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Gerresheim
Pilze entdecken und bestimmen

Gerresheim: Pilze entdecken und bestimmen
Pilzexperte Jürgen Schnieber schaut sich die Pilze genau an, um sie dann anhand von kleinen Unterschieden bestimmen zu können. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Gerresheim. Viel Wissenswertes über Pilze wird bei einer Friedhofsführung vermittelt. Selber sammeln wird dadurch aber nicht leichter. Von Julia Brabeck

Herbstzeit ist Pilzzeit und in diesem Jahr auch noch eine gute, denn ausreichend Niederschlag hat dafür gesorgt, dass in Düsseldorfer Wäldern die Pilze nur so sprießen. Denn Pilze mögen es feucht und nicht zu kalt. "Ich habe drei Hunde und bin deshalb häufig im Wald unterwegs und sehe dort immer die Pilze. Jetzt will ich mehr über sie erfahren", sagt Gisela Wölk. Zusammen mit rund 40 anderen Interessierten hat sie sich gestern einer pilzkundlichen Führung über den Gerresheimer Friedhof angeschlossen.

Heike Böhme hat dafür vorsorglich einen Korb mitgebracht. Den wird sie allerdings fast leer mit nach Hause nehmen, denn bei der Veranstaltung des Gartenamtes geht es nicht um das Sammeln von Pilzen, sondern um das Sammeln von Wissen, wie Jürgen Schnieber, Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (Pilzkunde), betont. "Den Friedhof wähle ich gerne für die Exkursion aus, um zu zeigen, was für ein wichtiger Lebensraum solch eine Anlage ist", sagt Schnieber, der selber den Düsseldorfer Südfriedhof leitet. Es wisse selber nie, wie seine Führung verlaufen werde, erzählt er. Erst passend zu den gefundenen Pilzen gibt er sein vielfältiges Wissen frei.

Das erste Anschauungsobjekt dafür liefert Leonard. Was er da angeschleppt hat, weiß der Neunjährige allerdings nicht: "Ich erkenne nur den Fliegenpilz sicher." Auch Schnieber kann erst einmal nur raten und ordnet das kugelförmige Gewächs der Gruppe der Boviste zu. Nachdem er aber den Pilz mit seinem Messer geteilt hat, muss er sich aber korrigieren. "Das ist doch ein Stäubling, denn wie man nun im Querschnitt erkennen kann, hat er einen kleinen Stiel. Den haben Boviste nicht."

Rund 5000 bis 6000 Pilzsorten sind im mitteleuropäischen Raum bekannt. "Die kann man gar nicht alle kennen, und manche feinen Unterschiede sind auch nur unter dem Mikroskope erkennbar." Weit über 400 verschiedene Arten vermutet Schnieber auf dem über 100 Jahre alten Friedhof. Zu sehen sind diese allerdings nicht immer, denn der eigentliche Pilz ist ein feines Fadengeflecht, das so genannte Myzelium, das im Boden lebt und oft enge Verbindungen mit bestimmten Bäumen eingeht. Das, was über der Oberfläche zu sehen ist und gemeinhin als Pilz bezeichnet wird, ist die Frucht, die der Pilz bildet. "Vergleichbar ist das mit einem Apfelbaum. Das Myzelium ist der Baum und der Pilz der Apfel", sagt Schnieber.

Einige Teilnehmer schreiben eifrig mit und fotografieren die von Schnieber bestimmten Exemplare, andere haben extra Pilzbestimmungsbücher mitgebracht, in die sie sich Notizen machen. "Ich würde gerne lernen, wie ich die verschiedenen Arten erkennen kann. Ich esse gerne Pilze und würde gerne selber sammeln gehen", sagt Regina Goll. Das war auch für Tim Küstner die Motivation, an dem Seminar teilzunehmen. "Aber je mehr ich hier erfahre, um so unsicherer werde ich eigentlich. Mir war nicht bewusst, wie ähnlich sich viele Pilze sehen. Viele Speisepilze haben einen ungenießbaren oder sogar tödlich giftigen Doppelgänger. So auch der Lieblingspilz von Schnieber. "Das Stockschwämmchen kann sehr leicht mit dem Gifthäuptling verwechselt werden." Deshalb mahnt der Experte auch immer wieder: "Nur das verspeisen, was man auch sicher kennt oder einen Pilzsachverständigen um Rat fragen."

Quelle: RP
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