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Gerresheim
"Netz gegen Armut" stellt sich neu auf

Gerresheim. Die mobile Fahrradwerkstatt ist das erste gemeinsame Projekt von drei Initiativen, die enger zusammenarbeiten wollen. Von Marc Ingel

Es gibt sie, die Armut, auch in Gerresheim. "Wir haben hier keine Ghettos und auch keine Straßenzüge, die komplett betroffen wären. Alles ist etwas versteckter", sagt Pfarrerin Cornelia Oßwald. Die hohe Anzahl von rund 800 Personen, darunter 250 Kinder, die regelmäßig die gemeinsame Sprechstunde von Diakonie und Caritas in der Hoffnung auf Hilfe aufsuchen würde, sei Beleg genug. "Und das war, bevor hier drei neue Unterkünfte für Flüchtlinge aufgemacht haben", so Oßwald. Ursprung dieser Bedürftigkeit im Stadtteil sei die Schließung der Glashütte 2005 gewesen.

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass es mit dem "Netz gegen Armut", dem Runden Tisch Flucht und Asyl im Stadtbezirk 7 sowie dem Koordinierungskreis Armut gleich drei Initiativen in Gerresheim gibt, die bisher in etwa die gleiche Klientel bedient haben. "Wir haben nie gegeneinander, aber auch nicht wirklich miteinander gearbeitet. Es gab ein großes Abstimmungsbedürfnis", so Maria Icking, Sprecherin vom "Netz gegen Armut".

Die drei Organisationen wollen nun unter der Plattform "Netz gegen Armut im Stadtbezirk 7" stärker kooperieren. "Dabei geht es nicht ausschließlich um materielle Armut, sondern auch um die soziale. Wir wollen einsame Menschen aus der Isolation holen", sagt Icking. Einen Welcome Point, wie ihn andere Stadtteile hätten, brauche Gerresheim nicht. Icking: "Wir machen keine Unterschiede zwischen Einheimischen und Flüchtlingen. Bei uns steht die Tür allen auf."

Die Zusammenarbeit sei aufgegliedert in Arbeitsgruppen, die wiederum von einer Lenkungsgruppe innerhalb des "Neuen Netzes" gesteuert werde, erläutert Oßwald. Schwerpunkte: Teilhabe, Sozialraumkoordinierung, Kommunikation und Freizeitgestaltung. Erstes handfestes Projekt ist die mobile Fahrradwerkstatt, initiiert und koordiniert von Beate Albers vom Quartiersprojekt für den Gerresheimer Süden. "Wir hoffen auf Freiwillige, die Räder reparieren können und bereit sind, das auch anderen beizubringen. Gleichzeitig können Menschen ihre halbwegs erhaltenen Räder, die sie nicht mehr benötigen, für Bedürftige spenden", erklärt Albers. Auch Ersatzteile, Helme oder Fahrradschlösser seien willkommen.

Premiere ist beim Sommerfest der evangelischen Gemeinde am Sonntag (12-16 Uhr, Hardenbergstraße). Mittelfristig hofft Albers, die gut ausgestattete Fahrradwerkstatt der Martin-Luther-King-Schule als festen Standort mitnutzen zu können.

Quelle: RP
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