| 00.00 Uhr

Gerresheim
Das Café der Artisten

Gerresheim. Am Kölner Tor betreiben Santano und Juena Traber das "Café und Crêpes". Hier gibt es noch eine Tasse Filterkaffee und die Cola für einen Euro. Und es ist ein Treffpunkt für die in der ganzen Welt verstreut lebende Zirkusfamilie Traber. Von Marc Ingel

Wie groß seine Familie tatsächlich ist, weiß auch Santano Traber nicht so genau. "Weit über 100 werden es aber bestimmt sein", sagt er und berichtet von Begebenheiten, wenn sich zuvor vollkommen fremde Menschen in seinem Café das erste Mal gegenüber stehen und plötzlich merken, dass sie den gleichen Namen tragen und miteinander verwandt sind. Dass diese emotionalen Treffen in dem kleinen Lokal mit den abwaschbaren Blümchentischdecken am Kölner Tor auch mit ein Grund von Santano Trabers Mutter Carmen waren, das Café überhaupt zu eröffnen, bestätigt der Sohn: "Wir repräsentieren hier eine Künstler- und Artistenvereinigung. Mit dem eingenommenen Geld werden zum Beispiel die Tiere im Zirkus unterstützt. Und es soll als Anlaufpunkt für alle Trabers dienen. Wer in der Nähe ist, der schaut auch bei uns rein."

Leben können er und seine Frau Juena von dem Geschäft in Gerresheim nicht, obwohl sie es mit viel Liebe betreiben. Der Filterkaffee ist handaufgebrüht, das Frühstück mit Brötchen, Nutella und Ei so bodenständig, wie man es in den hippen Bistros der Stadt sonst nirgendwo mehr bekommt. Die Cola kostet nur einen Euro, und die Crêpes mit Fortuna-Mohrenkopf dürften anderswo auch nur schwer zu bekommen sein. Töchterchen Julina ist allgegenwärtig, die Eltern finden zwischendurch immer die Zeit, sich mit ihr zu beschäftigen. Doch Santano und Juena Traber haben in der Regel lediglich tagsüber auf, ohnehin sei er hauptberuflich noch als Schausteller unterwegs, sagt der 31-Jährige, der eigentlich gelernter Berufskraftfahrer ist.

Beim Weihnachtsdorf in Gerresheim führte sich die Familie mit einem Crêpestand gut ein in die Gemeinschaft der Einzelhändler vor Ort. Seit fünf Jahren betreibt das Paar jetzt das Café, nachdem man es von Mutter Carmen übernommen hatte. Die ist noch allgegenwärtig in dem warm und gemütlich wirkenden Raum, denn überall hängen Bilder aus dem Zirkusleben der Familie, vorzugsweise auf dem Hochseil. Auch Santano Traber war Artist, hat bis zu seinem 25. Lebensjahr in schwindelerregender Höhe balanciert - bis die Mama der Überzeugung war, das sei auf Dauer doch etwas zu gefährlich für den Filius. Ein Foto zeigt sie mit Hella von Sinnen, der TV-Ulknudel habe Carmen Traber stets aus der Hand gelesen, weiß Juena Traber zu berichten.

Natürlich ist das Café und Crêpes nicht allein der bekannten Zirkusfamilie vorbehalten, alle Besucher, die eine derart familiäre Atmosphäre zu schätzen wissen, sind willkommen. Santano Traber weiß von vielen Stammgästen, die sich in seinem Laden kennen- und schätzengelernt, die Freundschaften geschlossen haben und nahezu jeden Tag kommen, um hier ein paar Stunden bei einem Schwätzchen oder der ausgedehnten Zeitungslektüre zu verbringen. Und irgendwie genießen sie dann wahrscheinlich auch dieses besondere Ambiente, das einem stets ein wenig das Gefühl gibt, man befinde sich in einer Zirkusmanege.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Gerresheim: Das Café der Artisten


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.