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Garath
Freunde verleihen Trauer Ausdruck

Garath. Anfang August verunglückte der Garather Daniel Bandalo tödlich. Seine Mutter ist dankbar, dass seine Freunde so viel Anteil nehmen und die Familie unterstützen. Von Ina Armbruster

Der Anruf kommt um halb sieben Uhr morgens. Eine Verwandte aus Kroatien ist am Telefon: Daniel hatte einen Motorradunfall. Er ist tot, sagt sie. Für Margarete Bandalo bricht von einer Sekunde auf die andere die Welt zusammen. Zwei Tage zuvor hatte sie sich noch in Kroatien von ihrem Sohn verabschiedet. Sie war selbst für zwei Wochen dort gewesen.

Daniel wollte zwei Monate bleiben, seinen kranken Vater unterstützen - und sich dort selbst ein neues Leben aufbauen. Gerade hatte der gelernte Mechatroniker eine wichtige Prüfung für die kroatische Tourismus-Branche bestanden. Nicht einfach für jemanden, der die Sprache zwar fließend spricht, sie zuvor aber kaum schriftlich angewendet hat. Aber er hat es geschafft.

Um 10 Uhr an diesem Morgen, nur ein paar Stunden nach dem Anruf, sitzt Margarete Bandalo wieder im Flugzeug nach Kroatien. Dieses Mal nicht, um Daniel zu besuchen, sondern um ihn zu beerdigen. Er hätte sicher dort begraben werden wollen, sagt die Mutter.

Sie erfährt, dass Daniel den Befreiungstag gefeiert hat. 20 Jahre nach Kriegsende gab es ein großes Fest in der nahegelegenen Stadt. Gegen 4.30 Uhr morgens machte er sich mit einem Freund auf den Heimweg zum Dorf seines Vaters. Alkohol war nicht im Spiel. Daniel trank nie Alkohol. Vielleicht ist er ein bisschen zu schnell in die Kurve gegangen, vielleicht hatte er sein neues Motorrad noch nicht im Griff. Er flog aus der Kurve und war sofort tot. Er wurde 30 Jahre alt.

Ein paar Tage später wird Daniel beerdigt. Eine große Trauerfeier mit 400 Menschen. Daniel war beliebt, die Dorfbewohner kannten ihn, seit er klein war. Auch in Düsseldorf hatte er einen großen Freundeskreis. Etwa 20 Freunde nahmen sich spontan frei, setzten sich in ihre Autos, fuhren mehr als 20 Stunden gen Süden, um sich zu verabschieden.

Später erfährt die Mutter, dass weitere Freunde zur gleichen Zeit in Düsseldorf eine Trauerfeier organisiert hatten. Sie trafen sich in Hellerhof, beteten, ließen Luftballons fliegen. Karl-Wencel Heix, ein pensionierter Pfarrer, bekommt dies zufällig mit, organisiert kurzfristig eine Trauerfeier in Benrath für den Verstorbenen.

Etwas mehr als einen Monat ist das jetzt her. Dass die jungen Leute, besonders in Garath, bei vielen Düsseldorfern so einen schlechten Ruf haben, kann Margarete Bandalo nicht nachvollziehen. Sie hat - ganz besonders in den vergangenen Wochen - das Gegenteil erlebt: Junge Menschen, die füreinander da sind, die ihrem Freund ein ehrendes Andenken bewahren, der Familie beistehen. Daniel hat zwei Schwestern, eine davon ist seine Zwillingsschwester.

Daniels langjähriger Freund Kevin Stahl lässt eine Statue der Mutter Gottes anfertigen und stellt sie an dem Platz auf, an dem sich die Clique früher immer getroffen hat. Daniel war die Mutter Gottes immer wichtig gewesen, er hatte ein Bildnis über seinem Bett hängen, eines im Regal stehen, eines in seiner Brieftasche.

Margarete Bandalo ist gerührt von der Geste, besucht die Statue regelmäßig - schließlich ist das Grab ihren Sohnes weit weg. Eines Tages ist die Staute verschwunden, Anwohner hatten sich über die Gedenkstätte beschwert, die Stadt musste die Statue entfernen. Als die Mitarbeiter der Stadt herausfanden, wem sie gehörte, brachten sie sie ihr vorbei. Nun steht die Mutter Gottes in Daniels Zimmer. Daniels Freunde besuchen die Mutter oft. Sie ist froh über ihren Beistand und dankbar für deren Engagement.

Johannes Goldmann kannte Daniel seit der frühen Jugend, viele Urlaube haben sie gemeinsam in Kroatien verbracht. Daniel sei ein fröhlicher Mensch gewesen, sagt er. Und einer, der immer für die anderen da war. Wie es ohne ihn weiter gehen wird - das können sich Familie und Freunde noch nicht vorstellen. Nur eines weiß Margarete Bandalo: Am 12. Dezember wird sie wieder in Kroatien sein. Dann wäre Daniel 31 Jahre alt geworden.

Quelle: RP
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