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Golzheim
Porträts beeindrucken mit fünf Farbtönen

Golzheim. Die farblich reduzierten Bilder von Carola Paschold erinnern an Pop-Art-Grafiken. Die Porträts sind jedoch echte Handarbeit. Von Holger Lodahl

Viele Jahre malte Carola Paschold idyllische Impressionen der Provence in Aquarellfarben. Das kam bei Sammlern und Reisenden gut an, stellte aber für Paschold bald keine Herausforderung mehr dar. "Diese Art von Kunst wurde mir zu zart", sagt sie. "Ich wollte einen neuen Stil schaffen – einen Stil, den ich selbst entwickeln konnte." Eine gute Entscheidung: Paschold entwickelte einen eigenen Stil und malt nun Porträts von einer beeindruckenden Tiefe. Und das, obwohl die Malerin ihre Werke meist auf fünf Farbtöne reduziert. Ab heute zeigt Carola Paschold ihre Bilder im Kunstraum Ballhaus im Nordpark.

Die Malerin porträtiert Personen aus Politik, Film, Musik und aus dem täglichen Leben. Das Gesicht von Kanzlerin Angela Merkel etwa zeigt sie in einem kleinen Bildausschnitt. Aber auch den britischen Schauspieler Ben Barnes und Komponist Richard Wagner verewigte die in Düsseldorf-Oberkassel lebende Künstlerin. Aber ob weiblich, männlich, alt oder jung – Pascholds Mal-Stil ist unverwechselbar. Jedes Bild wird von den Augen dominiert. Brauen, Wimpern und galant angedeutete Fältchen lenken die Aufmerksamkeit des Betrachters auf die Augen, die durch geschickt gesetzte Licht-Reflexe einen lebendigen Glanz bekommen. Nasen hingegen deutet Paschold nur mit wenigen Linien an; den Konturen der Lippen widmet sie wieder mehr Beachtung. Wie beim Malen der Augen auch arbeitet sie dort mit Licht-Reflexen und Fältchen. Nahezu flächendeckende Farbe wendet Carola Paschold für die Darstellung der Gesichtshaut an. Wangen und Stirn wirken fast, als seien sie fotografisch überblendet: ohne jegliche Poren oder andere sichtbare Merkmale.

Ihr erstes Bild in diesem Stil malte Paschold im Jahr 2006. Die Inspiration, mit nur etwa fünf Farbtönen das Gesicht eines männlichen Fotomodells mit Ölfarbe auf Leinwand zu übertragen, bekam sie durch das Werk eines anderen Künstlers: Victor Vasarely. "Er erschuf geometrische, abstrakte Motive mit einer besonderen Dreidimensionalität und benutzte nur wenige Farbtöne. Vasarelys Konzept habe ich auf meine gegenständliche Malerei übertragen", sagt Paschold, noch immer beeindruckt vom Werk des Franzosen ungarischer Abstammung. Eine weitere Tatsache verbindet Paschold und Vasarely: Beide arbeiteten als Grafiker: Vasarely während der 1930er-Jahre in Paris, Carola Paschold nach einem Design-Studium an der Fachhochschule Düsseldorf für verschiedene Verlage und Agenturen.

Pascholds Porträts erinnern an die Siebdrucke des Pop-Art-Künstlers Andy Warhol. Von dessen technischen Zeichnungen und Drucken hat sich Carola Paschold aber entfernt. Sie malt nach fotografischen Vorlagen ganz klassisch auf Leinwand mit Ölfarben an einer Staffelei. Allerdings, so räumt sie ein, stelle sie von den Originalen auch Editionen her. "Die Bilder werden abgescannt und auf Büttenpapier gedruckt", sagt sie. "Pro Original lasse ich Editionen in einer Auflage von bis zu 300 Stück produzieren."

Zu Aquarellfarbe wie für die Bilder der Provence greift Paschold nicht so bald. "Ich habe festgestellt, dass meine neue Malerei mich mehr fordert", sagt sie. "Zurzeit gilt meine ganze Liebe und Intensität meinem neuen Stil."

Quelle: RP
 
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