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Gerresheim
Küsschen links, Küsschen rechts

Gerresheim. Dieter Gasper hat wieder ein Buch geschrieben, sein drittes. Einen Verlag hat der Gerresheimer immer noch nicht, erneut hat der gelernte Friseur den Druck seines Romans selbst finanziert. Es ist ein Krimi im Schickimicki-Milieu. Von Marc Ingel

Dieter Gasper schenkte seiner Frau zum Geburtstag eine Nacht im Steigenberger Parkhotel. Schon die Anfahrt mit der gelben Ente wurde zum Erlebnis der besonderen Art: "Der Parkwächter wollte uns erst verscheuchen. Als er dann begriff, dass wir zahlende Gäste waren, versuchte er den Wagen zu starten, musste aber einsehen, dass er nicht in der Lage war, einen 2 CV zu fahren." Gasper stellte schnell fest: Das ist das ideale Terrain, um Stoff für seinen neuen Roman zu sammeln. Mehr Schein als Sein, Lug und Trug, Leasing statt Luxus und jede Menge Bussi-Bussi-Mentalität. Die Idee war geboren, einen Krimi rund um das Düsseldorfer Schickimicki-Milieu zu schreiben. "Ich habe mich bei jedem der Gäste gefragt, kann der sich das wirklich leisten, hat er heimlich eine Freundin, ist das vielleicht sogar eine Prostituierte", rekapituliert der Gerresheimer den Abend im Parkhotel an der Kö.

In "Küsschen links, Küsschen rechts" wird natürlich vieles auf die Spitze getrieben, sind die fiktiven Figuren überzeichnet, gibt es dementsprechend viel zu schmunzeln. Der eigentliche Plot ist aber alles andere als lustig: Es geht um Vergewaltigung, um Rache, das Opfer wird zum Täter, und es geht natürlich, wie es sich für einen guten Krimi gehört, um Mord. Gasper hat sich dabei auch einer Figur bedient, die bereits in seinem Roman "Cremeschnitten sind aus", jenem halb autobiografischen 66er-Gesellschaftsporträt aus Grafenberg, eine zentrale Rolle gespielt hat: Der Sohn von Kommissar Strauss ist jetzt der leitende Ermittler.

Auch "Küsschen links, Küsschen rechts" hat für den Düsseldorfer Leser einen sehr hohen Wiedererkennungswert, viele Schauplätze von Gerresheim über den Unterbacher See bis zum Griechen am Staufenplatz werden ihm bekannt vorkommen. Und noch etwas hat sich im Vergleich zum letzten Roman von Gasper nicht verändert: Der gelernte Friseur, der noch sporadisch in einem Salon in Grafenberg aushilft, hat sein Buch wieder in Eigenregie verlegt, den Druck von 1000 Exemplaren vorfinanziert. "Ich lasse halt nicht locker", sagt der inzwischen 65-Jährige. Darüber hinaus hat Gasper, der nebenbei auch gerne malt (vor allem Frösche), das Cover selbst kreiert. Es zeigt eine etwas dämlich dreinblickende Kuh mit roten, anscheinend aufgespritzten Lippen. Das passt.

Das Klinken putzen hat sich für ihn wieder gelohnt, von der großen Mayerschen bis zur kleinen Buchhandlung Schulz und Schultz an der Geibelstraße haben sich viele Läden bereiterklärt, sein Buch in ihr Sortiment aufzunehmen. Spätestens im November soll es so weit sein. "Ich verdiene damit natürlich nicht wirklich viel Geld, der Spaß am Schreiben steht im Vordergrund. Vor meinem inneren Auge läuft ein Film ab, und das dann in Worte zu kleiden, ist die Kunst. Wenn andere das honorieren, ist das für mich schon viel wert", sagt der Fortuna-Fan ("Auch das kann ich irgendwie nicht lassen"), der schon das nächste Projekt geplant hat. Seine jüngst verstorbene Mutter hat Tagebuch über ihre Jugend geführt, "erst in Sütterlin, und als sie merkte, dass das keiner von uns lesen konnte, hat sie alles noch einmal in Druckbuchstaben abgeschrieben", erzählt der Sohn, der weiß: "Sollte ich das tatsächlich umsetzen, wird es wohl meine bisher größte literarische Herausforderung."

Schreiben, malen, Ente fahren, Fortuna gucken und Haare schneiden. Gasper würde sich aber wohl auch so zu beschäftigen wissen.

Quelle: RP
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