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Hamm
Die große Welt der kleinen Bäume

Hamm. In Hamm zeigt Werner M. Busch in Deutschlands einzigem Bonsai-Museum faszinierende Lebendkunstwerke der asiatischen Tradition. Dort begegnet der Besucher Bäumen auf Augenhöhe. Von Sven-André Dreyer

Es ist ein ganz besonderer Ort: Während sich der Berufsverkehr auf der nahegelegenen Josef-Kardinal-Frings-Brücke geräuschvoll stadteinwärts staut, herrscht hier, verborgen hinter einer meterhohen Wand aus Bambus, absolute Stille. Auf einem angrenzenden Feld wächst Rhabarber, eine Krähe kritzelt ihren Flug in den frühen Morgenhimmel.

Werner M. Busch setzt eine Zange an einem frischen Trieb einer Mädchenkiefer an, knipst ihn ab. "Der Trieb wird entfernt, damit die vorgegebene Form des Baumes erhalten bleibt", erklärt der 61-Jährige. Bei dem bereits über 80 Jahre alten Baum handelt es sich, wie bei allen umstehenden Bäumen auch, um ein ganz besonderes Gewächs, denn Busch ist Gründer des deutschlandweit einzigen Bonsai-Museums. Hier, im ländlich geprägten Stadtteil Hamm, sind unzählige, mitunter weit über 100 Jahre alte Miniaturbäume zu besichtigen, außergewöhnlich in Form und Wuchs. Pflanzen, die von Menschen geformt und durch stetigen Rückschnitt dauerhaft in ihrem Wuchs limitiert werden.

Das japanische Wort "Bonsai" - Pflanzung in einer Schale - geht zurück auf den chinesischen Begriff "Pénzâi". Wie häufig in der fernöstlichen Tradition, so existiert auch in dieser Kunstform ein Überbau philosophischer Ansätze. "Nicht allein die Gestaltung, Aufzucht und Pflege der Bäume macht die Philosophie aus, die Menschen erkennen darin auch die Prinzipien eines Baumes und damit des Lebens", erklärt Busch, der sich bereits während seines 1978 begonnenen Biologiestudiums an der Heinrich-Heine-Universität mit der asiatischen Gartenkunst beschäftigte. "Sie erleben unmittelbar, wie der Baum auf die unterschiedlichen Jahreszeiten reagiert, erfahren die Langsamkeit der Entwicklung."

Um wirklich etwas Dauerhaftes zu schaffen, benötigen Bonsai-Fans jede Menge Zeit, Geduld und Disziplin: "Die Bäume müssen gut gewässert, beschnitten und ständig beobachtet werden. Die Pflege der Bonsai muss einfach gut organisiert sein", sagt der in der Szene weltweit beachtete und anerkannte Autor zahlreicher Fachbücher. Ein Aufwand, der sich lohnt - Bonsai-Bäume können mehrere hundert Jahre alt werden.

1984 begann der heute in Bilk lebende Biologe zunächst mit zehn eigenen Bäumchen, die er auf einem Acker in Hamm gezüchtet hatte. 1988 reiste er erstmals nach Japan und konnte sich dort weiteres Fachwissen aneignen. Sein erstes Buch revolutionierte 1994 die Bonsai-Welt - niemand hatte sich vor ihm mit der Gestaltung heimischer Baumarten beschäftigt, die Nachfrage nach seinen Seminaren stieg. Um Interessierten einen Überblick über die unterschiedlichen Formen von Bonsai, die Geschichte, aber auch die detaillierte Schönheit der Miniaturbäume näher zu bringen, eröffnete Busch 2011 schließlich das Bonsai-Museum auf mehr als 1500 Quadratmetern unweit des Rheins an der Hammer Dorfstraße.

Quelle: RP
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