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Garath
Junge Flüchtlinge ziehen in eigenes Heim

Garath. Seit einem Jahr sind Fazad und Jawed in Deutschland, von der SOS-Jugendfreizeitstätte sind sie an die Stettiner Straße gezogen. In der neuen Unterkundft sollen sie Selbständigkeit lernen. Von Anna Girke und Birgit Wanninger

Es ist eine große, helle Wohnung mit zwei Schlafzimmern, Küche, Bad und separater Toilette. Durch das große Balkon-Fenster scheint die Sonne. An der Stettiner Straße haben zwei junge Flüchtlinge aus Afghanistan ein neues Zuhause gefunden. Die Stadt finanziert über das SOS-Kinderdorf als Träger die Miete und Unterstützung durch Sozialpädagogen, die auch weiter die jungen Flüchtlinge begleiten. "Entgeltsatz" heißt das im Beamtendeutsch. Das ganze steht unter der Obhut des Jugendamtes und ist gerade für dessen Amtsleiter Johannes Horn "eine Herzenangelegenheit", wie er im Gespräch mit unserer Redaktion betonte.

"Wir haben die provisorische Unterkunft in der SOS Jugendfreizeitstätte an der Frankfurter Straße erstmal aufgelöst, alle Jugendliche konnten in Wohnungen umziehen", erklärt Lorenz Eßer (32), Betreuer von Jawed (17) und Fazad (17) und SOS-Mitarbeiter. Die weiteren Flüchtlings-Jugendlichen sind in Mehrfamilienhäuser in Garath und Hellerhof gezogen.

Jawed und Fazad leben seit dem 1. Juli in ihrer neuen Wohnung, die SOS nach intensiver Suche gefunden hat. Gestern war Einweihungsparty. "Die neue Wohnung gefällt uns sehr gut, wir haben viel Platz", sagt Fazad. Er und Jawed sind nun schon ein Jahr in Deutschland. Seit ihrer Ankunft haben sie täglich vier Stunden Deutsch-Unterricht erhalten. "Sie haben schon viele Kontakte in Garath geknüpft", erklärt Eßer. "Deshalb ist es gut, dass sie in diesem Umfeld bleiben ", fügt der Sozialarbeiter hinzu. "Auch die Nachbarn haben die Jungen freundlich aufgenommen, eine Frau hat ihnen gestern Erdbeeren geschenkt."

Eine 68 Quadratmeter große Wohnung zu finden, ist jedoch "nicht normal", wie Eßer erklärt. Er bezeichnet sie als einen absoluten "Glücksfall". 500 Euro Warmmiete zahlt die Stadt über SOS an den Eigentümer. Dort sollen die minderjährigen Jugendliche Selbstständigkeit lernen. Sie werden regelmäßig von Bezugsbetreuern besucht, die mit ihnen Ausflüge unternehmen und sie mit der neuen Heimat vertraut machen. Ob Deutschland schlussendlich auch zu dieser wird, ist jedoch noch offen. Die Asylanträge laufen noch. "Aber wir müssen erstmal ankommen, morgen haben wir unseren ersten Schultag", sagt Jawed. Beide besuchen das Franz-Jürgens-Berufskolleg in Bilk.

Sie skypen auch täglich mit ihrer Familie in Afghanistan. "Wir wissen noch nicht, ob wir für immer in Deutschland bleiben, oder nach Kriegsende nach Afghanistan zurückkehren wollen", sagt Fazad. Auf die Frage, ob sie hier glücklich seien, nicken beide Jungen jedoch.

"Ich wünsche ihnen vor allem, dass sie in der Gesellschaft akzeptiert werden und Fuß fassen", sagt ihr Sozialarbeiter Lorenz Eßer. Dieses wünscht auch Matthias Meß von der Cewe-Niederlassung. Seine Firma hat die drei neuen Wohnungen mit 25.000 Euro finanziell unterstützt. Von dieser Spende hat SOSvor allem die Küchen besser ausgestattet. Deswegen war Meß gestern morgen auch zur Einweihungsparty mit Sekt und Brötchen eingeladen. Zu der kleinen Party wäre auch Juagendamtsleiter Johannes Horn gerne gekommen - wenn er denn davon gewusst hätte.

Quelle: RP
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