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Gerresheim
Opernsängerin unterstützt Kirche

Gerresheim. Maria Abajan-Schaber hilft der evangelischen Gemeinde in Gerresheim als Dolmetscherin bei der Flüchtlingsarbeit. Um diese Aufgabe zu finanzieren, organisiert sie jetzt ein Benefizkonzert. Von Marc Ingel

Ihre Biografie könnte Bücher füllen. Das aber ist gar nicht die Intention, wenn Maria Abajan-Schaber ins Erzählen kommt. Das macht sie gerne, schon mal ohne Punkt und Komma und obendrein in sieben verschiedenen Sprachen. Was außergewöhnlich hilfreich für die Arbeit mit Flüchtlingen ist, zumal Russisch und Armenisch dazugehören, hat Pfarrerin Cornelia Oßwald schnell erkannt - und die Opernsängerin 2015 überredet, die Caritas-Diakonie-Sprechstunde bei der evangelischen Kirchengemeinde zu unterstützen.

"Diese Aufgabe kann emotional sehr belastend sein, aber nachher habe ich richtige Glücksgefühle", sagt Abajan-Schaber. "Und das, obwohl man nie wirklich die Zeit hat, sich mit dem Leben und der Vergangenheit der jeweiligen Person zu beschäftigen. Dennoch erwarten sie nichts, sind mit wenig zufrieden. Es sind ehrenhafte Menschen." Um das zu erkennen, legt Maria Abajan-Schaber noch eine weitere positive Eigenschaft in die Waagschale: "Sie kann sehr gut zuhören", sagt Pfarrerin Oßwald.

Die gebürtige Armenierin emigrierte als Kind mit ihren Eltern über den Umweg Syrien nach Amerika, wo sie ihre musikalische Ausbildung genoss, ihre Familie lebt heute noch größtenteils in Los Angeles. Ein Engagement in Augsburg führte die Sopranistin erstmals nach Deutschland, "aber da war immer nur Föhn". Wohler fühlte sie sich am Nationaltheater in Mannheim, dort lernte sie auch ihren Mann kennen - einen Düsseldorfer, der sie dann mit in ihre neue Heimat nahm.

Wie alt sie heute ist, verschweigt Maria Abajan-Schaber, die noch viele Jahre auf Tourneen in Israel, den USA und in ganz Europa war, lächelnd. Ganz aufhören zu singen, das wollte sie, inzwischen Witwe, dementsprechend nie. Und da ging sie mit Oßwald einen Deal ein: Sie durfte in den Räumen der Gemeinde proben, "wenn sie denn eines Tages mal ein Konzert für uns gibt", beschreibt die Pfarrerin die ursprünglich nicht ganz ernst gemeinte Abmachung. Doch jetzt kommt es tatsächlich zu dem Auftritt: Am Freitag, 1. September, wird die Sängerin unter dem Titel "Die geheime Seele im Gesang" Werke von Rachmaninow, Verdi oder Puccini in der Gustav-Adolf-Kirche interpretieren. Artak Voskanyan spielt Duduk ("die armenische Flöte"), Klas Lorenz sitzt am Flügel, der 30-köpfige Chor Komitas der armenischen Gemeinde Köln singt ebenfalls. Und was die Künstlerin besonders freut: Es ist ein Benefizkonzert, die Einnahmen kommen der Caritas-Diakonie-Sprechstunde zugute, in der allein im vergangenen Jahr in fast 5000 Gesprächen 1250 Menschen geholfen werden konnte.

Geld, das die Gemeinde gut gebrauchen kann, betont Pfarrerin Oßwald, sei für diese immer mehr Zeit in Anspruch nehmende, ökumenische Arbeit mittelfristig eine hauptamtliche Kraft doch zwingend erforderlich, die es zu finanzieren gilt. 560 Flüchtlinge aus den drei Einrichtungen im Stadtbezirk besuchen die Sprechstunde am Dienstag regelmäßig (die Bergische Kaserne nicht mitgerechnet), suchen Rat, erhalten aber auch Lebensmittel- und Drogerie-Gutscheine. Arbeitslose, Alleinerziehende oder von Altersarmut betroffene Gerresheimer nehmen das Angebot ebenfalls wahr. Es gibt Kleider- und Sachspenden, ein gemeinsames Frühstück für alle sowie die Fahrradwerkstatt, in der gespendete Räder von freiwilligen Schraubern (auch Flüchtlingen) repariert und dann für wenig Geld abgegeben werden.

"Wir fungieren hier als Welcome Point. Ohne die 50 Ehrenamtler, die mitwirken, wäre die Arbeit gar nicht leistbar", sagt Oßwald. Umso wichtiger sei es, dieses Projekt nun finanziell zu unterstützen.

Quelle: RP
 
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