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Garath
Heiter, quirlig, schlagfertig - das ist Elke Heidenreich

Garath. Die Autorin las in der ausverkauften Freizeitstätte aus ihrem neuen Buch "Alles kein Zufall". Die Zuhörer waren begeistert. Von Beate Gostincar-Walther

Da sitzt sie in der ausverkauften Freizeitstätte Garath am Lesepult auf der Bühne - heiter, quirlig, schlagfertig und gelassen. "Eigentlich sollte es vorher eine Tonprobe geben", meint Ulrich Ohm Mitveranstalter und Chef der Buchhandlung Dietsch etwas angestrengt. Doch das verhinderte eine zweieinhalbstündige Stau-Fahrt von Köln nach Düsseldorf, die von der Künstlerin prompt launig kommentiert wird. Sofort hat sie das Publikum auf ihrer Seite - Elke Heidenreich ist eben ganz und gar Elke Heidenreich.

"Sie ist eine Powerfrau", bemerkt Bettina Schmitz voll Vorfreude. Renate und Jürgen Treeck kennen Heidenreich gut als schwadronierende Metzgersfrau Else Stratmann und "die Katzenbücher von Nero Corleone, die sind schön", ist sich das Ehepaar einig. An diesem Abend hat die vielseitig kreative Wahlkölnerin ihr neues Buch mitgebracht: "Alles kein Zufall". Musikalisch wird sie an diesem Abend von ihren Lebensgefährten, den Komponisten Marc-Aurel Floros, begleitet. "Er wollte nicht Piano spielen, weil er einen Kupplungsarm vom Motorradfahren hat", neckt sie ihn. Aber Floros greift voluminös in die Tasten.

"Manches habe ich so selbst erlebt, manches meine Freunde, und manches habe ich mir komplett ausgedacht", verrät Elke Heidenreich zu Beginn der Lesung. Es folgen zweieinhalb Stunden unvergessliche Begegnungen, Situationskomik, ungestillte Sehnsüchte, bittere Momente und melancholische Erinnerungen.

Die Autorin hat aus Tagebüchern, Briefen, Ideen-Notizen und Zetteln ein berührendes Kaleidoskop zusammengetragen. Da ist die slapstick-reife Story mit ihrem Freund, der behauptet ein Vogel im Garten singe falsch. "Das F ist verstimmt und die Melodie aus dem Wallkürenritt geklaut", zitiert Heidenreich den verrückten Dialog. Oder ihre Heimat-Betrachtung zu Kindergartentante Gisela. Die wollte ihre Mutter in Sachen Sprache läutern. "Hörn se ma, ich lern' die Kinder seit Jahren die richtige Sprache", parodiert die Heidenreich im schönsten Ruhrpott-Slang.

Melancholisches? Gedanken an den wildfremden Mann, der einem sagenhaften Jaguar entsteigt. Sie schauen sich in die Augen. Er überreicht ihr 100 Rosen und sagt: "Sie freut sich sowieso nicht". Um dann fortzugehen. "Nie wieder habe ich ihn gesehen", liest Heidenreich, Sehnsucht in der Stimme.

Ob Sächsisch, Ruhrpott, türkischgefärbtes Deutsch oder trunkenes Gesäusel, Elke Heidenreich beherrscht jede Variante. Die Autorin sprudelt vor Lesefreude. "Briefträger" oder "Börsentränen" nennt sie ihre Kurzgeschichten "Hoffnung", "Brüder" oder "Rosen". Momente festgehalten für die Ewigkeit, lautet ihre Definition. Dazwischen erklingen Stücke von Marc-Aurel Floros. Das gefällt und reißt mit.

Quelle: RP
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