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Gerresheim
Auf den Spuren der Industrialisierung

Gerresheim: Auf den Spuren der Industrialisierung
Archäologe Peter Schulenberg (r.) berichtete von dem Aufschwung Gerresheims mit dem Beginn der Industrialisierung. FOTO: Andreas Endermann
Gerresheim. Der Archäologe Peter Schulenberg führt zu den Standorten der ersten Drahstiftefabriken. Von Beate Werthschulte

Trotz einstelliger Temperaturen und einem durchweg grauen Himmel haben sich am Samstagnachmittag rund 25 Interessierte am Eingang der Basilika St. Margareta versammelt, um an einer Führung teilzunehmen. Der Förderkreis Industriepfad Gerresheim organisiert regelmäßig Führungen und Ausstellungen zur Industriekultur in Gerresheim und darüber hinaus auch im Düsseldorfer Stadtgebiet. Unter dem Motto "Vom Damenstift zur Drahtstiftefabrik" zeigt Peter Schulenberg, ehrenamtlicher Archäologe beim Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland und Ideengeber und Vorstandsmitglied des Förderkreises, an diesem Nachmittag Spuren der frühen Industrialisierung in Gerresheim. Die von Ferdinand Heye gegründete Glashütte kennt natürlich fast jeder, doch die Entstehung der Drahtstifteindustrie im Stadtteil, rund 20 Jahre vor Gründung der Glashütte, ist weniger bekannt.

So weiß Schulenberg anschaulich und spannend vom fränkischen Grafen Gerrich, Gründer und Namensgeber der späteren Stadt Gerresheim, zu berichten, dessen Tochter die erste Äbtissin des nach seinem Tod gegründeten Damenstifts war. Dort lebten seinerzeit hochadelige und sehr vermögende junge Frauen und Mädchen. Seine Blütezeit erlebten das Stift und, durch die Ansiedlung vieler Handwerker und Bauern, auch das Städtchen Gerresheim im 12. und 13. Jahrhundert. So war das Damenstift über eine lange Zeit nicht nur Ausdruck des religiösen Lebens, sondern auch von großer wirtschaftlicher Bedeutung für Gerresheim, erzählt Schulenberg. Mit seinem Niedergang im 16. Jahrhundert verarmte der Ort dann. Erst mit dem Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert und der Gründung der ersten Drahtstiftefabriken durch Emil von Gahlen, Ignaz Dreher und Heinrich Frieding erlebte Gerresheim wieder einen Aufschwung und, so Schulenberg, "erwachte aus seinem Dornröschenschlaf".

Von Gahlen gründete seine Drahstiftefabrik in Teilen des ehemaligen Katharinenklosters, dem heutigen Gerresheimer Rathaus. Dreher kaufte im Schatten der Kirche Land und errichtete dort seine Fabrik. Da gab es, so berichtet Schulenberg, eine ganze Menge Auflagen, denn die Kirchenzeiten mussten beachtet und es durfte natürlich nicht zu laut werden. Und über den Fabrikanten Frieding erfahren die Zuhörer, dass sein Sohn Aloys schon früh starb und er daraufhin zu dessen Gedenken das, heute vorrangig von Jugendgruppen genutzte, Aloysianum neben der Kirche stiftete.

Trotz Wind und Kälte macht der Rundgang den Teilnehmern, von denen die meisten übrigens aus anderen Düsseldorfer Stadtteilen kommen, großen Spaß. Es werden viele Fragen gestellt, Archäologe Schulenberg kann sie fast alle beantworten. Und weiß er einmal etwas nicht genau, kann Kunsthistorikern Beate Johlen-Budnik vom Kulturkreis Gerresheim, die sich der Führung angeschlossen hat, aushelfen. So erfahren an diesem Nachmittag auch die in Gerresheim beheimateten Teilnehmer noch das eine oder andere Wissenswerte, das ihnen vorher nicht bekannt war. Auch Lehrer Franz-Josef Glaw, der seine Kindheit und Jugend in Gerresheim verbracht hat und viel über diesen Stadtteil weiß, nimmt deshalb immer wieder gern an den Führungen des Förderkreises teil. Meistens erfährt er doch noch etwas Neues. So auch dieses Mal, denn als die Gruppe auf ihrem Rundgang den Steinweg erreicht, erklärt Schulenberg, dass früher über diesen Weg die für den Hausbau benötigten Schiefersteine in den Ort transportiert wurden - so entstand der Name. "Das habe ich bisher nicht gewusst", sagt Lehrer Glaw.

Quelle: RP
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