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Garath
Knallige Graffiti statt schwarzer Wand

Garath: Knallige Graffiti statt schwarzer Wand
Noch unvollständig, die Wand von Künstlerkollege André H. am Morgen... FOTO: wanninger
Garath. Der Organisator des Sprayer-Wettbewerbs Damian Bautsch hat gestern mit einem Kollegen die Wände an der Garather Feuerwache neu besprüht. Zwei Graffiti waren in die Kritik geraten und schwarz übermalt worden. Von Birgit Wanninger

In einem leeren Bierkasten hat Damian Bautsch 20 Sprühdosen mit verschiedenen Farben verstaut. Jetzt legt er die letzte Farbspraydose, eine knallrote, zurück in den Kasten, geht ein paar Meter von der Mauer weg und betrachtet sein Werk. Mit fachmännischem Blick stellt er fest: Da muss noch etwas mehr Farbe drauf. Dann ist es geschafft. Vier der fünf schwarz angemalten etwa zwei Meter hohen Mauern an der Garather Feuerwache an der Frankfurter Straße haben wieder Farbe bekommen. Bei einem Sprayerwettbewerb vor mehr als einer Woche waren diese Mauern mit gewaltverherrlichenden Graffiti besprüht worden, die Gewaltszenen beim G 20-Gipfel in Hamburg zeigten.

Zunächst hatten Mitarbeiter der Feuerwehr, dann der Organisator des Sprayerwettbewerbs, der Fassadenkünstler Damian Bautsch, die Mauer geschwärzt. Seit gestern Morgen war der Künstler gemeinsam mit seinem Sprayer-Kollegen André H. (so der Künstlername) dabei, wieder Farbe auf die Wände zu bringen.

Bautsch, Hobby-Taucher und mit Faible für Wasser, hat sich für eine Tiefseelandschaft entschieden: Eine überdimensionale Qualle in Blau und Weiß mitorangenem Inneren streckt ihre in Orange- und Rottönen gehaltenen Tentakeln aus. Außerdem sind auf dem Schwarz mehrere kleinen Quallen zu sehen. Das Ganze streckt sich über zwei Wände. Sein Kumpel André entschied sich für ein farbenprächtiges Grimassenbild aus gleich mehreren Gesichtern.

Selbstverständlich hat sich Bautsch an die Auflagen gehalten, die seit Jahren für den Wettbewerb gelten. Denn als Auflage der Feuerwehr, die die Mauer zur Verfügung stellt, gilt: keine politischen, sexistischen oder fremdenfeindlichen Motive. Garaths Feuerwehrchef Marc Vogel ist am Nachmittag zufrieden mit den vier bunten Wänden. Und da die letzte Wand noch einige Farbtupfer hat, meint er: Das könne ruhig so bleiben.

Neben den Quallen hat Bautsch, der gestern rund sechs Stunden gesprayt hat, noch einen Schriftzug an eine Wand gebracht: "ami". Das ist Bautschs Kürzel, mit dem er auch signiert. Denn "ami" steckt in Damian.

"Ich habe mich bewusst für ein neutrales Motiv entschieden", sagt Bautsch, und der 40-Jährige betont noch einmal, dass er das Ganze freiwillig mache. Freiwillig hat er auch die Aktion, die ins Gerede gekommen war, organisiert. "Ich habe da keinen Pfennig dran verdient. Im Gegenteil. Die Sprühdosen kosten. Für eine Wand sind allein Material-Kosten für 50 Euro fällig."

Noch heute ärgert sich Bautsch, dass er das gewaltverherrlichende Graffito, das er am späten Sonntagabend nach dem Wettbewerb entdeckt hatte, nicht sofort beseitigt hat. "Ich bin der Organisator des Wettbewerbs. Ich trage die Verantwortung."

Noch mehr habe ihn die Aktion der Obdachlosenhilfe "Fifty-fifty" vergangene Woche Donnerstag vor dem Rathaus geärgert, wo Streetworker Oliver Ongaro - auch Sprecher des linken Bündnisses "Düsseldorf stellt sich quer" - mit Mitstreitern Postkarten des gewaltverherrlichenden Graffito mit dem Fifty-fifty-Logo verteilte, in denen Graffiti als freie Meinungsäußerung gerechtfertigt wurden. "Ich hab' mit Herrn Ossendorf von Fifty-fifty geredet, und der war völlig uneinsichtig", sagt er kopfschüttelnd.

Bautsch, der Grafik-Design studiert hat, ist ein Garather Jong, wie er selbst sagt. "Ich bin hier aufgewachsen und habe hier meine ersten Gehversuche in Sache Sprayen gestartet." Und zwar nur wenige Meter von der Feuerwache entfernt, am Jugendtreff an der Frankfurter Straße. Morgen muss Bautsch bei der Polizei eine Aussage mache, und dann sei er froh, wenn alles vorbei sei und er sich wieder um seine Arbeit kümmern kann. Das nächste Projekt ist eine 450 Meter lange Unterführung in Erkrath.

Quelle: RP
 
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