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Gerresheim
Wie ein Veedelszoch funktioniert

Gerresheim. Die Saubande organisiert einmal mehr am 11. Februar den Zug durch Gerresheim. Das klappt in diesem Jahr besser, da Polizei und Stadt bei der Planung der Sicherheit mehr Vorlaufzeit hatten. Von Marc Ingel

Trotz der Bedrohungslage durch den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt und den daraus resultierenden hohen Sicherheitsauflagen auch für Veedelszüge habe der Zoch in Gerresheim im Vorjahr erstaunlich gut funktioniert, sagt der Vorsitzende des Veranstalters Saubande, Stefan Pitzer. "Wir haben alles in Eigenregie kurzfristig aus dem Boden gestampft. Dafür konnte sich das Ergebnis wirklich sehen lassen."

Am 11. Februar soll das nicht anders sein, wenn sich voraussichtlich wieder zehn Kapellen, 30 Gruppen mit mehr als 1000 Teilnehmern und mehreren zehntausend Zuschauern am Straßenrand durch den Stadtteil schlängeln werden. Nur werde es dieses Jahr sehr viel entspannter, denn Polizei, Stadt und Verein hätten mehr Vorlaufzeit bei der Planung gehabt, so Pitzer. Klar ist: "Wir werden wie im Vorjahr die Lkws der Firma Kleine anfragen, um die insgesamt sechs Kreuzungen abzusperren, an der Heyestraße wird ein städtisches Fahrzeug positioniert." Stimme das Angebot des Unternehmens, werde die Stadt auch die Kosten übernehmen, "die Zusage haben wir fest", sagt der Vorsitzende. Sperrungen sind auch vorgesehen an der Neunzig-, der Dreher, der Bender-, der Quadenhof- und der Sichelstraße.

Dennoch: Es wird weitere Maßnahmen geben, um die Sicherheit zusätzlich zu erhöhen, betont Melanie Wienholz von der Bezirksdienststelle der Polizei in Gerresheim: "Eine abstrakte Anschlagsgefahr bleibt." Daher werde die Polizei auch nach Auflösung des Zuges mit vier zusätzlichen Kollegen der Wache Mörsenbroich Präsenz am Alten Markt zeigen, hinzu kämen mehrere Polizei-Auszubildende. Ganz wichtig: Die Zeiten, in denen sich der Zug ungeordnet aufgelöst hat, sind vorbei, ab jetzt heißt es: Rechts rum am Alten Markt - und zwar für alle. "Wir können von Glück sagen, dass in den vergangenen Jahren nichts passiert ist. Diese zum Teil chaotischen Verhältnisse können wir so nicht mehr dulden", bekräftigt Pitzer. "Ich möchte nicht, dass wegen dieser Zustände irgendwann doch mal ein Kind unter die Räder gerät", betont Wienholz.

Das gelte auch für weitere Details. So sei es künftig untersagt, auf ausgefahrenen Hydraulikbühnen angemieteter Fahrzeuge zu stehen oder gar zu tanzen, wenn nicht zumindest ein provisorisches Geländer aufgebaut ist. Pyrotechnik sei ebenso verboten wie Luftschlangen oder Konfetti unerwünscht seien. Halbwegs beruhigend sei zumindest die Bilanz der Polizei aus dem Vorjahr gewesen, berichtet Wienholz: Drei Schlägereien zwischen betrunkenen "jungen Heranwachsenden", keine Sexualdelikte.

Man sieht: Die Zeiten, in denen Veedelszüge spontane, ungeordnete und ungezwungene Veranstaltungen waren, sind vorbei. Das belegt auch der Aufwand, den die Saubande im Vorfeld betreiben muss: Genehmigungen, Toiletten, Absperrungen, Halteverbote oder Anwohnerinfos würden die Vereinsmitglieder in Atem halten, erklärt Pitzer. Bis zu 15.000 Euro würde die Durchführung des Veedelszochs kosten. Der Verkauf der Sticker (1,50 Euro) zur Finanzierung laufe jedoch stets nur schleppend. Alle Gruppen erhielten 6-Km/h-Schilder, die sie hinten am Wagen anbringen müssten. Vorgeschrieben auf den Fahrzeugen seien das Mitführen von Warndreieck, Verbandskasten und Handy und mindestens zwei Begleiter (vorzugsweise in Warnweste) müssten die Wagen sichern.

Das alles klingt nicht nur nach Spaß, "dennoch wird natürlich ausgiebig gefeiert. Und wir machen das jedes Jahr aufs Neue selbstverständlich gerne", betont Pitzer.

Quelle: RP
 
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