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Gerresheim
Senioren werden zu Fotomodellen

Gerresheim. Auf den Fenstern des Ferdinand-Heye-Hauses zur Benderstraße sind 23 Bewohner mit riesigen Fotos abgebildet. Von Marc Ingel

Günter Schwarz fühlte sich "noch nicht reif fürs Altenheim". Und doch landete der 93-Jährige nach einem Treppensturz und einem gebrochenen Halswirbel genau dort. Zum Glück, wie er sagt, handelte es sich dabei um das Ferdinand-Heye-Haus am Apostelplatz. Das gibt es erst seit knapp vier Jahren. Es verfügt mit dem bei vielen Gerresheimern beliebten Café Frau Heye über einen Türöffner, der die Hemmschwelle, sich einem Altenheim zu nähern, abbaut. Und, was im Fall von Schwarz das vielleicht Wichtigste ist: Das Haus der Diakonie in Gerresheim ist nicht umsonst gerade mit dem Gütesiegel "Demenzsensible Einrichtung" ausgezeichnet worden, legt es doch einen besonderen Wert auf die würdevolle Betreuung auch schwerstdementieller Bewohner. Für Schwarz von Bedeutung, denn seine Frau, die auch hier wohnt, zeigt zunehmende Symptome von Demenz. "Wir fühlen uns wohl und werden auch das Ende unserer Tage wohl hier verbringen", sagt Schwarz ohne Bitterkeit.

Das Paar zählt zu der Gruppe von Bewohnern, die auf 21 großformatigen Fotos abgebildet sind, die ab sofort, auf Lochfolie gezogen, die Fenster der Vorderfront des Ferdinand-Heye-Hauses zur Benderstraße hin schmücken. Jedes der Fotomodelle hält darauf ein altes Bild aus jungen Jahren in den Händen. Bei den Schwarz' ist es das Hochzeitsfoto, bei anderen eine Aufnahme mit dem ersten Auto oder ein Familienfoto. "Diese Bilder zeigen auf jeden Fall: Hier wird gelebt, gelacht, geliebt und nicht nur verwahrt. Sie erzählen eine Lebensgeschichte, sollen auch dokumentieren, dass hier tolle Arbeit geleistet wird und nicht zuletzt dazu einladen, einfach mal reinzukommen", sagt Leiterin Andrea Köhler.

Ziel der Ausstellung sei es, das Leben der Menschen im Ferdinand-Heye-Haus zu würdigen und durch den Austausch über die historischen Fotos Erinnerungen zu aktivieren. "Sich erinnern hat für alte Menschen einen ebenso hohen Stellenwert wie das Träumen für junge", sagt Köhler. Biografiearbeit sei daher auch ein zentrales Element in dem Konzept der Senioreneinrichtung. "Durch das Teilen der Erinnerung wird der Bezug zur eigenen Lebensgeschichte und Identität gestärkt", ergänzt Köhler.

Die Idee stammt von dem Fotografen Heinz-Dieter Wurm, der sie auch mit den Senioren umgesetzt hat. "Ich bin dankbar für die Erfahrungen, die ich hier machen durfte. Ich musste auch erst einmal lernen, mit Demenz umzugehen. Das hat mir in der Zeit hier geholfen, um anfängliche Berührungsängste abzubauen", sagt Wurm. Auch der neue Diakonievorstand Stefanie Krones ist voll des Lobes für die Aktion: "Sie ist ein weiterer Schritt hinein in den Stadtteil und zeigt, dass die Bewohner auch in hohem Alter ihr Selbstbewusstsein durchaus erhalten können."

Quelle: RP
 
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