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Gerresheim
Vier Messdiener schreiben Band-Geschichte

Gerresheim: Vier Messdiener schreiben Band-Geschichte
Mit selbst komponierten Liedern wie "Lommer mol zum Addi jon" hatten die vier Jungs der Lazy Beat Bones eher bescheidenen Erfolg. FOTO: privat
Gerresheim. Die Lazy Beat Bones aus Gerresheim bestehen seit 40 Jahren. Das Jubiläumskonzert findet am 26. September auf der Rennbahn statt. Von Marc Ingel

Als sich die Lazy Beat Bones vor 40 Jahren gründeten, war Jürgen Zelustek gerade erst 14 Jahre alt. Schlagzeug spielen konnte er nicht, "aber ich wusste, dass ich es wollte - unbedingt". Irgendwie hat er sich dann tatsächlich durchgemogelt, allerdings war bei den ersten Auftritten immer der Vater dabei und passte auf. "Der Alte war in Ordnung, das war kein Problem", blickt Bassist Norbert Gauls belustigt zurück. Damals, da wurde noch jede Mark in Anlage und Instrumente investiert, "dennoch musste vor jedem Auftritt fleißig gelötet werden. Irgendwas war immer kaputt", so Zelustek.

Ihren Ursprung nahm die 40-jährige Band-Geschichte des damaligen Jungen-Quartetts - Sängerin Sandy Jesse stieß erst vor zwölf Jahren hinzu - in der katholischen Kirche St. Margareta in Gerresheim, als die vier Messdiener Zelustek, Gauls, Stephan Kleinlosen (Keyboard) und Hans-Peter Massing (Gitarre) eine Beat-Messe für einen scheidenden Jugendkaplan auf die Beine stellen sollten. "Wir haben amerikanische Gospels mit deutschen Texten versehen, alles binnen kürzester Zeit runtergekloppt", erzählt Gauls.

Besser lief es mit den Covern von Beatles-Nummern. Noch besser, als Sängerin Sandy Jesse zu den Lazy Beat Bones stieß und das Repertoire erweiterte. FOTO: n.n.

Das kam offenbar gut an, denn Einladungen, beim Pfarrkarneval und wenig später beim Tanz in den Mai zu spielen, ließen nicht lange auf sich warten. "Wir konnten damals nur fünf Stücke, darunter waren zwei von den Beatles und eines von Creedence Clearwater Revival. Wir mussten alles zweimal spielen, damit nicht so auffällt, was wir eigentlich für lausige Amateure waren", erinnert sich Gauls, der zu dieser Zeit noch bei der Bundeswehr war. "Ich habe meinem Unteroffizier die Noten geklaut und sie montags heimlich wieder zurückgestellt."

Trotz des holprigen Starts blieb der Erfolg den Lazy Beat Bones, die sich auf Rockklassiker, aber auch Schlager konzentriert haben, prinzipiell treu. Single-Veröffentlichungen wie "Lommer mol zum Addi jon" lagen zwar wie Blei in den Regalen der Plattenläden, doch als Party-Band, insbesondere im Karneval beim Böse Buben Ball, wurden - und werden - die Gerresheimer gern gebucht. Vor allem die Jubiläen avancierten im Stadtteil zu musikalischen Ereignissen, von denen noch heute gesprochen wird.

Zum Zehnjährigen füllte die Band die Aula des Gymnasiums am Poth, Stargäste waren die Bläck Fööss. "20 Minuten Auftritt waren vereinbart, doch die haben schnell gemerkt, das wir das ziemlich professionell aufgezogen haben - da haben wir gleich eine ganze Stunde gespielt", berichtet Zelustek. Zum 25-jährigen Jubiläum kamen Chris Andrews und The Tremeloes ins Gerresheimer Gymnasium, "so um die 1000 Leute werden sich bestimmt reingequetscht haben", schätzt Gauls. Zum 30-Jährigen schließlich bevölkerten 6000 Freunde der Band die Gerresheimer Fußgängerzone.

"Das wäre heutzutage wegen der gestiegenen Sicherheitsauflagen alles gar nicht mehr machbar", sagt Zelustek. Daher hat sich die Band, die seit dem Einstieg von Sängerin Sandy ihr Repertoire - von Tina Turner bis Marianne Rosenberg - plötzlich noch einmal enorm erweitern konnte, für das 40-jährige Bestehen der Band eine neue "Location" ausgesucht.

Am Samstag, 26. September, soll auf der Grafenberger Rennbahn die Post abgehen. Wieder sind die Bläck Fööss dabei, die ein ganzes Konzert spielen. Manni Breuckmann moderiert. Alt Schuss ist ebenfalls mit von der Partie, und Comedian Knacki Deuser sorgt dafür, dass auch die Umbaupausen auf der Bühne vor der alten Haupttribüne nicht langweilig werden. Inklusive Kinderprogramm soll die Jubiläumsshow auf der Rennbahn von 15 bis mindestens 23 Uhr dauern. Die Band hofft auf 4000 Zuschauer.

Die Mitglieder der Lazy Beat Bones sind immer Amateure geblieben, haben die Musik als ihr Hobby angesehen. Im zivilen Leben arbeiten sie als Sportjournalist und Informatiker, Optiker, Apotheker und Werbedesignerin. Mehr als 15 Auftritte pro Jahr nehmen sie nicht an, "und wenn einer mal nicht kann, sagen wir gar nicht erst zu", betont Gauls. "Hätten wir das jemals anders gehandhabt, würden wir heute mit Sicherheit nicht mehr zusammenspielen", ist Zelustek felsenfest überzeugt.

Quelle: RP
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