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Gerresheim
Benderstraße: Händler in der Not

Gerresheim. Durch die riesige Baustelle in Gerresheim leiden die Geschäfte auf der Haupteinkaufsstraße enorm. Einzelne Inhaber klagen über 50 Prozent Rückgang, andere werden kreativ und starten einen Lieferservice. Von Henning Rasche

Die Tour A fährt im Omnibus vorbei, zwei Damen schauen aus verregneten Fenstern hinaus. Tour A heißt der Straßenbahnersatzverkehr, der irgendwie die verbliebenen Haltestellen in Gerresheim verbindet. Die Verkehrslage ändert sich für die Anwohner gefühlt wöchentlich. "Ich muss immer neu schauen, wie ich zum Großmarkt fahre", erzählt etwa Dirk Brokinkel, der einen Blumenladen an der Benderstraße betreibt. Klar ist, dass die Baustelle auf der Haupteinkaufsstraße seit Monaten enorme Auswirkungen hat. Auf Verkehr, auf Geräuschkulisse, auf Optik - und auf den Handel. Was sagen die Betroffenen?

Zoya Sepehri ist Inhaberin der Phönix-Apotheke. Sie spricht von extremen Verlusten, seit auf der Benderstraße die Gleise ausgetauscht werden. 30 bis 40 Prozent weniger Umsatz beklagt Sepehri. "Mal sehen, wie das Jahr zu Ende geht", sagt sie. Und nur zwischen den Zeilen lässt sie durchblicken, dass es auch um ihre Existenz geht. Doch weil sie dem Untergang ihrer Apotheke nicht länger zusehen will, hat sich Sepehri etwas überlegt. "Wenn die Kunden nicht zu uns kommen, dann kommen wir zu ihnen", erzählt sie. Mit dem Fahrrad liefere nun ein Mitarbeiter Bestellungen aus, die per Fax, Telefon oder E-Mail kämen. Das liefe sehr gut.

Ähnlich ernst wird es im Geschäft "Zauberhaft". Zwischen den vielen Geschenkideen, die es dort zu kaufen gibt, laufen lediglich zwei Mitarbeiterinnen herum. Eine Kundin sei bisher am Tag dort gewesen, deutlich weniger als sonst. "Es ist so kritisch, wir haben einen Rückgang von 50 Prozent", sagt eine der Verkäuferinnen, die sich lieber nicht zu erkennen geben will. Sie leben derzeit vom Versandhandel bei "Zauberhaft". Kunden, die früher aus Flingern, Grafenberg oder sogar Mönchengladbach kamen, bleiben aus. Die bestellen jetzt per Klick im Netz. "Noch mal machen wir das im nächsten Jahr sicher nicht mit", sagt die Frau, die von Kolleginnen anderer Geschäfte weiß, dass sie ihre Läden sicher schließen werden. Andere kann man gar nicht befragen, weil sie die Türen schon nicht mehr öffnen.

Peter Zimmermann von der Gerresheimer Bücherstube spricht auch von einer negativen Tendenz. Er rechnet aber damit, dass es im Herbst noch schlimmer wird, weil derzeit noch der Schulbuchverkauf ganz gut liefe. "Viele Kunden erzählen aber, dass sie ihren Grundbedarf jetzt woanders decken", sagt er. "Diese Straße ist eine Versorgungsstraße, keine Flaniermeile", mahnt Zimmermann "Unbelehrbarkeit" in der Politik an. Früher sei die Benderstraße als chaotisch bezeichnet worden, "doch das war urbanes, modernes Leben", sagt er.

In der Metzgerei Ludwig vermisst Ulrike Bückendorf das Zweite-Reihe-Parken. So konnten Kunden schnell rausspringen und etwas kaufen. "Die suchen sich jetzt einen anderen Metzger, weil sie hier nirgends parken oder halten können", sagt die Mitarbeiterin. Sie spricht ebenfalls von Geschäftseinbußen um die 50 Prozent. "Das ist eine Katastrophe, das hat hier keiner gewollt", sagt Bückendorf.

Und Dirk Browinkel? Der braucht von seinem Laden "dieblumenbinder" bis zum Großmarkt 45 statt sieben Minuten. Auch das Geschäft laufe schwierig, die Kunden seien genervt. Sein Vermieter habe sich, anders als bei anderen, kooperativ verhalten und zwei Kurzzeitparkplätze auf dem Hinterhof eingerichtet. Hinweisschilder sollen den Kunden den dortigen Aufenthalt schmackhaft machen. Trotzdem führen viele woanders hin.

Quelle: RP
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