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Hamm
"Blüh, Blümchen, blüh"

Hamm. Beim Schützenfest im Hamm kommt den elf Blumenhornträgern eine besondere Aufgabe zu.

Helge Kremer (58) büßt noch immer. Und er trägt schwer an seiner Strafe. Weil er sich vor 24 Jahren mit der versprochenen Gulaschsuppe für seine Schützenkameraden verspätet hatte, gab ihm sein Kompaniehauptmann damals spontan die Aufgabe, das Blumenhorn während des Schützenumzuges in Hamm zu tragen. "Eine Strafaufgabe für jeden Schützenneuling", sagt Kremer. Heute, 24 Jahre später, nimmt er es gelassen. Kremer ist kräftig, sein Händedruck verrät, dass er mindestens dieser Aufgabe gewachsen ist. "Je nach Größe, kann so ein Blumenhorn auch schon mal bis zu 25 Kilo wiegen", sagt der Gastronom, "eine gewisse Fitness ist also Grundvoraussetzung für den Job."

Elf Blumenhornträger gibt es bei den St. Sebastianus Schützen Hamm. Kremer kommt im Kreise der Träger eine besondere Aufgabe zu. "Irgendwie ist diese Aufgabe an mir hängen geblieben", sagt er, und hat sich dafür eigenmächtig den Titel "Oberhornträger" verliehen. Von der Erstellung des Blumenschmucks durch ausgewählte Floristen - ein geschmücktes Horn kann durchaus bis zu 300 Euro kosten - bis zur ausgearbeiteten Choreografie der Hornträger bei der Aufstellung im Zug koordiniert er seither den Einsatz des floralen Schmucks. Kremer ist auch dafür zuständig, dass die Hörner während des gesamten Schützenfestes stets frisch und möglichst farbenfroh blühend präsentiert werden können. "Eine gewissenhafte Pflege ist da besonders wichtig."

Die Blumen erhalten stets frisches Wasser, nachts werden die Blumenhörner in einem Kühlhaus aufbewahrt. Dennoch müssen verwelkte Blumen täglich ergänzt und nachgesteckt werden. Und weil Kremer nicht nur den reibungslosen Ablauf aktueller Feste garantieren will, interessiert er sich auch für die Historie der Blumenhörner. So recherchierte er, dass die Hörner ursprünglich als Wegzehrung mit Bier gefüllt waren. Bis, so die Legende, im 19. Jahrhundert einem zum Neusser Schützenzug unfertigen Horn der Deckel fehlte. Weil die Flüssigkeit nicht ohne Weiteres transportiert werden konnte, riet der Hersteller des Horns kurzerhand dazu, das Horn mit Blumen zu dekorieren. "Offensichtlich gefiel der farbenfrohe Akzent den Menschen so gut, dass sich das Blumenhorn über die Jahre etablieren konnte", spekuliert Kremer.

Dass die Blumenhörner den Menschen noch immer gefallen, weiß Kremer aus Erfahrung: "Wenn wir mit unseren Hörnern kommen, gibt es immer viel Applaus." Beim Schützenfest in Hamm vom 3. bis 6. September wird man die Blumenhornträger wieder sehen. Mit einer eigenen Choreographie ehren die Hornträger am letzten Tag des Schützenfestes, das vom 3. bis 6. September gefeiert wird, gesondert den amtierenden Schützenkönig. Eigens dafür wurde der Gruß "Blümchen, blüh" eingeführt.

(sdr)
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