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Gerresheim
Gerresheimerin läuft in Afghanistan

Gerresheim. Die gebürtige Düsseldorferin Cornelia Schneider arbeitet in New York für die Vereinten Nationen und unterstützt privat die Organisation "Free to Run". Sie will Frauen durch den Sport zu mehr Selbstbewusstsein verhelfen. Von Nicole Scharfetter

Afghanistan gehört nicht zu jenen Ländern, die bei Urlaubern ganz oben auf der Beliebtheitsskala rangieren. Im Gegenteil: "Afghanistan ist kein Ort, an den man einfach so reist", sagt Cornelia Schneider. Trotzdem treibt es die gebürtige Gerresheimerin immer wieder in das Land, in dem bis 2001 die Taliban an der Macht waren, in dem seit 2001 Krieg herrscht.

Lange war Schneider nicht mehr dort, "zum ersten Mal bin ich privat nach Afghanistan gekommen", sagt die 39-Jährige. Um in der Provinz Bamiyan bei einem Marathon mitzulaufen. Sie ist im Vorstand der Organisation "Free to Run", die von Stephanie Cage gegründet wurde mit dem Ziel, mehr Frauen in Afghanistan zum Sport zu bewegen. Damit die Frauen dort selbstbewusster werden. "Und das funktioniert mit Sport ganz gut", findet Schneider.

2015 fand der erste Marathon in Afghanistan statt, an dem Männer wie Frauen teilnahmen. Cornelia Schneider erzählt von Zainab, die damals als einzige Frau mitlief. "Das war schon ein besonderer Moment", sagt sie. Für ihre Leistung wurde Zainab ausgezeichnet von der deutschen und französischen Botschaft in Afghanistan als "Afghan Woman of the Year" (Afghanische Frau des Jahres). In diesem Jahr haben es sechs Frauen mit den 42,195 Kilometern aufgenommen, "und alle sind ins Ziel gekommen", sagt Schneider ein bisschen stolz. Auch die 21 Jahre alte Nelofar, die ihren ersten Lauf vor kurzem in Kabul machte. Schneider, die hofft, dass Zainab und Nelofar Vorbilder werden für die Frauen im Land.

Nach dem Sturz der Taliban entspannte sich die Lage in Afghanistan. Kurzfristig. Immer wieder bedrohen Unruhen und Konflikte das Land. "Frauen sind noch immer ärmer als Männer, sie haben seltener Zugang zu Bildung, werden sexuell belästigt", sagt Schneider. Vielleicht schreiben Zainab und Nelofar die Geschichte um, wie einst Roberta Gibb und Kathrine Switzer in den USA, die in Boston einen Marathon liefen, obwohl Frauen das untersagt war. So selbstbewusst und mutig Zainab und Nelofar sind - ihre Nachnamen will Schneider nicht verraten. "Aus Sicherheitsgründen." Und genauso wenig wird die exakte Streckenführung bekanntgegeben, "wir planen alles sehr kurzfristig", sagt die Düsseldorferin. Nur so viel: Ein Stück des Weges führt vorbei an den weltberühmten Buddha-Statuen von Bamiyan, von denen nur noch Umrisse im Felsen übrig sind, seit die Taliban sie 2001 zerstörten. "Bamiyan gehört aber zu den guten, sicheren Orten des Landes", sagt die Düsseldorferin, die für die Vereinten Nationen in New York arbeitet und mehr als drei Jahre in Afghanistan mit der europäischen Polizeimission unterwegs war. In krisengeschüttelten Ländern wie Afghanistan hilft Cornelia Schneider dabei, einen Rechtsstaat aufzubauen. "Die Lage hat sich verschlechtert", sagt sie. Anschläge auf Sicherheitspersonal, die UN, Diplomaten und das Militär gehörten zum Alltag.

Ein bisschen komisch sei es schon gewesen, die ersten Minuten, als Cornelia Schneider vergangene Woche nach vier Jahren Abwesenheit mal wieder afghanischen Boden unter den Füßen hatte. Als Zivilperson ins Land zu kommen, nicht mit einem gepanzerten Wagen chauffiert zu werden, nicht umringt zu sein von Bodyguards. "Diesmal gibt mir die Anonymität Schutz", sagt sie. Und Schneider fühlt sich sicher, in dem Land, von dem sie schon so lange so sehr fasziniert ist.

Quelle: RP
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