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Gerresheim
Plakataktion für Kulturförderung

Gerresheim. Der Leiter des Kulturbahnhofs Gerresheim erinnert OB Thomas Geisel an sein Versprechen, die Stadtteile zu stärken. Von Marc Ingel

Irgendwie sei es Carsten Reinhold Schulz schon ein bisschen leid. Natürlich habe er gewusst, dass es nicht leicht werden würde, Kultur in einen "ausgegrenzten Bezirk" wie Gerresheim zu bringen. Aber diese vielen scheinbar so fruchtbaren Gespräche im vergangenen Jahr mit Stadtteil-, Rats- und Kulturpolitikern, mit Vertretern aus Kulturamt und Rathaus, hätten ihm schon die Hoffnung gegeben, dass für den Kulturbahnhof Gerresheim, dessen Leitung er als Vertreter des Vereins Jason Ro übernommen hatte, ein klein wenig an Förderung abfallen würde. Nur einmalig, so in der Größenordnung von dem, was andere Kulturinstitutionen in Düsseldorf auch bekommen würden, "damit man mal durchatmen kann, ohne der Stadt langfristig auf der Tasche zu liegen".

Nichts von dem, was in Aussicht gestellt worden sei, sei eingetreten, auch nicht, dass der Oberbürgermeister doch eigentlich die Stadtteile stärken wolle, das habe Geisel zumindest versprochen. Stattdessen habe Schulz die Finanzierung von Ausstellungen, Outsider-Art-Aktionen und Konzerten, von solidarischen und innovativen Konzepten, um dem Stadtteil neue Perspektiven zu geben, die Förderung von Schulen und Hochschulen zusammen mit dem Verein und anderen Künstlern ohne Sponsoren selbst aufgebracht. Rund 150.000 Euro insgesamt. Jetzt, wo es zum Jahresende darum geht, das Geld auch für die Kultur neu zu verteilen, wendet sich Schulz mit einer Plakataktion, 150 Stück im gesamten Stadtgebiet, direkt an Thomas Geisel. "Um ihn an sein Versäumnis zu erinnern, nicht böse gemeint. Aber es ist ja noch nicht zu spät, etwas an dem Zustand zu ändern", sagt Schulz.

Die finanzielle Unterstützung ganzer Stadtteile und ihrer Kultur bleibe nach seiner Auffassung Kernaufgabe einer sozial ausgerichteten Politik, auch der Kulturpolitik. "Diese gemeinschaftliche Verantwortung kann und darf nur teilweise auf dem Rücken ehrenamtlichen Engagements und freier Kunstprojekte abgewickelt werden", sagt der Kurator der Veranstaltungen im Kulturbahnhof und schiebt hinterher: "Dafür bieten wir hier ja auch eine Menge. Wir haben unser Wort jedenfalls gehalten."

Was alles möglich ist an der Heyestraße, hat zuletzt die viel beachtete Ausstellung zur Geschichte der Plastiktüte gezeigt. Auch aktuell laufen zwei interessante Ausstellungen mit Outsider-Art sowie zu alten Kirchenschätzen. Eine weitere Veranstaltung am 19. November dürfte ebenfalls für Furore sorgen: Das Dohenger-Festival vereint für acht Stunden mehr als ein Dutzend Künstler rheinischer Mundart auf drei Bühnen des Gerresheimer Kulturbahnhofs. Mit dabei ist als Zugpferd Konrad Beikircher, aber auch Monika Voss, das Duo Oxenfort/Beckmann, Schauspieler Rolf Berg und Kabarettist Frank Küster werden auftreten. Anschließend gibt es ein DJ-Set mit "rheinischer Musik" von Kraftwerk bis zu den Krupps.

Auch diese Mundart-Messe dürfte nicht billig werden, Schulz geht von einem fünfstelligen Betrag aus, "aber das ist auch alles gar nicht schlimm, dafür sind wir hier ja angetreten, um Kultur nach Gerresheim zu bringen, nicht, um zu verdienen", sagt Schulz. Er glaubt, dass fälschlicherweise der Irrglaube vorherrsche, im Kulturbahnhof sitze wegen des Besitzers Piet Neiser das große Geld. Der habe die Immobilie erworben, saniert und anfangs auch eine Anschubfinanzierung gewährt, "inzwischen zahlen wir hier aber ganz normal Miete", so Schulz.

Quelle: RP
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