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Gerresheim
Die dunkle Seite von Gerresheim

Gerresheim. Autor Jo Stammer und Gitarristin Nathalie Wallrath haben eine besondere Beziehung zu dem Stadtteil. Morgen laden sie zu einem düsteren Abend in den Jägerhof ein. Er liest aus seinem neuen Roman, sie spielt eigene Kompositionen. Von Marc Ingel

Jo Stammer ist in Gerresheim großgeworden. Zusammen mit Klaus Allofs ist er in den 1970ern immer mit der Straßenbahnlinie 3e zur Grundschule Unter den Eichen gefahren. Sie haben auch beim TuS Gerresheim gemeinsam gekickt. Unnötig zu erwähnen, dass sich die Wege der beiden bald trennen sollten. Während Allofs Karriere machte und es zum Fußball-Europameister sowie Bundesliga-Torschützenkönig brachte, zehrte Stammer von seiner Leidenschaft zu Büchern, die er früh in der Stadtbücherei in Gerresheim entwickelte. Und: "Ich fühlte mich von der Großstadt angezogen, wollte die Welt sehen." Gerresheim wurde ihm zu klein, Düsseldorf irgendwann auch, eine besondere Zuneigung entwickelte er zu New York, Paris, Nizza und auch Tanger.

Stammer ließ sich zum Industriekaufmann ausbilden, machte nebenbei aber immer das, was ihm am meisten Spaß bereitete: das Schreiben. Vieles ist bis heute unveröffentlicht geblieben, 2012 erschien dennoch sein erster Roman "Täuschend echt" über einen Kunstfälscher. Jetzt hat der inzwischen als Pfleger in der Gerontopsychiatrie arbeitende 59-Jährige einen Nachfolger herausgeben: "Die Allesfresserin". Damit kehrt Stammer morgen zu seinen Wurzeln zurück. Im Gasthof Jägerhof wird der Autor in der Reihe "Die dunkle Seite von Gerresheim" das Buch über einen amerikanischen Straßenmusiker in Amsterdam vorstellen, und er wird das nicht alleine tun. An seiner Seite greift die 29 Jahre jüngere Berufsmusikerin Nathalie Wallrath zur Gitarre und spielt selbstkomponierte, genau auf den Inhalt des Buchs abgestimmte Stücke. Die beiden bilden ein eingespieltes Duo, sind bereits mehrfach zusammen aufgetreten und ergänzen sich nach übereinstimmender Aussage.

Kennengelernt haben sie sich schon vor 25 Jahren per Zufall, als Wallraths Bruder Zivildienst machte. "Der Kontakt ist geblieben, wir haben uns getroffen, ausgetauscht und künstlerisch einen gemeinsamen Nenner gefunden", sagt Stammer und schiebt hinterher: "Der Altersunterschied spielt keine Rolle, er befruchtet eher." Für die studierte Jazz-Gitarristin ist es nach eigener Einschätzung ziemlich einfach, die Sprache Stammers in Musik umzusetzen. "Sie ist sehr bildhaft", sagt Wallrath. Auch sie hat übrigens eine besondere Beziehung zu Gerresheim: Sie ist mit dem Sohn des Kantors der katholischen Kirchengemeinde St. Margareta verheiratet. "Dass Nathalie ihre eigene Musik spielt, hat für uns den angenehmen Nebeneffekt, dass wir keine Probleme mit der Gema bekommen", fügt der Partner hinzu.

Stammer ist eigentlich kein klassischer Krimi-Autor, "mein neues Buch würde ich eher als Psycho-Drama bezeichnen", sagt er. Dabei geht es um einen Rosenkrieg: Lena macht ihrem Mann monatelang Vorwürfe, sie mit einer anderen Frau betrogen zu haben. Als letzten Ausweg, um sich mit ihr zu versöhnen, überrascht Stephan sie mit zwei Flugtickets nach Paris. Lena weigert sich, in den Flieger zu steigen. Wutentbrannt braust Stephan in seinem Wagen nach Amsterdam. Dort trifft er auf einen skurrilen amerikanischen Straßenmusiker. Und er gerät in eine Abwärtsspirale, die unaufhaltsam zu sein scheint. "So gesehen müsste es eigentlich ,Die dunkle Seite von Amsterdam heißen'", erklärt Stammer, der sich dennoch diebisch darauf freut, am Ort seiner Kindheit lesen zu dürfen.

So etwas wie eine Schreibblockade kennt Stammer übrigens nicht. "Wenn ich blockiert bin, fange ich gar nicht erst an", betont er. Und wenn er ein Buch beendet hat, stürzt er sich sofort an den nächsten Stoff. "Auch wenn das nicht so einfach ist, denn einen Roman zu beenden, bedeutet immer auch, dass ein Teil von einem selbst stirbt." Was dann doch wieder ganz schön nach Krimi klingt.

Quelle: RP
 
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