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Garath
Renan Demirkan liest über Respekt

Garath. "Heimweh nach Menschlichkeit" in der Freizeitstätte Garath Von Beate Gostincar-Walther

Es ist keine leichte Kost, sondern ein ernstes Thema, und vielleicht auch deshalb ist der Saal in der Freizeitstätte Garath am Samstagabend nicht so voll wie gewohnt. Aus Anlass des Gedenk- und Aktionstages "Nein zu Gewalt gegen Frauen", der am Vortag weltweit begangen wurde, liest Schauspielerin und Autorin Renan Demirkan aus ihrem Buch "Respekt". Eingeladen hat das "Trio" Mädchennetzwerk, Jugendamt und Gleichstellungsbüro der Stadt Düsseldorf. Rund 100 Gäste, darunter auch viele Männer, erleben Demirkans leidenschaftliches Plädoyer für Respekt im Umgang miteinander.

"Unsere Frauenhäuser platzen aus allen Nähten, und darunter leiden besonders die Kinder - von Verwahrlosung bis hin zum Missbrauch", steigt Renan Demirkan in das Thema ein. Sie spricht von Vergewaltigungen in Indien und dem Mädchenmangel in manchen Ländern Asiens. Doch ihr geht es inhaltlich um viel mehr. Die Autorin liest davon, wie Heimkinder Wertschätzung erfahren. Ein anderes Kapitel handelt von einem sehr persönlichen Alptraumerlebnis: ihre Improvisation mit einem Kollegen entgleist überraschend in Gewalt.

Ob politisch, gesellschaftlich oder philosophisch - Renan Demirkan hat sich facettenreich und nachhaltig in das Thema "Respekt" vertieft. Wie es darum bestellt ist, in unserer kleinen und der großen Welt, dem geht sie nach, und es geht ihr nah. Demokratieverständnis, Macht, Demütigung, Scham und Entwürdigung bringt sie zur Sprache. Schon Nietzsche habe gesagt, das Menschlichste sei, jemandem Scham zu ersparen, zitiert die Schauspielerin.

Jeder von uns, ob Hausfrau, Ghettokind, Erwerbsloser oder Flüchtling, wolle Respekt. "Dabei geht es nicht um den Autoritätsanspruch, es meint den Wunsch nach Gleichrangigkeit, nach einem Gegenüber in Augenhöhe", liest sie aus ihrem Buch. Ihre Lektüre hält sie dabei in einer Hand, während sie mit der anderen gestenreich die Texte untermalt.

Unmittelbar nach der Lesung herrscht hörbare Stille, doch dann bekommt Moderatorin Gudrun Höpker vom WDR 2 richtig zu tun. Nachhaltig rätselt das Publikum darüber, wie zwei Schauspieler in ihren Rollen als "Herrscher" und "Diener" entgleisen und sich Gewalt antun können. Renan Demirkan sucht - außerhalb ihres Buches - spontan nach schlüssigen Erklärungen für die komplexe, persönliche Erfahrung. Unterstützt wird sie dabei von einem engagierten Publikum. Lachend meint sie: "Das muss ich unbedingt noch einmal mit meinem Lektor besprechen." Der Funke ist übergesprungen; der lebhafte Applaus spricht für das Thema und eine überzeugende Autorin und Vor-Leserin.

"Sie hat das alles wunderbar, philosophisch und auf sehr hohem Niveau herausgearbeitet", begeistert sich Besucherin Brigitte Musanke. "Frau Demirkan hat aufgezeigt, dass sich in der Haltung der Menschen untereinander unbedingt etwas ändern muss, und damit hat sie mich bestätigt", meint Birgit Schmitz. "Heimweh nach Menschlichkeit" ist der Untertitel des Buches "Respekt" von Renan Demirkan.

Quelle: RP
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