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Hamm
Mottowagen erzählen Dönekes vom Dorf

Hamm: Mottowagen erzählen Dönekes vom Dorf
Mit dem Rikscha-Taxi von Köln nach Düsseldorf: Der Mottowagen der St. Hubertus-Schützen begeisterte die Besucher und Jury. FOTO: Andreas Endermann
Hamm. Fantasievolle und lustige Fackeln sorgten für Begeisterung beim Hammer Schützenfest, bei dem das ganze Dorf mitfeierte. Gute zwei Stunden zogen Schützen, Musiker und Kapellen durch den Stadtteil. Von Sven-André Dreyer

Es sind die herausragenden Episoden aus dem Dorfleben, von denen die Fackelwagen der Hammer Schützenkompanien erzählen. "Dönekes" nennt der Rheinländer diese Begebenheiten, die zum Schmunzeln anregen. Da geht es um den Bau von Straßenbahnhaltestellen vor der eigenen Haustür genau so wie um resolute Gospel-Chöre, denen Marschmusik entgegengesetzt wird. Es geht um eigentlich gesetzte Schützenkameraden, die auszuprobieren, wie häufig man auf einer Heimatfahrt die Straßenbahn verlassen und wieder zusteigen kann, bis man diese endgültig verpasst. Und natürlich geht es auch um Herrn Busch, der sich auf einer Wallfahrt nach Köln auf dem Rückweg ein Rikscha-Taxi gönnte, um Eis essend rechtzeitig den Reisebus zurück in die Heimat zu erreichen. Dass gleich zwei Kompanien der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Hamm die Begebenheit figürlich mit ihren Mottowagen anlässlich des Fackelumzuges am vergangenen Samstagabend aufgriffen, zeigt, wie nachhaltig die Episode im Hammer Dorfleben nachklingt.

Besonders aufwendig präsentierte dabei die St. Hubertus Schützenkompanie die Anekdote. Dabei wäre der Mottowagen der Kompanie den Wegbereitern der Hydraulik des 19. und 20. Jahrhunderts eine wahre Freude gewesen. Knatternd kündeten lange vor Eintreffen des Wagens viele Generatoren von der im Wagen verbauten Technik. "Rund fünf Wochen Bauzeit stecken in dem illuminierten Wagen", sagt Michael Windhövel, Schriftführer der St. Hubertus Kompanie.

Um die zahlreichen Bewegungen auf dem Wagen realisieren zu können, bedarf es einer aufwendigen Konstruktionsplanung. "Viele Arbeiten unterschiedlicher Gewerke sind notwendig, um die Grundkonstruktion herzustellen", erklärt er die Entstehung eines Mottowagens, von denen elf anlässlich des diesjährigen Fackelzuges durch Hamm rollten. Erst, wenn das technische Grundgerüst erstellt ist, beginnt der kunstvolle Aufbau mit Pappmaché und Farbgestaltung. Diese kommen bei den Schützen gut an. "Und auch die Menschen am Straßenrand feiern beim Fackelzug begeistert mit", sagt Windhövel.

So sitzen zahlreiche Zuschauer an diesem lauen Sommerabend in Garageneinfahrten und zur Straße offenen Höfen bei Gegrilltem und gedeckten Tafeln, um das Treiben unmittelbar vor ihrer Haustür zu sehen. Oft werden auch kleine Fässchen auf Gartenmauern drapiert. "Zu den rund 600 beteiligten Schützen kommen noch einmal rund 600 Musiker", schätzt Windhövel. Weil sich jede Kompanie um ihre eigene musikalische Begleitung kümmert, ergibt sich eine hohe Dichte an begleitenden Kapellen. Rund zwei Stunden dauert der Zug durch Hamm. Bei einer Zuglänge von gut einem Kilometer für alle Beteiligten ein großes Fest, das seinen Höhepunkt nach dem Umzug im Festzelt nimmt. "Es ist wie Hamms größtes und schönstes Klassentreffen", sagt Windhövel. Es treffen sich alte Freunde und Bekannte wieder. "Selbst Ehemalige kommen oftmals für diesen einen Abend im Jahr nach Hamm zurück."

Während die einen im Festzelt bereits ausgelassen feiern, müssen anderen noch arbeiten: Eine Jury, bestehend aus Vertretern aller elf mit Mottowagen am Zug beteiligten Kompanien, wählt den gelungensten Fackelwagen des Umzugs. Nach der Kompanie Liederkranz wurde die Kompanie der St. Hubertusschützen in diesem Jahr mit dem zweiten Platz geehrt. "Eine schöne Motivation für den Wagen des kommenden Jahres", sagt Michael Windhövel.

Quelle: RP
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