| 00.00 Uhr

Golzheim
Es lebe die Revolution!

Golzheim. 16 Bürger kamen in den Revolutionskämpfen 1849 ums Leben. Nun soll ihrer mit einem Denkmal gedacht werden. Von Torsten Thissen

Man kann sich den Tod von Ludwig von Milewski als Heldentod vorstellen. Da stand er also, der junge Maler polnischer Abstammung, auf der Barrikade, sein jungenhaftes Gesicht vom Schein der Fackeln erleuchtet, vor ihm die Reihen der Soldaten, welche die Geschütze in Stellung brachten.

Die Stadt war in Aufruhr, die Gemüter erhitzt, und der 23-Jährige schrie den Soldaten entgegen, dass sie nicht auf die Menschenmenge schießen sollten. Die Preußen aber schossen doch, und eine Kugel traf dann ihn. Milewski stürzte auf das Kopfsteinpflaster. Als einer von 16 Toten der Nacht vom 9. zum 10. Mai 1849 in Düsseldorf wurde er betrauert, von Arbeitern und demokratischen Bürgern, verehrt gar als ein Märtyrer der demokratischen Bewegung. Nachdem sein Freund, Peter Joseph Wilms, ein Stillleben von ihm angefertigt hatte, das als Kupferstich Verbreitung fand.

Ob es denn wirklich so war, ist heute schwer nachzuvollziehen, so mag die Darstellung seines Todes übertrieben dramatisch sein. Tatsache ist, dass dem unschuldig scheinenden damaligen Studenten der Kunstakademie nun ein Denkmal auf dem Golzheimer Friedhof gesetzt werden soll. Ihm und seinen 15 zu Tode gekommenen Mitstreitern. Einstimmig beschloss die BV im Bezirk 1 nun, die Verwaltung zu bitten, das Feld 9 auf dem Friedhof als einen Gedenkplatz für die Gefallenen der Düsseldorfer Revolution von 1848/1849 zu gestalten. Die Wiederaufstellung des Milewski-Grabmals und das Aufstellen eines Gedenksteines mit einer Gedenktafel sind angedacht, die Finanzierung allerdings ist unklar.

Für Birgit Halcourt ist der Beschluss ein großer Erfolg. Seit mehreren Jahren setzt sich ihr Verein "Der Golzheimer Friedhof soll leben" dafür ein, dass der Friedhof als Kultur- und Gartendenkmal größere Beachtung erhält. Die Gedenkstätte wäre nun ein weiterer Schritt in die Richtung.

Die Idee ist eine Folge der direkten Vereinsarbeit. Jedes Jahr haben sich die Freunde des Golzheimer Friedhofs vorgenommen, ein Grabmal zu restaurieren. Zuletzt war es das der Kaufmannsfamilie Hartmann. Das Sterbedatum des Friedrich Hartmann war dabei sehr auffällig: 10. Mai 1849. Er war einer der 16 Toten. Recherchen des Vereins ergaben, dass das Grabmal von Ludwig von Milewski - seine Eltern hatten es 1852 aufstellen lassen - zwar noch bestand, aber 1948 versetzt worden war. Die Gräber der anderen Toten waren nicht mehr auffindbar, sie waren damals in Reihengräbern beigesetzt worden, doch sind ihre Namen und Berufe erhalten.

"Unser Ziel ist es, den Stein von Milewski an seinen ursprünglichen Platz zurückzuversetzen, und einen Gedenkstein oder ein Denkmal für alle Opfer der Barrikadenkämpfe zu errichten", sagt Halcourt. Diesem Ziel ist der Verein mit dem gestrigen Beschluss der BV nun ein ganzes Stück näher gekommen.

Dabei würde das Denkmal an eine der wichtigsten Epochen in der Düsseldorfer Stadtgeschichte erinnern. Damals war die Stadt ein Zentrum der Revolution, sowohl liberaler als auch proletarischer Kräfte. Das lag nicht zuletzt am Klima der Franzosenzeit, das immer noch in Düsseldorf vorherrschte. Immer noch begegneten viele Düsseldorfer dem preußischen Staat, zu dem sie gehörten, mit einer großen und herzlichen Portion Abneigung. So kam es 1843 etwa zum Köln-Düsseldorfer Verbrüderungsfest, eine politische Demonstration rheinischer Bürger, die sich gegen das preußische Strafgesetzbuch wandte, da es gegenüber dem Rheinischen Recht als Rückschritt empfunden wurde. Immer wieder machten die Bürger ihrem Ärger Luft, hier wurde der preußische König Friedrich Wilhelm IV mit Pferdeäpfeln beworfen (die Straße nannte man später Königsallee, um den Monarchen zu besänftigen.) Hier rief einer der Gründerväter der Sozialdemokratie, Ferdinand Lassalle, mit der Bürgerwehr unter Lorenz Cantador zum Steuerboykott und Bewaffnung auf. Und hier entstand die erste Darstellung einer selbstbewussten Arbeiterklasse in der Kunstgeschichte.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Golzheim: Es lebe die Revolution!


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.