund 30 kleine Kinder kamen mit 20 Erwachsenen in die Kita und haben Plätzchen verziert, Schmuckdosen, Fotorahmen und Mobile gebastelt - genauso wie die knapp 80 Kita-Kinder im Alter von einem bis sechs Jahre. Auch wenn die Verständigung meist nur mit Händen und Füßen klappte, hatten doch alle ihren Spaß.

"Seit bekannt wurde, dass die Traglufthalle neben unserer Kita gebaut wird, gab es jede Menge Fragen", sagt Thorwirth. Ihr Anliegen war es von Anfang an, nicht nur die Kinder zu informieren, sondern auch die Eltern mit ins Boot zu holen. Dabei sei es auch darum gegangen, Vorurteile abzubauen.

Selbverständlich sei es spannend gewesen, vor allem für die Jungen, als die ersten Bagger auf dem Nachbargrundstück im Spätsommer ihre Arbeit aufnahmen. Bei den Kindern herrschte allerdings Skepsis, wie man in einem Zelt im Winter leben kann. Es gab also großen Erklärungsbedarf - vor allem als Kevin (5) fragte: "Sind Flüchtlinge auch Menschen?" Seitdem sprechen die Erzieher nur noch von "Menschen" und haben mit ihren Kita-Gruppen immer wieder spielerische Aktionen gestartet. Einige davon sind an einer großen Pinnwand festgehalten. Selbstgemalte Bilder von der Freilufthalle sind dort zu sehen. Und darauf ist das Zelt teilweise besser möbliert als in der Realität. Die Vorschulkinder haben Antworten zum Thema "Was braucht der Mensch" gegeben. Paulo meint "Bade-Shampoo"; David sagt: "Ein Herz" und Sabria ist der Auffassung, dass Menschen eine Uhr benötigen.

Auf die Frage, wie man herausfindet, dass Menschen nett sind, haben die Kita-Kinder wunderbare Antworten: Viele wollen mit den Menschen reden. Fynn will fragen, ob sie lieb sind, und Sabria sagt: "Gucken, wie sie sich benehmen, oder ob sie 'was kaputt machen". Die Kinder hätten schnell erkannt, dass man sich erst kennenlernen muss, um über Menschen zu urteilen, sagt Bärbel Thorwirth nicht ohne Stolz.

Sie möchte mit den Flüchtlingen und deren Kindern ein ganz normales nachbarschaftliches Verhältnis aufbauen. Sicherlich, sie sei von den Betreuern schon gefragt worden, ob es Kita-Plätze für die Kinder gebe. "Aber wir haben unsere Kapazitäten erreicht, und es besteht eine Warteliste", erklärt sie.

Allerdings hat sie ein Angebot gemacht: Einen Vormittag in der Woche könnte sie den Nachbarn die Turnhalle als Raum für eine Spielgruppe zu Verfügung stellen. Allerdings müssten Ehrenamtliche die Kinder und ihre Mütter in dieser Zeit betreuen, sagt sie. Alles andere werde sich dann im Laufe der Zeit zeigen.

Quelle: RP
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