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Gerresheim
Düsseldorf: Traumstadt für ein ganzes Jahr

Gerresheim. Die 16-jährige Rumänin Ana Fati ist als Austauschschülerin in der Landeshauptstadt. Und sie zieht ein gutes Fazit. Von Christina Raack

Es gibt Jugendliche, die versuchen, ihre Zahnspange zu verbergen. Ana Fati gehört nicht dazu. Ihr Lächeln ist von der mitreißenden Art, ganz ohne Hintergedanken. "Ich fühle mich so geehrt, jetzt interviewt zu werden. Ich bin auserwählt", sagt die 16 jährige Rumänin aus Bukarest und strahlt.

Zum Lächeln ist Ana am Anfang ihrer Düsseldorfer Zeit nicht zu Mute. Als sie vor 9 Monaten mit der Austauschorganisation "Youth For Understanding" kommt, weiß sie praktisch nichts über die Stadt und auch ihre Mitschüler des Marie-Curie-Gymnasiums in Gerresheim zeigen nur ein verhaltenes Interesse an ihrer neuen Klassenkameradin.

Das hatte die junge Rumänin sich anders vorgestellt, irgendwie herzlicher, aufgeschlossener, so wären sie und ihre Freunde in Bukarest doch bestimmt mit einem Neuankömmling umgegangen.

Auch mit ihren Gasteltern ist es in der Anfangszeit nicht eben einfach. Nicht nur wohnen sie in Hubbelrath, weit abseits des Zentrums, sie sorgen sich auch um Ana, die immer nur raus möchte, am liebsten bis spät in die Nacht. Als der "Teenageklassiker" - ich schlafe bei einer Freundin, tue aber eigentlich etwas ganz anderes - auffliegt, ist das Vertrauen erstmal weg. "Meine Gastmutter ist Psychologin für Kinder und Jugendliche, die weiß genau was läuft", sagt sie und lacht ein wenig verlegen. Heute versteht sie, dass ihre Gasteltern hier die Verantwortung für sie tragen und es vollkommen irrelevant ist, was sie in Bukarest alles durfte und nicht durfte.

Zumindest die deutsche Sprache hat Ana nur wenig Probleme bereitet. Schon früh schickt ihre Mutter sie in einen deutschen Kindergarten, danach besucht sie das "Colegiul German Goethe" in Bukarest, fast alle Stunden sind auf Deutsch, ebenso die Bücher.

Der Unterricht in ihrer Heimat ist dennoch Meilen von dem entfernt, was sie hier am Gymnasium erlebt. Nicht nur haben die Schüler ein wirkliches Mitspracherecht und dürfen sagen, wenn ihnen etwas nicht passt, auch hat Ana zum ersten Mal in ihrem Leben das Gefühl, in der Schule wirklich etwas zu lernen. Und es gibt Philosophie! Ein Kurs, der in ihrer Schule aus mangelndem Interesse nie zustande gekommen ist. Mittlerweile hat die junge Rumänin auch einen besseren Draht zu ihren Klassenkameraden aufgebaut, wenngleich sie noch immer den Eindruck hat, dass es diesen an Entdeckergeist fehle und sie nur mit Überredung aus ihren gewohnten Bahnen ausbrechen. "Damit meine ich nicht Piercings oder Tattoos, sondern das Leben an sich." Da wäre zum Beispiel das Zakk, das kaum einer ihrer Mitschüler überhaupt kennt. Für Ana kommt es der Entdeckung eines Kontinents gleich. An einem Abend, da sie sehr traurig war, wie sie erzählt, fuhr ihre Gastmutter sie dort zu einem Poetry Slam, den eine Freundin, Pamela Granderath, moderierte. Ana, eben noch betrübt, war wie hypnotisiert und will fortan nichts anderes tun, als ihrem Hobby seit Kindertagen, dem Schreiben, nachzugehen. Kurz darauf besucht sie eine Schreibwerkstatt und man sagt ihr, sie habe richtiges Talent. "Ich dachte, wow und oh Gott, jetzt kann ich das wirklich machen!"

Die Förderung von Kunst und Kultur ist für Ana das Faszinierendste an ihrem Zuhause auf Zeit. Natürlich gibt es auch in Bukarest Kunst, aber keiner zahlt dafür. Eine Zukunft in Rumänien kann sich die 16-Jährige nicht vorstellen. Ihre Zeit in Düsseldorf habe ihr neue Perspektiven geöffnet. Nach dem Abi in zwei Jahren möchte sie zurück nach Deutschland und hier studieren, am liebsten in Berlin. Vor kurzem traf sie dort mit anderen Austauschschülern zusammen, und alle waren sich einig, dass ein Jahr im Ausland das ganze Leben verändert. "Es gibt einen Spruch unter Austauschschülern, der heißt: It's not just a year of your life, it's a life in a year

Quelle: RP
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