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Gerresheim
Antreten für die fünfte Jahreszeit

Gerresheim. Mit dem Generalcorpsappell der Bürgerwehr feierten die Gerresheimer gestern den Karnevalsbeginn. Erstmals seit mehr als 50 Jahren werden die Jecken wieder hoheitlich regiert: vom Grafen Quad und seiner Gräfin. Von Tino Hermanns

"Denn wenn et Trömmelche jeht, dann stonn mer all parat ..." - was einst "De Räuber" dichteten, trifft auch auf die Karnevalsgesellschaft Gerresheimer Bürgerwehr zu. Vor dem Generalcorpsappell, also der offiziellen Eröffnung der Gerresheimer Session, unterhielt sich die Gardisten entspannt im Foyer der Aula des Gymnasiums am Poth. Kaum aber verkündeten die ersten wirbelnden Trommelschläge des Fanfarencorps Düsseldorfer Radschläger den Einmarsch in die Festhalle, ging ein Ruck durch die in opulenten rot-weißen Uniformen gekleideten Bürgerwehrhaften. Bei den Närrinnen ging der Rhythmus sofort in die Beine, und der Einmarschtakt wurde auf der Stelle tretend aufgenommen: Bei den männlichen Jecken spannte sich der Rücken, die legere Narrenkappe wurde gegen den imposanten, federverzierten Dreispitz getauscht, und die Kinder der Tanzgarde automatisierten noch mal den närrischen Gruß.

Diese letzten "Trockenübungen" waren eigentlich überflüssig, denn das Narrenvolk in Gerresheim empfing ihre Standesvertreter stehend mit tosendem Applaus. Ganz offensichtlich haben sie den Beginn der Karnevalszeit gar nicht mehr abwarten können. Und der Empfang war vielleicht auch deshalb so überwältigend, weil nicht nur die Bürgerwehr einmarschierte: Auch das frisch gekürte Oberhaupt der Düsseldorfer Jecken, Prinz Carsten II., zog mit seiner Venetia Yvonne und natürlich samt beider Leibgarden und Adjudantur mit ein. "Wir legen unseren Generalcorpsappell bewusst auf den Tag nach der Prinzenkürung des Comitees Düsseldorfer Karneval", erzählte der zweite Vorsitzende der Bürgerwehr, Frank Haak. "Dann haben Prinz und Venetia einen ihrer ersten Auftritte bei uns."

Mit 380 Gästen war die offensichtlich nur scheinbar riesige Schulaula proppenvoll. "Das war echte Millimeterarbeit, die Tische so zu stellen, das sämtliche Gäste Platz haben und auch noch genug Freiraum, beispielsweise für die verschiedenen Ein- uns Ausmärsche, bleibt", sagte Haak. Es war geglückt: Die Bürgerwehrmitglieder und die befreundeten Karnevalsgesellschaften boten den perfekten Rahmen für die Wiederbelebung eines fast für immer entschlafenen Brauches.

Dass der Hoppeditz von Aschermittwoch bis zum 11. November ruht, ist bekannt und manchem Jecken dauert's auch zu lang. Aber seit der letzten Kürung eines Gerresheimer Grafenpaares waren sogar mehr als 50 Jahre vergangen. Dabei ist die Figur des "Grafen Quad sogar älter als die ganze Gerresheimer Bürgerwehr. Wir sind 1956 gegründet worden, das Grafenpaar wurde 1953 erstmals vom Gerresheimer Narrenkollegium gewählt und inthronisiert", erläutert Haak. "Nach 1964 ist der Brauch aber irgendwie eingeschlafen."

Bis jetzt. "Lust, den Grafen wieder auferstehen zu lassen, hatte ich schon lange", berichtete Rolf Müller, der Ehrenvorsitzende der Gerresheimer Bürgerwehr. Aber erst, seit er sich nach jahrzehntelangem Einsatz als erster Vorsitzender vor fünf Jahren in den "karnevalistischen Ruhestand" verabschiedet hatte und vom Vorstandsamt zurückgetreten war, "habe ich auch die Zeit". Und eine bezaubernde Gräfin hat er auch: Eva Hlouschek steht bis Altweiber an seiner Seite. Mehr als 40 Termine hat das Grafenpaar bereits im Kalender und freut sich drüber: "Wir wollen dem Straßenkarneval wieder etwas mehr Schwung verleihen." Der Uraufführung des ersten Grafen-Liedes, natürlich von den Hoheiten selbst gesungen, folgte dann noch eine ganz besondere Premiere bei einem Generalcorpsappell: Erich Benzinger legte als erster Bürgerwehr-Gardist seinen Aufnahme-Eid auf Schwiizerdütsch ab.

Quelle: RP
 
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