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Gerresheim
Sagenhafte Entwürfe

Gerresheim: Sagenhafte Entwürfe
Ina Kromphardt arbeitet am Kostüm von Klingsor. Der Entwurf stammt vom Sechstklässler Piet Fedderke aus Gerresheim. FOTO: Andreas Bretz
Gerresheim. Die Profi-Schneiderin setzt Kostümideen von Gerresheimer Schülern für die Wagner-Oper Parsifal um. Von Marc Ingel

Anerkennend begutachtet Ina Kromphardt die Entwürfe der Schüler des Gerresheimer Marie-Curie-Gymnasiums. "Die sind erstaunlich detailliert, fast schon professionell", sagt die Schneiderin, deren Berufsbezeichnung eigentlich Herrengewandmeisterin lautet. Kromphardt setzt in ihrem Atelier an der Klosterstraße die Kostümvorlagen für Figuren der kindgerecht aufbereiteten Wagner-Oper Parsifal um, die am 25. Juli in Bayreuth Premiere feiert. Die drei Sechstklässler - Maximilian Knaak (Amfortas), Piet Fedderke (Klingsor) und Norah Hulich (Kundry) - zählen zu den Gewinnern eines Wettbewerbs der Fair-Play-Stiftung und der Bayreuther Festspiele.

Jetzt obliegt es Ina Kromphardt, die sonst für das Festival Aix on Provence, die Ruhrtriennale oder die Oper in Lyon ihre Kunstfertigkeit unter Beweis stellt, die kreativen Ideen auf Papier in die reale Opernwelt zu übertragen. "Ich habe mich möglichst nah am Original orientiert und nur unter praktischen Gesichtspunkten ein paar kleinere Änderungen vorgenommen. Der Kragen bei Bösewicht Klingsor zum Beispiel war auf dem Bild so lang, da hätte man ein Eisengestell einflechten müssen, damit er auf der Bühne hält", nennt sie ein Beispiel.

Auch bei der Auswahl der Stoffe habe sie die "Regieanweisungen", der Kinder, die bisweilen handschriftlich hinzugefügt wurden, keineswegs außer acht gelassen und in Absprache mit Regisseur und Bühnenbildnerin in Bayreuth festgelegt. So setzt sich Klingsors aufwendiges Kostüm nun aus rotem Leder für das Cape, Moiré-Stoff - einem Gewebe mit einer Maserung, das meist aus Seide oder Viskose hergestellt wird, für den Kragen und einem elastischen Strick für den Wams zusammen. Als düsteres Accessoire erhält das Outfit noch schwarze Lederstreifen - alles so, wie Piet Fedderke sich das zuerst ausgedacht und später dann aufgemalt hat.

"Man muss bei der Kostümanfertigung ja immer auch Dinge wie den technischen und szenischen Ablauf, die Musik und die gegebenen Örtlichkeiten auf der Bühne im Hinterkopf haben. Wenn sich ein Sänger etwa auf der Bühne aus irgendeinem Grund schnell eines Teils seiner Kleidung entledigen muss, kann ich nicht mit vielen Knöpfen arbeiten", erklärt die Fachfrau. "Auch, dass die Parsifal-Inszenierung für Kinder radikal gekürzt wurde und die Zuschauer viel näher an der Bühne sitzen, gilt es zu bedenken", fügt sie hinzu.

Die Kostüme gehen, so bald sie fertig sind, zum Teil nach Bayreuth, damit sie dort bei den Sängern angepasst werden können. Sie würden auch nach den Parsifal-Aufführungen aufgehoben, bei Bedarf geändert und gegebenenfalls für neue Inszenierungen verwendet. Da ist Bayreuth sparsam.

Quelle: RP
 
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