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Hamm
Gemeinde verkauft Hammer Pfarrhaus

Hamm. Drei Jahren stand das denkmalgeschützte Haus an der Florensstraße leer. Lange hatte der Kirchenvorstand diskutiert. Die Hammer fürchten, dass ein Stück Geschichte verloren geht. Von Nicole Kampe

Der Rasen ist gemäht, der Flieder blüht, die Büsche auf dem Grundstück sind gestutzt. Eigentlich sieht das Haus an der Florensstraße bewohnt aus, lange aber hat in dem Haus niemand mehr gewohnt. Das soll sich jetzt ändern: Die Kirchengemeinde St. Bonifatius will die Immobilie verkaufen. "Wir haben viel diskutiert", sagt Philipp Laflör, der Mitglied im Kirchenvorstand ist. Über Jahre habe das unter Denkmalschutz stehende Haus immer wieder auf der Tagesordnung gestanden, "natürlich haben wir auch über Vermietung nachgedacht", sagt Laflör.

Letztlich sei der Verkauf sinnvoller, aus wirtschaftlichen Gründen. Der Kirchenvorstand hofft, dass ein Eigentümer mehr Zeit und Engagement investieren kann in das um 1840 erbaute Haus, "das in jedem Fall erhaltungswürdig ist", findet Laflör. Kosten hatte die Kirche zudem für das Haus in den letzten drei Jahren, als es leergestanden hat. Die Heizung sei zum Beispiel bezahlt worden. Würde es vermietet werden, "müsste die Kirche für die Renovierungsarbeiten aufkommen", sagt Philipp Laflör, der den Verkauf des Hauses betreut.

Petra Tappertzhofen von der Initiative "Rettet Hamm" findet es sehr schade, dass die Immobilie verkauft wird, sie gehörte immer zum Stadtteil, war Anlaufpunkt für die Menschen. Vor allem bereitet ihr das Geld Sorgen, das die Kirche mit dem Verkauf einnehmen wird: "Was passiert damit?", fragt sie. Überhaupt würde sie gerne wissen, wer oder was in das Objekt einziehen wird. "Man hätte auch etwas Gemeinnütziges machen können damit." Als Unterkunft für eine größere Flüchtlingsfamilie hätte sich die Kirchengemeinde St. Bonifatius das denkmalgeschützte Haus vorstellen können. "Das wollte die Stadt aber nicht", sagt Laflör. Und das Geld, das eingenommen wird, sei nur für Hamm bestimmt, auch wenn es noch keine konkreten Pläne gibt.

Ein Kaplan lebte bis 2014 noch an der Florensstraße, das Pfarrbüro zog bereits um 2011 aus, als Hamm mit den Kirchengemeinden Flehe und Volmerswerth zusammengelegt wurde. Damals ist auch ein zentrales Pastoralbüro eingerichtet worden. Einmal in der Woche öffente an der Florensstraße noch das Kontaktbüro, damit die Hammer einen Ansprechpartner in ihrem Stadtteil haben. Die wöchentliche Sprechstunde ist inzwischen verlegt worden in den Pfarrgemeindesaal und findet immer nach der Seniorenmesse statt. Natürlich kann Laflör die Sorgen der Hammer verstehen, wenn das Pfarrhaus aus der Hand gegeben wird. "Wünschenswert ist, wenn das Haus so bleibt, wie es ist. Aber ist das realistisch?", fragt Marion Kempkes, Vorsitzende des CDU-Ortsverbands Düsseldorf-Hamm.

Im Internet bietet die Kirche das Objekt bereits zum Kauf an, 400.000 Euro soll es mindestens kosten. "Wir haben uns für ein Bieterverfahren entschieden", sagt Laflör. Bis zum 21. Juli müssen alle Angebote mit einem Nachweis zum Finanzierungsplan bei der Kirchengemeinde vorliegen, der Meistbietende bekommt den Zuschlag.

Dem neuen Eigentümer müsse bewusst sein, dass Renovierungsarbeiten auf ihn zukommen werden: Bäder, Böden, Wände. In den nächsten zehn Jahren müsste das Dach neu gedeckt werden. Interessenten gebe es schon einige, individuelle Besichtigungen bietet Philipp Laflör an.

Quelle: RP
 
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