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Golzheim
Endlich richtig reden

Golzheim. Toastmasters ist eine internationale Organisation. Sie hat es sich zum Ziel gemacht, Menschen dabei zu helfen, ihre Redefähigkeiten zu verbessern, Rede-Ängste zu überwinden und Führungsqualitäten zu entwickeln. Von Nicole Esch

"Liebe Toastmasters, liebe Gäste, herzlich willkommen!" Wenn man sieht, wie selbstsicher Michael Eugen Schmidt die rund dreißig Teilnehmer des Toastmasters-Clubabends begrüßt, kann man sich nicht vorstellen, dass der 27-Jährige es vor drei Jahren kaum fertiggebracht hat, sich selbst einer Gruppe vorzustellen. "Ich habe irgendwas vor mich hingemurmelt, nur um es schnell hinter mich zu bringen", erzählt er. Heute führt der Personalberater als Toastmaster des Abends souverän und humorvoll durch das Treffen und zeigt sein Improvisationstalent.

Toastmasters ist eine internationale Organisation, die es sich zum Ziel gemacht hat, Menschen dabei zu helfen, ihre Redefähigkeiten zu verbessern, Rede-Ängste zu überwinden und Führungsqualitäten zu entwickeln. Weltweit gibt es mehr als 15.900 Clubs in mehr als 140 Ländern. Mit rund 100 Mitgliedern sind die Düsseldorfer Toastmasters der größte Club Europas. Vom Schüler bis zum Rentner ist jede Altersgruppe vertreten. Fünf bis sechs Mal im Monat haben die Mitglieder die Möglichkeit, ihre Redefähigkeit in einer entspannten Atmosphäre zu üben und konstruktiv bewerten zu lassen. Böse Worte gibt es nie. "Die Stimmung hier ist immer toll und herzlich. Man ist direkt per du", beschreibt der Personalberater die Treffen. Jeder Gast wird persönlich begrüßt und freundlich in der Gruppe aufgenommen.

Als Schmidt vor drei Jahren nach Düsseldorf zog, besuchte er bald ein Treffen der hiesigen Toastmasters. Nachdem er mehrmals als Gast zugeschaut hatte, beschloss er, seine panische Angst vor anderen zu sprechen, zu überwinden und ins kalte Wasser zu springen. An seine erste Stegreif-Rede erinnert er sich noch, als wäre es gestern gewesen. Der Schritt auf die Bühne sei dabei die größte Überwindung gewesen. "Ich habe schnell geredet, auf den Boden geguckt, die Füße hin und her bewegt. Das war katastrophal", erinnert sich der 27-Jährige. "Aber ich stand vor vielen Leuten und habe irgendetwas gesagt." Hinterher hat er sich gut gefühlt. "Wenn man Ängste überwindet, hat man den ganzen Tag ein Grinsen im Gesicht und das geht einfach nicht mehr weg." Schmidt ist sofort klar gewesen, dass das wieder passieren muss. "Das ist wie eine Sucht."

Mittlerweile gehört der Personalberater zum Präsidium der Düsseldorfer Toastmasters. 2016 war er als Vizepräsident "Mentoring/Leadership" für das Mentorenprogramm verantwortlich. Jetzt ist er Vizepräsident "Education". Er kümmert sich um Schulungen, interne Qualität und die Organisation im Club.

Trotz seiner starken Entwicklung bei den Toastmasters muss Schmidt immer noch an sich arbeiten. "Ich habe gelernt, mit der Nervosität umzugehen." Trotzdem macht er sich noch immer häufig selbst nervöser als nötig. "Ich versuche, alles perfekt hinzubekommen. Dann fange ich an, darüber nachzudenken, was schief gehen könnte. Dadurch werde ich emotional und unruhig." Da hilft es ihm, sich auf die Atmung zu konzentrieren. Gegen Nervosität hat Schmidt noch weitere Tipps. "Am besten sucht man sich zwei oder drei Zuhörer aus, die man immer wieder anschaut." Und besonders wichtig ist es, an sich selbst zu glauben. Denn jeder bekommt das hin.

Auch beruflich hat das Redetraining den 27-Jährigen weitergebracht. "Es ist jetzt leichter, auf Menschen zuzugehen. Ich kann mit Leuten, die karrieretechnisch weitaus höher aufgestellt sind, gut auf Augenhöhe sprechen. Überall da, wo man redet, wo man mit interessanten Persönlichkeiten in Kontakt kommt, wo man schwierige Situationen meistern muss oder es sehr kritisch wird, da hilft das einfach", sagt Michael Eugen Schmidt.

Quelle: RP
 
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