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Gerresheim
Senioren machen Ausflug in die eigene Vergangenheit

Gerresheim. Es ist ein sonniger Frühlingstag. 21 Bewohner des Pflege- und Altenheims Gerricusstift in Gerresheim sowie zehn Begleitpersonen unternehmen heute einen besonderen Ausflug. "Wir wollen sie auf eine kleine Erinnerungstour durch Düsseldorf mitnehmen und ihnen altbekannte, aber auch neue Einblicke in die Stadt geben", erklärt Nicole Vetten vom Sozialen Dienst des Gerricusstifts und denkt zum Beispiel an den Anblick des Hofgartens, der seit Sturm Ela deutlich weniger Bäume hat.

"Ich freue mich sehr, mal wieder etwas anderes zu sehen", sagt Bewohnerin Ursula Jetschmann. Die Rollstuhlfahrerin stammt aus Pommern, lebt aber schon seit 40 Jahren in Gerresheim. Michael Vetten, Gästeführer der Stadt Düsseldorf, umreißt die von ihm geplante Route. Nach ein paar Sätzen zum neuen Glasmacherviertel kommt der Stadtführer auch auf den letzten Hexenprozess am Niederrhein zu sprechen, in dessen Folge 1738 in Gerresheim zwei Frauen verbrannt wurden. Rollstuhlfahrerin Helga Begere scherzt: "Gut, dass sie mich nicht gefunden haben".

Der Ausflugbus fährt über die Benderstraße, und die 89-jährige Marianne Krischel erkennt ihr früheres Wohnhaus. Mit trauriger Stimme erzählt sie, dass sie dort vor zwei Jahren ausziehen musste, weil sie die acht Stufen zu ihrer Wohnung nicht mehr herunterkam und oft stürzte. Doch schon bald darauf hellt sich ihre Stimmung wieder auf: "Herrlich, dass ich das alles noch einmal sehen kann."

Als es am Neubaugebiet auf dem ehemaligen Gelände der Reitzensteinkaserne in Mörsenbroich vorbeigeht, erzählt Vetten, dass er in dieser Kaserne gemustert wurde. Marianne Krischel nickt. Auch ihr verstorbener Mann, mit dem sie 64 Jahre lang verheiratet war, musste einst dort antreten.

Als der Busfahrer in die Königsallee einbiegt, recken die älteren Damen und Herren neugierig die Hälse und fangen an zu tuscheln. Als es weiter auf die Mühlenstraße Richtung Burgplatz geht, ruft der 83-jährige Josef Nolte beim Haus mit der Nummer 7 aus: "Da ist doch mein Geburtshaus." Auf dem Burgplatz kommt der lange Bus zum Stehen: Baufahrzeuge und Lastwagen versperren den Weg. Doch obwohl ein Kipplaster Platz macht, ist es für Fahrer Werner Lang eine Zentimeterarbeit, bis er den Bus gewendet hat. Nicht zum letzten Mal an diesem Tag: Am Bilker Bahnhof gerät der Rollstuhlbus in eine Sackgasse und muss erneut umkehren. "So ist das halt in Düsseldorf", sagt Lang aus Erfahrung. Nach der 90-minütigen Stadtrundfahrt wird im Bauerncafé in Hamm eine ausgedehnte Pause eingelegt, bis es über Oberbilk ("Der Stadtteil war damals sehr verrufen, weshalb wir da nicht alleine hingehen durften", so Helga Korfkamp) und den für viele Ausflugsteilnehmer noch unbekannten Stadtteil Grafental im Feierabendverkehr langsam zurück zum Gerresheimer Gerricusstift geht.

(arc)
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