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Gerresheim
Fast wie die Profis

Gerresheim. Die Theatergruppe der Theodor-Andresen-Förderschule zeigt ab Montag viermal das Stück "Das Wunder von Hajipur". Dafür haben die mehr als 30 Darsteller zwei Jahre lang geprobt. Dass hier geistig Behinderte agieren, merkt kein Mensch. Von Marc Ingel

Es ist nicht so, dass Birgit Brunner etwas gegen Inklusion hätte. "Ganz und gar nicht", sagt die Sonderpädagogin. Dass die Zeit für Förderschulen wie die ihre aber abgelaufen sei, glaubt sie jedoch nicht. "Viele denken ja, wir machen hier den ganzen Tag nur Obstsalat, statt den Schülern etwas beizubringen", erklärt die Lehrerin an der Theodor-Andresen-Förderschule. Was natürlich Quatsch sei.

Die Teilnahme auch behinderter Kinder am Regelunterricht findet sie richtig und wichtig, das dürfe aber nicht die Existenzberechtigung der Förderschulen in Frage stellen. "Viele Kinder kommen zurück, weil sie es in den normalen Klassen nicht gepackt haben, weil sie sich hier einfach wohler fühlen, weil sie gerne zur Schule gehen", betont die Lehrerin. Gefördert und gefordert würden sie an der Förderschule nichtsdestotrotz, und Birgit Brunner steht an der Theodor-Andresen-Schule für ein sehr passendes Beispiel: Sie leitet den Theaterunterricht, die Schüler studieren über zwei Jahre ein von ihr geschriebenes und auf die jeweiligen Charaktere zugeschnittenes Stück ein. Unzählige Proben erfordern ein hohes Maß an Disziplin, bedingt das Auswendiglernen von bisweilen viel Text, die Bereitschaft zu extrovertiertem Handeln - und führt am Ende zu gestärktem Selbstbewusstsein.

"Bei uns steht das Kind mit Down-Syndrom nicht in der letzten Reihe und darf mal fröhlich ins Publikum winken. Jeder hat seinen Part zu erfüllen, muss wissen, wo er steht, welche Gesten notwendig sind, wie er sich zu bewegen hat. Das ist richtige Arbeit", sagt Brunner.

In diesem Jahr führt die Gruppe mit mehr als 30 Darstellern zwischen zwölf und 18 Jahren das von ihr geschriebene Stück "Das Wunder von Hajipur" auf. Der Dreiakter erinnert ein wenig an Indiana Jones, neben viel Action und Abenteuer kommt aber auch die Liebe nicht zu kurz. Ab Montag führt das Ensemble die Inszenierung insgesamt viermal in der Aula der Schule auf, Höhepunkt wird der Freitag sein, wenn Eltern und andere sich ab 17 Uhr ein Bild vom Talent der jungen Bühnenakteure machen dürfen.

Unterstützt wird Brunner von einem vierköpfigen Team, das sämtliche Arbeiten im Hintergrund übernimmt. Astrid Seuthe, Dominik Janssen, Michael Fuchs und Waltraud Kress kümmern sich um den Kulissenbau, die Kostümschneiderei und die Requisiten, um Ton, Musik und Licht. Nicht zuletzt betätigen sich Kress und Seuthe hinter den Kulissen noch als Souffleusen. Und da ein Schauspieler kurzfristig ausfiel, sprang Dominik Janssen auch noch als Mime ein und schlüpft in die Rolle des bösen Engländers Patrick Fletcher, der von Habgier getrieben nach dem Sonnendiamanten schmachtet. "Ohne diese aufopfernde Hilfe vieler, aber auch das Verständnis der Kollegen, die in den Klassen die vielen Proben aufgefangen haben, wäre dieser ganze Aufwand selbstverständlich nicht möglich", sagt die Autorin und Regisseurin Birgit Brunner.

Ob der Zuschauer in der nächsten Woche tatsächlich merken wird, dass auf der Bühne Schüler mit einer unterschiedlich gearteten geistigen Behinderung stehen, darf bezweifelt werden. Die Abschlussprobe zeigt: Jeder Satz sitzt, die Mimik kommt glaubhaft rüber, das Stück ist zudem fesselnd, exotische Kostüme und fantasievolle Kulissen verleiten dazu, sich ins ferne Indien versetzt zu fühlen. Und wenn der letzte Vorhang gefallen ist, beginnen auch schon die Vorbereitungen auf das nächste Stück, das dann 2018 aufgeführt wird.

Quelle: RP
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