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Gerresheim
Fußballspielen muss nicht im Verein sein

Gerresheim. Im Rheinpark in Golzheim treffen sich regelmäßig Gruppen jeden Alters, um unverbindlich miteinander zu kicken. Von Johanna Küppers

Der Fußball fliegt auf den Gehweg, ein Spieler flucht. Schnell reagiert ein Passant und kickt den Ball grinsend zurück auf das Spielfeld. Die Männer jubeln ihm begeistert zu. Die Spieler, die in verschiedenfarbigen Trikots auf der Wiese im Rheinpark herumlaufen, kennen diese Situation. Sie treffen sich schließlich jeden Sonntag hier zum Fußballspielen - und das schon seit 40 Jahren.

"Angefangen hat alles mit ein paar Klassenkameraden. Wir sind gemeinsam im Wald laufen gegangen, damit wir fit bleiben. Später sind wir dann zum Fußball gewechselt", sagt Heinz Koch, einer der Sportler, die zum harten Kern gehören. Mittlerweile liegt das Durchschnittsalter über 50. "Mit 65 Jahren habe ich mir meine ersten Schienbeinschoner gekauft, da wurde es dann doch langsam Zeit", sagt Mitspieler Helmut Hartmann lachend.

Doch nicht nur das Alter der Gruppe hat sich verändert, sondern auch die Konstellation der Teams. "Wir nehmen unsere Söhne mit zum Training, deshalb sind wir sowieso schon eine gemischte Gruppe. Aber vor allem sind wir international geworden. Wir hatten schon Leute aus Albanien, Libyen, Brasilien und Argentinien dabei", so der Stürmer.

Ein kurzer Blick durch den Rheinpark zeigt, dass Kochs Gruppe nicht die einzige ist. Zahlreiche Hobbykicker, die mit Leibchen Teams gebildet haben, laufen auf dem Rasen dem Ball hinterher. Die meisten haben sich eigene Tore mitgebracht, manche haben die Pfosten lediglich durch Taschen markiert. Viele sind mit dem Fahrrad gekommen.

Hartmann erklärt, warum ihm das Spielen im Park so viel Spaß macht. "Wir betreiben hier einen minimalen Aufwand und haben einen maximalen Ertrag, denn wir können uns richtig austoben. Es ist unverbindlich, und wer kommt, der kommt. Wir sind immer genug Leute." Gespielt wird von 10.30 bis 12.15 Uhr, jeden Sonntag, bei jedem Wetter. "Manchmal, wenn es zu Streitereien kommt, ist es frustrierend und man fragt sich, warum man nicht einfach Fahrrad fährt und so seine Ruhe hat. Aber irgendwie zieht es einen doch immer wieder hierher", sagt Koch. Mittlerweile gebe es ein ungeschriebenes Gesetz: "Wer zu ehrgeizig oder gar ausfallend wird, darf nicht mehr mitspielen", sagt Hartmann.

Auch Mohammed Yeganegi kommt jeden Sonntag zum Fußballspielen in den Rheinpark. In seiner Gruppe wird Wert auf Pünktlichkeit und Fairness gelegt. "Ich bin Freiberufler, und für mich ist es angenehmer, keine Verpflichtungen wie in einem Verein zu haben. Trotzdem gehören gewisse Spielregeln dazu", sagt Yeganegi. In seiner Gruppe darf jeder mitspielen. Lächelnd verrät er: "Manchmal kommen Spieler aus der zweiten Bundesliga und kicken mit. Da kann man sich dann ein paar Tricks abgucken."

Quelle: RP
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