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Gerresheim
Autorin animiert jugendliche Häftlinge zum Schreiben

Gerresheim. Acht junge Straftätern nehmen an einem fünftägigen Literaturworkshop der Kölner Schriftstellerin Miriam Günter teil. Von Marc Ingel

Die Erwachsenen sind ratlos, die Jugendlichen weniger, als Schriftstellerin Miriam Günter die Anwesenden mit einem Rätsel konfrontiert: Was haben Nonsens-Sätze wie "Rot oder blau ist niemand" und "Reichtum ohne Behörde, irgendwie nutzlos" gemeinsam? Nur wenige Sekunden benötigt einer der Heranwachsenden, bis er die Lösung gefunden hat: Die Anfangsbuchstaben der Wörter sind identisch, die Lösung lautet schlicht "Robin".

Nicht umsonst hat Günter vorausgeschickt, dass sie in ihrem Literaturworkshop Fantasie weit mehr schätzt als Grammatik. Das kommt bei den Teilnehmern, bei denen es sich um Häftlinge der Jugendarrestanstalt an der Heyestraße handelt, gut an. Ebenso, dass auch Günter nicht unbedingt in ihrer Kindheit auf Rosen gebettet war, ihre Biografie nicht minder brüchig ist wie die der jungen Männer, die sich hier freiwillig im Aloysianum, dem Jugendhaus der Kirche St. Margareta, zusammengefunden haben: Heimaufenthalt, Schule abgebrochen, eher pur Zufall zur Literatur gefunden und sensationell bei einem Schriftsteller-Wettbewerb den ersten Preis gewonnen. So etwas zeigt auch: Jeder kann es schaffen, unabhängig seiner Herkunft und der persönlichen Vorgeschichte.

Fünf Tage werden die acht Straftäter zwischen 16 und 19 Jahren, die nach Delikten wie Körperverletzung, Diebstahl oder Schwarzfahren alle nur einen relativ überschaubaren Zeitraum "sitzen" müssen, von der Kölnerin in die Geheimnisse des Schreibens eingeweiht. Am Freitag gibt es für einen internen Kreis eine Abschlusspräsentation, bei der die Teilnehmer selbst zu Papier gebrachte Geschichten vortragen oder vortragen lassen.

Zu diesem Kreis der Erwachsenen zählt Lennart Welz, Jugendreferent der katholischen Kirchengemeinde und Initiator des Workshops, wie auch Yvonne Schlauch, Mitglied des Vorstandes der Bürgerstiftung Gerricus, die das Projekt mit 1200 Euro unterstützt hat. Dafür ist Edwin Puetz, Leiter der Jugendarrestanstalt, glücklich, der genau solche Ideen als ideal für eine auch in diesem jungen Alter der Betroffenen bereits notwendigen Resozialisierung ansieht: "Die Jungs stehen diesen Projekten, die einfach dabei helfen, den eigenen Horizont zu erweitern, offen gegenüber."

Quelle: RP
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