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Gerresheim
Weiter Gewerbe im Glasmacherviertel

Gerresheim: Weiter Gewerbe im Glasmacherviertel
Auf Antrag der Grünen wird geprüft, ob die im Foto erkennbaren Denkmäler auch öffentlich genutzt (etwa Bürgerzentrum) werden könnten. FOTO: David Young
Gerresheim. Die Bezirksvertretung 7 verabschiedet die vorgenommenen Änderungen für den Flächennutzungsplan. Auf Gewerbe zugunsten von mehr Wohnraum im Süden des Gebiets wollen die Politiker aber mehrheitlich nicht verzichten. Von Marc Ingel

Acht Jahre ist es inzwischen her, dass bei einem Werkstattverfahren unter Einbeziehung der Bürger die Weichen für das Neubaugebiet auf dem Gelände der 2004 stillgelegten Glashütte in Gerresheim gelegt wurden. Im Schneckentempo nähern sich Stadt und Politik seitdem einer Realisierung, die Planungen wurden mehrfach überarbeitet, zuletzt war es die äußere Verkehrserschließung des Quartiers, die neu definiert wurde und in den Masterplan eingearbeitet werden musste. 1400 neue Wohnungen sollen im Glasmacherviertel entstehen, 40.000 Quadratmeter sind allein an Grünflächen geplant, doch nach aktuellem Stand wird vor 2019 kein Bewohner in sein neues Heim einziehen könne. Der Investor Patrizia sitzt auf heißen Kohlen und hat seinen Unmut über die ständigen Verzögerungen auch schon deutlich durchblicken lassen.

In der Bezirksvertretung 7 lagen jetzt die vorgenommenen Änderungen für den Flächennutzungsplan zur Abstimmung vor, einstimmig wurde die Beschlussvorlage auf den Weg gebracht - mit einem weiteren Änderungswunsch. Die FDP empfindet die ursprünglich angedachte Drittelung von Wohnen, Arbeiten und Grün inzwischen als zu verwässert. Vor allem der Gewerbestreifen im Süden, vorgesehen für Handwerks-, Dienstleistungs- und kleine Logistikunternehmen, sei auf den Planskizzen quasi komplett verschwunden, obwohl derartige Ansiedlungen idealerweise als Schutz vor Lärm von Bahn und Umgehungsstraße dienen würden.

Ilka Schiller vom Stadtplanungsamt erklärte in der Sitzung, dass aufgrund des enormen Wohnungsbedarfs in Düsseldorf die Änderungen dahingehend bereits in den überarbeiteten Masterplan 2014 eingeflossen seien, im Süden des Gebiets stattdessen transparente Glaswände als Lärmschutz favorisiert würden. "Die wären doch innerhalb kürzester Zeit verschmutzt, beschmiert oder eingeschlagen, da will doch dann keiner mehr hinziehen", machte Julian Deterding (FDP) deutlich, was er von diesem Vorschlag hält.

Mit 10:9-Stimmen wurde der Antrag der Liberalen am Ende denkbar knapp angenommen, sollen die zuständigen Ausschüsse und der Rat nun die Gewerbenutzung im Süden des Glasmacherviertels weiterhin in die Bauleitplanung einfließen lassen.

Gewerbe ist in dem erarbeiteten städtebaulichen Konzept auch für den Osten des Neubaugebiets vorgesehen, dafür gibt es aber zum Teil auch andere Pläne, wie in der Sitzung deutlich wurde. Zum einen sind die Planungen für dieses Areal noch nicht sonderlich weit fortgeschritten, zum anderen ist dort vor allem eine Sportnutzung vorgesehen. Ob diese aber überhaupt realisiert werden kann, steht ebenfalls in den Sternen, da das Grundwasser nach einem Löscheinsatz der Feuerwehr 2001 mit PFT kontaminiert ist und die Ergebnisse der schon eingeleiteten, aber noch Jahre andauernden Sanierung, was dort überhaupt möglich ist, ausstehen.

Ungeachtet dessen hat das Glasmacherviertel mit der Verabschiedung der Änderungen für den Flächennutzungsplan eine weitere kleine Hürde genommen. Auf der von der Verwaltung zur besseren Orientierung vorgestellten Zeitschiene bis zu einem rechtskräftigen Bebauungsplan ist damit gerade einmal der dritte von acht Punkten abgehakt. Doch was lange währt, wird bekanntlich am Ende ja zumeist besonders gut.

Quelle: RP
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