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Gerresheim
Begegnungen im Café International

Gerresheim: Begegnungen im Café International
Hermine Usoyan (l.) und Jutta Korten übernehmen im Café International ehrenamtlich die Bewirtung der Gäste. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Gerresheim. Seit April lädt die evangelische Kirche in Gerresheim einmal im Monat Flüchtlinge zu einem Treff im Gemeindezentrum ein. Dabei sollen sich die Besucher auch selbst einbringen. Das machen sie vor allem kulinarisch. Von Marc Ingel

Hermine Usoyan kann nicht anders, sie muss immer helfen. "Ich hatte es ja anfangs in Deutschland auch nicht einfach, und viele Menschen standen mir bei", erzählt die Jesidin, die aus Armenien flüchtete und seit 2009 mit ihrer Familie in Gerresheim lebt. Wenn nun andere Flüchtlinge, etwa aus dem Irak, die in einer der beiden Flüchtlingsunterkünfte in Gerresheim leben, eine vertrauensvolle Ansprechperson benötigen, die im Optimalfall sogar die gleiche Sprache spricht, ist Hermine Usoyan zur Stelle. "Ich weiß, wie das ist, sprachlos zu sein, beim Arzt, bei einer Behörde, da kann ich nicht nein sagen. Aber es wird mir fast ein bisschen zu viel, ich brauche etwas Abstand. Denn jedes Mal werde ich an meine eigene Vergangenheit erinnert", erzählt die Armenierin, die als Jesidin einer kurdischen Minderheit angehört, die unter religiös motivierter Verfolgung zu leiden hat.

Eines lässt sich Hermine Usoyan aber nicht nehmen. Einmal im Monat, immer mittwochs, gehört sie zum Team der Ehrenamtlichen, die im Gemeindezentrum Hardenbergstraße 3 das Café International eröffnen. Dann kocht sie schon mal etwas aus der Heimat, besonders beliebt sind ihre Torten. Die Idee zu dem ungezwungenen Treff, der sich vor allem an die Flüchtlinge in Gerresheim richtet, sei im Arbeitskreis Flucht und Asyl der Evangelischen Kirchengemeinde entstanden, berichtet Pfarrerin Cornelia Oßwald. "Man lernt sich näher kennen, die Besucher nutzen aber auch die Gelegenheit, sich Tipps und Hilfen bei uns zu holen." Dabei sollen die Menschen aus dem Irak oder dem Kosovo, aus Russland, Syrien, Serbien, Kroatien oder der Türkei keineswegs nur bedient werden, sie sind ebenso eingeladen, sich einzubringen. Es gibt Tee aus dem Samowar oder türkische Spezialitäten wie Sigara Börek, mit Schafskäse gefüllte, frittierte Teigröllchen, die wie Zigarren aussehen.

Im Café International war an diesem Mittwoch "wieder gut was los", sagt Oßwald. In der Unterkunft an der Manthenstraße, die im Gegensatz zur Einrichtung an der Heyestraße noch nicht so lange Flüchtlinge aufnimmt, habe ein Albaner, der sehr gut Englisch spricht, die Bewohner einige Tage zuvor auf die Möglichkeit im Gemeindezentrum aufmerksam gemacht und sogar Plakate aufgehängt. "Plötzlich stand hier am frühen Nachmittag eine große russische Gruppe auf der Matte, Eltern mit Kindern, zum Teil körperlich eingeschränkt, die sich vor allem für Sprachkurse in unserer Gemeinde interessierten", sagt Oßwald.

So etwas habe sie seit April immer wieder erlebt, auch wenn es jetzt zur Zeit des Ramadan etwas ruhiger gewesen sei. Am späteren Nachmittag sind ebenfalls nur wenige Gäste da. Eine Serbin, die seit fünf Monaten in Gerresheim lebt und zuvor in Benrath untergebracht war, berichtet vom Alltag an der Heyestraße. Es sei leider sehr schmutzig dort, vor allem die Matratzen. Die Schwangere bekommt im Herbst ihr Kind und hat Angst, es in so einer Umgebung zur Welt zu bringen. "An der Benrodestraße in Benrath war es viel besser", sagt sie. Cornelia Oßwald verspricht, das Thema beim nächsten Arbeitskreis Flucht und Asyl anzusprechen. Allerdings scheint der Eindruck von den Zuständen in der Unterkunft an der Heyestraße rein subjektiver Natur zu sein. Hermine Usoyan hat dort selbst eine Zeit lang gelebt. "Alles war sehr sauber und ordentlich, ich hatte keinen Grund zur Klage", sagt sie.

Eine weitere Frau kommt ins Café, ein Zettel in der Hand. Die Awo in Derendorf habe sie nach Gerresheim geschickt. Cornelia Oßwald nimmt sie in Empfang, Hermine Usoyan hält sich zurück. Dieses eine Mal.

Quelle: RP
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